Energiewende

Photovoltaik-Pläne im Hildesheimer Südkreis: Warum auch Biolac hofft

Lamspringe/Harbarnsen - In der Gemeinde Lamspringe geht die Debatte um einen Standort für einen großen Solarpark weiter. davon könnte auch einer der größten Arbeitgeber profitieren.

Einen Photovoltaik-Park gibt es im Kreis Hildesheim unter anderem an der Deponie Heinde. Das Projekt bei Lamspringe wäre wohl größer, Foto: Chris Gossmann

Lamspringe/Harbarnsen - Die Pläne für eine große Freiflächen-Photovoltaikanlage in der Gemeinde Lamspringe sind aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Die von Bürgermeister Andreas Humbert avisierte „klare Signal noch in diesem Jahr“ gibt es möglicherweise nicht mehr. Doch in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres, da ist sich der Verwaltungschef sicher, kann der Gemeinderat eine Entscheidung fällen. Das Projekt wird auch vom größten Industrie-Unternehmen der Gemeinde, dem Molke-Verarbeiter Biolac, aufmerksam verfolgt.

Im Frühjahr hatte Investor Sebastian Prenzler seine Idee für einen Photovoltaik-Park östlich von Harbarnsen und Netze an der ICE-Trasse präsentiert. 24 Hektar soll die Fläche umfassen, so viel wie knapp 30 Fußballfelder. Doch in der Bevölkerung regte sich schnell Widerspruch, Anlieger warnten vor einer Verschandelung der Landschaft. Die Gemeinde unterstützte Prenzlers Projekt daraufhin vorerst nicht, Politik und Verwaltung kündigten aber eine Standortanalyse im Gemeindegebiet an.

Die Botschaft: Die Photovoltaik-Pläne sind willkommen – schließlich legt Lamspringe großen Wert auf sein Label als Nachhaltigkeits-Kommune – aber vielleicht nicht am zunächst gewählten Standort. Bürgermeister Humbert erklärte das Thema offiziell zur „Chefsache“. Und wies schon im Sommer darauf hin, dass der Ausbau erneuerbarer Energien für Lamspringe als bisher einziger zertifizierte „Global Nachhaltige Kommune“ im Kreis Hildesheim eine wichtige Rolle spiele. Die damit verbundene Strategie sehe einen deutlichen Ausbau bis 2030 vor.

Ein Grund für die nunmehrige leichte Verzögerung dürfte die Kommunalwahl im September sein. Im November hat sich der neue Gemeinderat konstituiert, die hinzugekommenen Mitglieder kennen Prenzlers Vorhaben nicht so gut wie diejenigen, die schon vorher dem Gremium angehörten. Darauf verweist auch Humbert, wenn er berichtet: „Des weiteren läuft mit den neuen Ratsmitgliedern die Vorstellung des Projektes Photovoltaik-Freiflächenanlage im Raum Harbarnsen mit dem möglichen Investor.“

In der nächsten Ratssitzung am 15. Dezember soll es auch um Photovoltaik gehen, aber mit einem etwas anderen Schwerpunkt. Dort will die Gemeindeverwaltung das Ergebnis einer Analyse präsentieren, ob, wie und in welchem Umfang sich Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern kommunaler Gebäude realisieren lassen könnten.

Doch am Großprojekt wird im Hintergrund weiter gefeilt, schließlich soll es im ersten Quartal 2022 wieder auf die Tagesordnung kommen. Mit großem Interesse verfolgen die Verantwortlichen der Firma Biolac in Harbarnsen, des wohl größten Gewerbesteuerzahlers in der Gemeinde Lamspringe, den Fortgang des Projektes. Das Unternehmen stellt in Harbarnsen Laktose und Proteine aus Molke her – und steht wie alle Industrie-Unternehmen vor der Frage, wie es seinen CO2-Fußabdruck reduzieren und mehr Energie aus erneuerbaren Quellen nutzen kann.

„Wie viele Unternehmen beschäftigen auch wir uns damit, schnellstmöglichst klimaneutral zu werden“, sagt Biolac-Geschäftsführer Frank Wieland auf HAZ-Anfrage, wird auf Nachfrage aber noch etwas präziser. Strom stelle Biolac zwar bereits größtenteils selbst her. Doch Strom aus einem großen Photovoltaik-Park könne man zum Beispiel zur Herstellung von grünem Wasserstoff nutzen. „Den könnten wir dann zur Erzeugung unserer Heizenergie nutzen“, blickt Wieland voraus.

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