Aufarbeitung

Missbrauch im Bistum: Forscher suchen Zeugen

Hildesheim/Göttingen - Fünfter Termin für vertrauliche Gespräche: Das Bistum Hildesheim sucht weiter nach Zeitzeugen früherer Missbrauchsfälle.

Einer Studie zufolge sind im Bistum Hildesheim in den vergangenen Jahrzehnten mindestens 153 Menschen Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Foto: Chris Gossmann (Archiv)

Hildesheim/Göttingen - Das Bistum Hildesheim sucht weiter nach Zeitzeugen früherer Missbrauchsfälle. Die Obfrau der vom Bistum eingesetzten externen Expertengruppe, Niedersachsens ehemalige Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz, bietet deshalb am 23. Oktober von 15 bis 18 Uhr im Grenzdurchgangslager Friedland einen Termin für vertrauliche Gespräche an. Es ist der fünfte Termin dieser Art, zweimal war sie auch in Hildesheim.

Vorwürfe gegen Bischof Janssen

Ausgangspunkt für das Angebot sind die in den Jahren 2015 und 2018 dokumentierten Missbrauchsvorwürfe zweier ehemaliger Messdiener gegen den verstorbenen Bischof Heinrich Maria Janssen. Die Experten bitten nun um Hinweise von Betroffenen sexualisierter Gewalt, aktiven oder ehemalige kirchlichen Mitarbeitern, Gemeindemitgliedern oder auch ehemalige Ministranten, die Angaben zum Thema machen können. Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hatte im Vorfeld deutlich gemacht, dass in der Vergangenheit möglicherweise ausgesprochene Schweigegebote keine Wirkung haben.

Die Aufarbeitung wird dem Bistum zufolge die Jahre 1957 bis 1982 umfassen, den Zeitraum, da Janssen Bischof von Hildesheim war. Die Experten wollen auch untersuchen, welche Rolle die Führungsebene des Bistums spielte, wenn es um den Umgang mit Priestern ging, die des Missbrauchs verdächtig waren.

46 Priester beschuldigt

Eine weitere Frage soll sein, ob die mutmaßlichen Täter in einem Beziehungsgeflecht zueinander standen und ob ein bestimmtes Personalmanagement dieses gefördert hat.

Einer Studie zufolge sind im Bistum Hildesheim in den vergangenen Jahrzehnten mindestens 153 Menschen Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Beschuldigt wurden 46 Priester, 30 davon sind schon tot. Obfrau Niewisch-Lennartz ist auch unter obfrau@wissenteilen-hildesheim.de erreichbar.

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