Handball, 3. Liga

Nikolaos Tzoufras: Der „letzte Grieche“ verlässt Eintracht

Hildesheim - Nikolaos Tzoufras verlässt zum Saisonende den Handball-Drittligisten HC Eintracht Hildesheim. Der Kreisläufer ist der letzte Grieche einer einst großen Hellas-Fraktion bei Eintracht. Eine Annäherung.

Nikolaos Tzoufras geht zum MTV Braunschweig. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Es gab eine Zeit, da spielte die halbe griechische Handball-Nationalmannschaft bei Eintracht Hildesheim: Dimitrios Tzimourtos, Giorgios Kolovos, Adam Papadopoulos, Savvas Savvas, Konstantinos Chantziaras, Nikos Passias und Nikolaos Katsigiannis waren nur einige Hellenen, die für Eintracht in der 1. und 2. Liga spielten. Und natürlich Nikolaos Tzoufras, der stämmige Kreisläufer.

Er kam 2013 zur Eintracht

Tzoufras, der 2013 nach Hildesheim kam, ist sozusagen der letzte Mohikaner der griechischen Handball-Fraktion bei Eintracht – und nach Lothar von Hermanni der dienstälteste Spieler im Verein. 2020 war Tzoufras’ Vertrag noch einmal um zwei Jahre verlängert worden. Nun läuft er aus. Sein Entschluss, den Verein zu wechseln und noch einmal etwas Neues zu wagen, habe schon seit längerem festgestanden, hieß es in einer Mitteilung des HC Eintracht. Dennoch mag die Nachricht, dass er nach dieser Saison zum Drittligisten MTV Braunschweig wechselt, für viele Fans sicher überraschend kommen.

Sie werden den Kreisläufer vor allem als „treffsicheren Tiefflieger“ in Erinnerung behalten. Zugegeben, das klingt etwas militärisch, trifft aber den Kern. Denn vor allem die flachen Anspiele knapp über dem Hallenboden von Ex-Spielmacher Robin John an den Kreis waren in der Volksbank-Arena fast schon legendär. Dort lauerte Niko Tzoufras zwischen den vielbeinigen gegnerischen Abwehrreihen, griff sich den Ball und versenkte ihn im Tiefflug im Netz. Das Tandem John/Tzoufras war eine starke Waffe.

Der treffsichere Tiefflieger

Auf dem Feld kann Tzoufras also schnell explodieren, nach außen hin ist er die Ruhe in Person – einer, der gern schweigt und nur das Nötigste sagt. Zu Beginn seiner Zeit in Hildesheim erschien er etwas schüchtern zum Interview in der HAZ-Redaktion. Man merkte, es war eine Überwindung für ihn, zumal er damals noch kaum Deutsch konnte. „Zu viel reden, das macht mich nervös“, hat er einmal gesagt. Vielleicht ist er gerade deshalb bei den Fans so beliebt, denn Dampfplauderer gibt es viele. Auch Tzoufras macht Dampf: auf der Platte!

Sein Entdecker war Gerald Oberbeck, der bei den Einträchtlern jahrzehntelang als Manager und Trainer das Sagen hatte. „Niko kommt aus den Beinen, er hat viel Power“, sagte Oberbeck einst. Der Ex-Handballchef unterhielt gute Kontakte zu den Inhabern des Restaurants Alexandros in Groß Düngen. Die sponserten den Klub und hatten wiederum gute Drähte in die Heimat. Und so tauchten ein ums andere Mal griechische Spielerberater in Hildesheim auf, um gute Spieler anzubieten. Die meisten waren wirklich gut und erfüllten die Erwartungen – wie Niko Tzoufras, der nach kurzem Gastspiel in Springe zur Eintracht wechselte und hier zu einem der besten Kreisläufer in der 2. Liga wurde.

Noch ist er nicht weg ...

Die „griechische Ära“ bei Eintracht endete spätestens nach Oberbecks Rückzug und der Gründung der neuen HC Eintracht GmbH. Und jetzt endet bald auch die Ära „Tzoufras“. Zur Wahrheit gehört auch, dass der Kreisläufer etwas in die Jahre gekommen ist. Er ist mittlerweile 35. Da fällt es zunehmend schwerer, sich gegen die jüngeren Gegner durchzusetzen. Keine Frage: Tzoufras bringt immer noch gute Leistungen, aber ein wenig von seiner Explosivität hat er doch eingebüßt – was ganz normal ist. Nikolaos Tzoufras, der einst aus dem griechischen Städtchen Veria nach Deutschland kam, muss jetzt an seine Zukunft denken. In Braunschweig hat er weiter die Möglichkeit, auf hohem Niveau zu spielen. Außerdem beginnt er dort eine Berufsausbildung.

Der heutige Sportdirektor Martin Murawski lobt die „hervorragenden Leistungen“ des Kreisläufers, sieht Tzoufras‘ Weggang aber auch als Chance, die Position „neu aufzustellen“. Aber noch ist er ja nicht weg – der alte Grieche, der so alt nun auch wieder nicht ist. Noch spielt er für Eintracht und hat ein großes Ziel: den Aufstieg in die 2. Liga. Das wäre dann wahrlich der krönende Abschluss für Nikolaos Tzoufras – und der letzte Höhenflug des Tieffliegers in der Volksbank-Arena.

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