Auch für Gewalt gegen Partnerin verantwortlich?

Marihuana unterm Bett, Waffen im Kleiderschrank: Mutmaßlicher Dealer in Hildesheim angeklagt

Hildesheim - Ein 34-jähriger Hildesheimer kommt wegen Dealerei vor Gericht, dabei war der Drogenfund eher Zufall: Die Polizei hatten ihn wegen einer möglichen Gewalttat im Visier.

Ab dem 28. Februar muss sich der Angeklagte vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Es ist der Vormittag des 3. Oktober 2021, als sich eine schwer verletzte Hildesheimerin im Krankenhaus behandeln lässt. Die Mediziner haben schnell einen Verdacht, glauben den Erklärungen der Patientin nicht. Schlüssig wäre aus Sicht der Ärzte dies: Die Frau ist Opfer eine Gewalttat geworden. Sie schalten die Polizei ein, die Staatsanwaltschaft kommt hinzu, vom Gericht gibt es einen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Lebensgefährten der verletzten Frau. Es geht alles sehr schnell, denn die Ermittler halten sogar ein versuchtes Tötungsdelikt für denkbar.

Razzia wegen verletzter Frau – doch die Ermittler finden Drogen

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 34-Jährigen erhoben – allerdings nicht wegen einer möglichen brutalen Attacke gegen seine Partnerin, sondern weil die Strafverfolger ihn für einen Drogendealer halten. Denn bei der Razzia in seiner Wohnung konnten die Einsatzkräfte zwar keine Hinweise auf eine Gewalttat gegen die Frau sichern, wohl aber Drogen in großen Mengen – ein Zufallsfund.

Als die Beamten damals die Räume betraten, fiel ihnen schnell der typische Geruch auf – und nach ein bisschen Suchen wurden sie auch fündig. Nach Angaben der Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim, Christina Wotschke, entdeckten die Ermittler auf einem Kleiderschrank im Schlafzimmer und unterm Bett des Angeklagten insgesamt 4,6 Kilogramm Marihuana, zudem stellten sie noch 340 Gramm Amphetamine sicher. Im Kleiderschrank lagen: eine Machete, ein Schlagring, zwei Teleskop-Schlagstöcke und 400 Euro in 50-, 20- und 5-Euro-Noten, außerdem hatte der 34-Jährigen ein Elektroschockgerät in Reichweite.

Kiloweise Marihuana – für den Eigenbedarf?

In einem von ihm gepachteten Gartenlaube stellten die Beamten später noch weitere 37 Gramm Marihuana sicher, zudem kleine Beutel wie sie Dealer zum Verpacken der Ware benutzen, sowie eine Feinwaage und eine Schreckschusspistole. Der Beschuldigte hat den Ermittlern gegenüber angegeben, das Marihuana ausschließlich für den Eigenbedarf besessen zu haben – es sollte sein „ganzes Leben lang“ reichen. Er will es bei tschetschenischen Dealern für 2000 Euro pro Kilogramm gekauft haben, einen Teil des Geldes schulde er den Verkäufern noch. Seine Freundin habe das mit den Drogen zwar nicht so toll gefunden, berichtete er den Ermittlern – aber sie seien schließlich auch zu teuer gewesen, um sie wegzuschmeißen.

Der Mann sitzt seit seiner vorläufigen Festnahme in Untersuchungshaft, der Prozess gegen ihn beginnt am 28. Februar vor der Großen Strafkammer am Landgericht Hildesheim. Die Ermittlungen wegen des Verdachts, dass der Angeklagte auch für die schweren Verletzungen seiner Partnerin verantwortlich sein könnte, laufen noch. Doch es ist zweifelhaft, ob er sich jemals deswegen vor Gericht wird verantworten müssen: Die Frau belastet ihn nach wie vor nicht.

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