Gebeutelte Branche

Coronavirus: Messe-Absage ist neuer Tiefschlag für Hildesheimer Hotels

Hildesheim - Die Branche leidet bereits unter Buchungs-Rückgängen wegen des Coronavirus, nun fällt ein zentraler Umsatzbringer vorerst weg. Die Aussteller reagieren eher gelassen.

Die Hannover-Messe sorgt normalerweise auch in Hotels und Gaststätten im Landkreis Hildesheim für Trubel - die Verschiebung trifft die bereits wegen des Coronavirus gebeutelte Branche schwer. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Hildesheim - Sechs Aussteller aus Stadt und Landkreis Hildesheim wollten im April ihre Produkte auf der Hannover-Messe zeigen – die am Mittwoch gemeldete Verschiebung nehmen sie relativ gelassen, wie eine schnelle HAZ-Umfrage ergab. Für Hotels und Gaststätten in der Region ist die vorläufige Absage hingegen ein neuer Tiefschlag in einer Phase, da sie wegen des Coronavirus ohnehin schon schwere Einbußen hinnehmen müssen. Messegäste sind traditionell ein wichtiger Umsatzbringer für die Branche.

Familienfeiern fallen flach

Um bis zu 80 Prozent sind die Umsätze einzelner Betriebe in und um Hildesheim im ersten Quartal dieses Jahres eingebrochen, berichtete Renate Mitulla vom Branchenverband Dehoga am Mittwoch auf HAZ-Anfrage. Die Menschen reisten weniger, zudem würden zunehmend Tagungen und Familienfeiern abgesagt.

Die Verschiebung der Messe werde weitere „extreme Auswirkungen“ haben, warnt Mitulla. Die Ausfälle ließen sich auch nicht ausgleichen, wenn die Messe wirklich im Juli nachgeholt werde. „Dann ist Sommerzeit, Schützenfest in Hannover, da wird es schon eher schwierig, Kontingente für die Messe frei zu halten“, fürchtet die Dehoga-Vertreterin. Zumal: „Wann ist denn sicher, dass sie dann stattfindet?“

Mehr Betten, weniger Gäste

Was die Lage vieler Betriebe zusätzlich verschärfe: „In Hildesheim hat die Zahl der Betten in den vergangenen Jahren um 50 Prozent zugenommen.“ Tatsächlich sind unter anderem am Hauptbahnhof zusätzliche Kapazitäten entstanden. Heißt: Immer mehr Hotels ringen im Moment um immer weniger Kunden. „Die Debatte um die Bettensteuer in Hildesheim macht es natürlich auch nicht gerade einfacher“, merkt Mitulla an.

Welche Schwierigkeiten die Messe-Verschiebung mit sich bringt, wird auch am Beispiel des Hildesheimer Van-der-Valk-Hotels deutlich. Zwar habe man mit dem Schritt gerechnet, zudem hätten bereits Firmen ihre Buchungen teilweise oder ganz storniert, sagt Sprecher Yannik Schulze. Seit Mitte Februar gebe es bereits ohnehin weniger Buchungen, ferner würden Konferenzen abgesagt oder verschoben. Und: Zum neuen Messe-Termin kann das Hotel wegen des geplanten Umbaus 30 Zimmer weniger anbieten als sonst. „Alles in allem wird das Geschäftsjahr eine große Herausforderung“, sagt Schulze – und spricht damit wohl auch vielen anderen Betreibern von Hotels und Gasthöfen aus der Seele.

Firmen begrüßen Absage

Gelassen reagierten hingegen Firmen aus Stadt und Landkreis, die in Hannover ausstellen wollten. Die Metallgießerei Funke aus Alfeld zum Beispiel begrüßte die Absage sogar: „Es hätte wohl deutlich weniger Besucher gegeben als sonst.“ Den neuen Termin werde man ebenfalls wahrnehmen, zusätzliche Kosten über die bereits investierten 6000 Euro hinaus erwarte man nicht, sagte Geschäftsführer Jürgen Dreyer am Mittwoch. Eine Entschädigung erwarte man daher nicht. Selbst abgesagt hätte das Unternehmen seine Teilnahme allerdings auch nicht, sagte Dreyer.

Auch der Sarstedter Datensicherheits-Experte Kai Viehmeier begrüßte die Verschiebung. Er habe „Hochachtung, dass die Messe ihre eigenen finanziellen Interessen in den Hintergrund stellt und eine große Verantwortung für die Gesundheit aller Beteiligten zeigt“. Der Termin im Sommer sei sicher besser als eine Messe mit wenigen Besuchern im April. Und: „Wir wären auch im April dabei gewesen, aber man hätte sicherlich ein komisches Gefühl gehabt.“

Berufsmessen fallen auch aus

Die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Hildesheim haben wegen der Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus insgesamt vier für März geplante Messen abgesagt, darunter zwei Veranstaltungen in Hildesheim. Betroffen von der Absage sind die Bildungsmesse am 6. März in der Agentur für Arbeit Peine, die Messe „Recht, Schutz und Sicherheit“ am 12. März in der Agentur für Arbeit Hildesheim, die Bildungsmesse am 18. März im Jobcenter Hildesheim und die Pflegemesse am 19. März in der Agentur für Arbeit Hildesheim. Alle Veranstaltungen sollen voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni nachgeholt werden, kündigt die Hildesheimer Behördenleiterin Evelyne Beger an. Die Entscheidung sie ihrer Behörde zwar nicht leicht gefallen, doch hätten immer mehr Aussteller ihre Teilnahme abgesagt

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