Fibromyalgie

Neu in Bockenem: Betroffene von Schmerzerkrankung bekommen jetzt Hilfe in einer Selbsthilfegruppe

Bockenem - Auf Fibromyalgie-Betroffenen lastet oft ein hoher Leidensdruck – auch, weil die Krankheit sehr oft erst spät erkannt wird. Eine neue Selbsthilfegruppe in Bockenem will den Betroffenen der Schmerzerkrankung mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Detlef Böhm und Manuela Cyffka-Krehl leiten die Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe in Bockenem. Foto: Michael Vollmer

Bockenem - Schmerzen überall im Körper, Schlafstörungen, ein Gefühl völliger Erschöpfung: Die Symptome einer Fibromyalgie sind eher unspezifisch. Oftmals werden die Beschwerden auch als psychische Erkrankung abgestempelt. Auf Fibromyalgie-Betroffenen lastet dazu ein hoher Leidensdruck – auch, weil die Krankheit oft sehr spät erkannt wird. Eine neue Selbsthilfegruppe in Bockenem hat sich vorgenommen, den Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Die Geschichte von Detlef Böhm, der als Lkw-Fahrer arbeitete, ähnelt der von vielen anderen, die unter der nicht heilbaren Fibromyalgie leiden. 2016 bemerkte er ohne Vorwarnung einen schmerzhaften Stich in der Rückengegend. Ein Bandscheibenvorfall sei es nicht, erklärten ihm die Ärzte. Die Mediziner attestierten stattdessen einen Wirbelsäulenverschleiß. In der nächsten Zeit kamen mit Muskelschmerzen, Verdauungsproblemen und einer oft gnadenlosen Erschöpfung weitere Beschwerden dazu. Detlef Böhm rutsche in eine depressive Phase. In einer stationären Kur, die er wegen seiner Rückenbeschwerden bewilligt bekam, fühlte sich der Kraftfahrer besonders nach der Wassergymnastik viel besser. „Das hat mir richtig gut getan“, erinnert sich der Mann aus Nette. Nach seiner Rückkehr setzte er auf Anraten der Mediziner die Gymnastikstunden im Wasser fort. Er landete schließlich beim Funktionstraining der Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe in Hildesheim.

Selbsthilfegruppe in Hildesheim hilft

Als Böhm den Teilnehmerinnen und Teilnehmern von seinem Krankheitsbild erzählte, bekam er durchweg Zustimmung. Viele aus seiner Gruppe hätten Ähnliches erlebt. Über die Selbsthilfegruppe erfuhr Detlef Böhm von einem Facharzt in Hannover, der sich seit 30 Jahren mit dem Thema Fibromyalgie intensiv beschäftigt. „Damit hatte ich endlich jemanden gefunden, der einen ernst nimmt“, erklärt der Frührentner, dem durch die Fibromyalgie auch soziale Kontakte verloren gingen. Da es keine Heilung gibt, sorgte der Experte zumindest für eine Linderung der Beschwerden. „Der Druck fiel ab, nachdem ich die Selbsthilfegruppe gefunden hatte. Es ist ein langer und kein einfacher Weg. Alleine schafft man es nicht“, meint der Fibromyalgie-Patient.

Nachdem sich die Selbsthilfegruppe in Hildesheim aufgelöst hatte, wechselte er nach Goslar. Detlef Böhm wollte aber gern auch den betroffenen Patientinnen und Patienten rund um seinen Wohnort eine Hilfestellung geben. So nahmen die Pläne für eine Bockenemer Gruppe Fahrt auf. „Allerdings hat uns Corona dann ausge-bremst. Die Gruppe sollte eigentlich schon vor der Pandemie an den Start gehen“, berichtet der 52-Jährige. Im vergangenen Sommer fand schließlich das erste Treffen statt, nachdem Böhm kräftig in den sozialen Medien und durch Flyer Werbung für das neue Angebot gemacht hatte.

Großes Interesse bei Neugründung in Bockenem

Manuela Cyffka-Krehl aus Hackenstedt, die mit der Erkrankung ähnliche Erfahrungen gemacht hatte, unterstützt ihn als stellvertretende Gruppensprecherin. Die Resonanz war gewaltig. 40 Männer und Frauen nahmen an dem ersten Treffen teil. Die Bockenemer schlossen sich der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung (DFV) an, die die Gruppen in vielfältiger Weise mit Informationen und Ratschlägen versorgt. Fast alle Interessenten erklärten gleich vor Ort ihren Beitritt. „Das bedeutete für uns auch einen großen Rückhalt“, erklären Böhm und Cyffka-Krehl, bei der nach einem Autounfall die Leidensgeschichte begann.

„Die lang anhaltenden Beschwerden ergaben keinen Zusammenhang mit dem Unfall“, erzählt die Mutter von vier Kindern. Nachdem der Rheumatologe seine Arbeit erledigt hatte, setzte bei Manuela Cyffka-Krehl oftmals das Gefühl der Hilflosigkeit ein. „Ich habe mich alleingelassen gefühlt“, so die Hackenstedterin, die ebenfalls mit Depressionen zu kämpfen hatte. Auch bei ihr war es eine Reha und die anschließende Wassergymnastik, die sie zur Diagnose Fibromyalgie führte.

Die Treffen sind jeden ersten Mittwoch im Monat

„Hilfe zur Selbsthilfe ist bei unserer Arbeit ein wichtiger Aspekt“, erläutern die beiden Gruppenleiter. Sie planen, dass auch Therapeuten die Selbsthilfegruppe besuchen. „Die Fachleute stehen bereit“, betont Böhm. Derzeit wird die Arbeit der Selbsthilfegruppe noch aus eigenen Mitteln bestritten. Eine Förderung durch die Krankenkasse beginnt erst nach einem Jahr. „Spenden sind daher willkommen, um die erste Zeit zu überbrücken“, erläutert der Gruppenleiter.

Die Treffen finden an jedem ersten Mittwoch im Monat um 18.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Bockenem statt. „Die Kirche unterstützt uns sehr. Wir haben auch einen guten Draht zu Pastor Strack“, freut sich Böhm. Interessenten werden gebeten, vor einem Besuch unbedingt Kontakt mit Detlef Böhm, Telefon 0 50 67 / 91 74 04, aufzunehmen. Wer die Arbeit durch eine Spende finanziell unterstützen möchte, sollte sich ebenfalls mit ihm in Verbindung setzen.

Von Michael Vollmer

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