Kultusminister ist klarer Meinung

Niedersachsen will Ferien nicht verschieben

Hannover/Hildesheim - Kultusminister Tonne will trotz Wechselunterrichts und Distanzlernens an den Ferienterminen in Niedersachsen festhalten. Eine Verschiebung der Prüfungen für die Abschlussjahrgänge lehnt er ab.

Kultusminister Tonne will trotz Wechselunterrichts und Distanzlernens an den Ferienterminen in Niedersachsen festhalten. Foto: Chris Gossmann

Hannover/Hildesheim - Die Schulferien in Niedersachsen sollen trotz der Corona-Einschränkungen nicht verschoben werden. „In so einer verrückten Zeit ist man gut beraten, nichts grundsätzlich auszuschließen. Unser Ziel ist aber so viel Verlässlichkeit wie möglich. Dazu gehören die Ferienzeiten“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

Die Ferien seien „für die Lehrer bitter nötig, aber auch für die Schüler“, betonte Tonne. Auch wenn der Großteil der Schüler derzeit zu Hause unterrichtet wird, sei der Distanzunterricht nicht mit Ferien gleichzusetzen. „Das ist jetzt teilweise stressiger, als wenn sie zur Schule gehen würden“, sagte der Minister. „Mein Appell ist deshalb, nicht leichtfertig zu sagen, die waren doch zu Hause, die brauchen jetzt keine Ferien. Doch, die brauchen sie dringend.“

Mancherorts Ferien ausgefallen

Bayern hatte seine Faschingsferien vom 15. bis 19. Februar abgesagt, um in der Zeit Unterricht nachzuholen, der wegen der Pandemie ausgefallen ist. Niedersachsen hat zwei Tage Halbjahresferien am 1. und 2. Februar, Osterferien vom 29. März bis 9. April sowie Ferientage am 14. und 25. Mai. Die Sommerferien beginnen am 22. Juli.

Auch an den Terminen für die Abschlussprüfungen hält die Landesregierung bisher fest. „Eine Absage der Prüfungen halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für falsch. Das ist eine Debatte zur Unzeit“, sagte Tonne. „Die Schüler haben Anspruch auf eine faire Prüfung.“

Lehrer warnen vor „Notabschlüssen“

Der Schulleitungsverband Niedersachsen hatte Mitte Januar gefordert, die Prüfungen abzusagen und auch auf das Sitzenbleiben zu verzichten. Insbesondere bei den Lehrern stieß der Vorschlag allerdings auf Widerstand. Die Lehrer warnten vor „Notabschlüssen“, denen es bundesweit an Anerkennung mangeln könne.

Eine Verschiebung der Abiturprüfungen sei „unwahrscheinlich, weil das nur wenige zusätzliche Tage bringen würde“, sagte der Kultusminister nun. „Ob es zu Verschiebungen bei den mittleren Abschlüssen kommt, werden wir in den nächsten Wochen entscheiden.“



Tonne betonte, dass das Land es bereits ermöglicht habe, Inhalte, die nicht im Unterricht behandelt wurden, von den Prüfungen auszunehmen. „Die Schulen erhalten auch bei den zentralen Prüfungen eine größere Auswahl bei den Aufgaben“, versicherte der SPD-Politiker.

Für ein „Abschlussprüfungspuzzle“ mit mehr Auswahlmöglichkeiten für die Lehrer hatte auch der Landesschülerrat geworben. „Die Lehrer wissen am besten, was ihre Schüler verpasst haben oder nicht“, sagte der Vorsitzende Florian Reetz vor einigen Tagen.

„Schulen keine Treiber der Pandemie“

Das Kultusministerium rechnet damit, dass von Montag an mehr als 75 Prozent der Schüler zu Hause unterrichtet werden. Für Grundschüler und Abschlussjahrgänge im Wechselunterricht hatte Niedersachsen die Präsenzpflicht vor einigen Tagen aufgehoben - nach langem Ringen mit dem Bund. Minister Tonne hält aber an seiner Einschätzung fest, dass Schulen keine Pandemiebeschleuniger seien. „Meine Aussage hat Bestand: Schulen sind keine Treiber der Pandemie“, sagte er.



Die Kultusministerkonferenz der Bundesländer hatte am Donnerstag beschlossen, dass die Abschlussprüfungen an Schulen und Berufsschulen nach derzeitigen Plänen wie geplant stattfinden sollen. Die Abschlüsse sollen in den Ländern gegenseitig anerkannt und als gleichwertig mit denen anderer Jahrgänge eingestuft werden. Der Beschluss ist allerdings nicht rechtlich bindend. Mecklenburg-Vorpommern hat seine schriftlichen Abiturprüfungen bereits vom 13. auf den 23. April verschoben.

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