Filmpremiere

Neu im Kino: Ein mysteriöser Fremder bringt den Rock’n’Roll nach Hildesheim

Hildesheim - Ein Drehbuch-Autor, der aus dem Nichts auftaucht. Bier, das nicht verderben darf. Jede Menge Rock’n’Roll: Die Standard Head Company aus Hildesheim bringt das Zwei-Stunden-Epos „Motoröl Layla“ ins Kino.

Hildesheim - Wenige Tage nach der Jahrtausendwende trat die Standard Head Company erstmals auf den Plan. Ihr Debüt war das irre Western-Stück „Staub“, das Hildesheims schrägste Vögel auf der Bühne versammelte und sofort Kultstatus hatte. Sporadisch legte die Gruppe nach, nun kehrt sie fulminant zurück mit einem filmischen Rock’n’Roll-Epos. Am Donnerstag, 2. Dezember, hat das Zwei-Stunden-Machwerk mit dem Titel „Motoröl Layla“ im Thega-Filmpalast Premiere.

„Es geht um die großen Themen der Menschheit, nur eben im Rock’n’Roll-Kontext“, sagt Stefan Könneke, Geschäftsführer der Kulturfabrik und Kopf des Unterfangens. Er ist als einziges Mitglied des ursprünglichen Kerns der Standard Head Company dabei.

Als vor drei Jahren erste Pläne für ein neues Stück geschmiedet wurden, war das Trio mit Steffen Dost und Jan Exner noch komplett. Doch nach einem halben Jahr Proben lösten sich die hochtrabenden Pläne für ein Musical und das Stammtrio in Rauch auf.



Stefan Könneke mochte nicht aufgeben, plante nun ein Theaterstück mit neuen Leuten. „Und dann kam die nächste Coronawelle.“ Also musste eine Pandemie-sichere Alternative her. Ein Film, nur worüber? Hier beginnt der abenteuerliche Teil der Vorgeschichte.

Der mysteriöse Fremde

Wir befinden uns im Spätherbst 2020, es schaltet sich die klassische große Antriebsfeder der Kunst ein: der Zufall. Ein paar Leute aus der Kulturfabrik, unter ihnen Matthias „Schwalle" Bierschwale, der schon bei „Staub“ mit von der Partie war, hängen am Hauptbahnhof ab. Just an diesem Tag strandet der polnisch-ungarische Autor Stanislaw Frostczyk wegen einer gescheiterten Zugverbindung auf dem Bahnhofsvorplatz. In Schwalle und Co. erkennt er die Idealbesetzung für sein neues Bühnen-Drama, das er als Schreibmaschinen-Manuskript in fragwürdigem Englisch dabei hat.

Die Gruppe nimmt Frostczyk mit in die Kufa und stellt den Zigarre schmauchenden Mann Stefan Könneke vor. Zwei Tage später zieht der Fremde weiter, sein Manuskript und den Geruch der Zigarren lässt er da. Bis auf eine knappe Grußkarte aus Vancouver wart von ihm seither weder gehört noch gesehen.

Das sind alles Typen, die etwas zu sagen haben

Produktionsleiter Stefan Könneke

Aber die Standard Head Company hat jetzt eine Story, Stefan Könneke übersetzt sie ins Deutsche. Außerdem holt er den Theatermann Renzo Solórzano Ramirez, der vor 21 Jahren in „Staub“ den schmierigen Mexikaner gab, als Regisseur ins Boot. Die titelgebende Filmband Motoröl Layla wird nach bester Standard-Head-Tradition mit einer Mixtur aus erfahrenen Musikern und Menschen ohne Bühnenerfahrung zusammengestellt. Viel wichtiger als Theater- oder Musikexpertise sei etwas anderes, sagt Könneke: „Das sind alles Typen, die etwas zu sagen haben.“

Diese Typen, so ist es dem Filmplakat zu entnehmen, heißen Baba, Birte, Feldi, Schwalle, Eric, Dirk, Svenne und Stefan. Die Kufa steht wegen des Lockdowns leer, man quartiert sich – täglich neu aufs Virus getestet – im ehemaligen Buffo-Saal im Keller ein. David Schnitter und Hannah Krauß bauen eine Kneipe als Bühnenbild, denn das Ganze soll ein Kammerspiel werden. „Also eine Mischung aus Ohnsorg-Theater und Lindenstraße“, so beschreibt es Stefan Könneke.

Das Bier droht schlecht zu werden

Gleich nebenan ist das Getränkelager voller Bier, das wegen des Lockdowns schlecht zu werden droht – was die Gruppe zu verhindern weiß. „Das hat der Sache ein gewisse Lockerheit gegeben“, sagt Könneke grinsend. René Sackmann filmt, Emma Göttgens hält als Produktionsassistentin die Fäden zusammen, Augustin Kramer stößt als Sprecher hinzu, Baba kümmert sich um die Kostüme.

Die Musik besteht größtenteils aus Coverversionen von Deep Purple über Hillbilly Moon Explosion bis Frank Zappa. Die 18 Songs kann man als USB-Stick bekommen. Außerdem gibt es DVDs, T-Shirts und Kaffeebecher – eben alles, was zu einem großen Filmstart gehört.

Ich wollte schon immer gern in einer Vorabendserie mitspielen

Stefan Könneke

Außer bei der Premiere im Kino kann man die Sachen in der Kufa und über den Kufa-Online-Shop bekommen. Im nächsten Jahr soll der Film, gestückelt in fünf Episoden, im Internet zu sehen sein. Könneke: „Ich wollte schon immer gern in einer Vorabendserie mitspielen.“

Neben der Frage, ob die Geschichte von „Motoröl Layla“ gut ausgeht, darf man im Thega vor allem auf eins gespannt sein: Kommt Stanislaw Frostczyk zur Premiere?

Die Vorführung beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es über die Homepage thega-filmpalast.de. Es gilt die 3-G-plus-Regel.

Die Story:

Eine dunkle Kellerkneipe, der Chef hat Geldprobleme. Da er selbst Musiker ist, kommt ihm die Idee, den Laden als Proberaum zu vermieten. Die Punkband Motoröl hat Interesse, die Studentencombo Layla auch und ebenso die Songwriterin Patti – aber alle haben nur donnerstags Zeit. Und so schließen sich zusammen, mit dem unbedingten Willen, ganz groß rauszukommen. Der Barkeeper übernimmt das Management. Obwohl dauernd etwas schiefgeht, scheint der Plan der durchgeknallten Truppe tatsächlich aufzugehen. Bis es richtig großen Ärger gibt und sich das Bundeskriminalamt einschaltet.