Corona und Reisen

Portugal gilt wieder als Virusvariantengebiet: Welchen Reisezielen das noch droht

Berlin - Immer mehr Menschen erkranken in Portugal an der Delta-Variante des Coronavirus – seit Dienstag gilt das Land deshalb wieder als Virusvariantengebiet. Worauf Reisende nun achten müssen.

Viele Deutsche freuen sich darauf, endlich wieder verreisen zu können. Doch wie groß ist die Gefahr durch die Delta-Variante des Coronavirus an den Reisezielen in Europa? Foto: Jonas Walzberg/dpa

Berlin - Die Infektionszahlen in Deutschland sinken weiter, der digitale Impfpass gilt ab 1. Juli in der EU, viele Deutsche haben ihre Reise gebucht: Eigentlich könnte es entspannt losgehen – wäre da nicht die Delta-Variante, die sich anschickt, den Sommerurlaub zu gefährden. Die hochansteckende Mutation des Coronavirus, die erstmals in Indien nachgewiesen wurde, breitet sich inzwischen auch in beliebten europäischen Urlaubsregionen aus. Wie schnell sich die Situation drehen kann, zeigt das Beispiel Portugal: Das Land wurde vom Vorbild zum Sorgenkind.

Noch im Frühjahr konnten sich die Portugiesinnen und Portugiesen über die niedrigsten Infektionszahlen Europas freuen. Doch inzwischen verzeichnet das Land die höchste Ansteckungsrate in der gesamten EU. Lag die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am 27. Mai noch bei 31,0, so steht sie nur einen Monat später wieder bei 90,3. Zum Vergleich: Deutschland meldete an diesem Sonntag einen Wert von 5,6.



Entscheidung kam für viele plötzlich

Ab Dienstag gilt Portugal als Virusvariantengebiet. Für Urlauberinnen und Urlauber bedeutet das: Quarantänepflicht. Wer aus Portugal nach Deutschland einreist, muss 14 Tage in Quarantäne. Ein Frei-Testen ist nicht möglich, Ausnahmen für Geimpfte und Genesene gibt es nicht. Die Einstufung als Virusvariantengebiet erfolgt zunächst für zwei Wochen, eine Verlängerung ist aber möglich.

Für die meisten Reisenden vor Ort kam die Entscheidung der deutschen Bundesregierung völlig überraschend. Viele von ihnen waren in das Land gereist, als die Sieben-Tage-Inzidenz noch unterhalb des kritischen 50er-Wertes lag – wonach zumindest bis Ende Juni Reisewarnungen für Länder und Regionen ausgesprochen werden. Ab dem 1. Juli gelten sie erst ab einer Inzidenz von 200 und für Gebiete, in denen sich Virusvarianten stark verbreitet haben.



Ausbreitung der Delta-Variante in Portugal

In Portugal werden offiziellen Angaben zufolge inzwischen bereits mehr als die Hälfte aller Ansteckungen auf Delta zurückgeführt. Vor allem in den beiden meistbesuchten Tourismusregionen schnellen wegen der Coronavirus-Variante die Ansteckungen in die Höhe: In der Hauptstadtregion Lissabon stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag auf 221,1 an, an der Algarve auf 192,9. Andere Regionen hingegen stehen sehr gut da, so wie Madeira. Dort sinken die Infektionszahlen sogar, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei nur 16,8.

Doch nicht nur das Beispiel Portugal zeigt, dass der Sommerurlaub 2021 in Europa nicht frei von Corona-Sorgen ist. Auch im Nachbarland Spanien steigt die Sieben-Tage-Inzidenz und liegt inzwischen wieder bei 53,5 (Stand: 28. Juni). In Spanien lag der Anteil der Delta-Variante an den gesamten Infektionen Mitte Juni bei 11,4 Prozent. Allerdings sequenziert das Land, wie viele weitere Staaten in Europa, nur wenige Virenproben. Sie zählen die Corona-Infektionen generell und unterscheiden nicht nach nachgewiesenen Varianten.



Starker Anstieg in Touristengebieten

Vor allem in Touristengebieten gibt es eine starke Zunahme. Die Sieben-Tage-Inzidenz auf der Ferieninsel Teneriffa beispielsweise hat sich vom 31. Mai bis zum 26. Juni mehr als verdoppelt, von 43 auf 103, auf Fuerteventura liegt er bei 67,6. Dadurch kletterte der gesamte Wert der Kanaren erstmals seit Wochen wieder über die kritische 50er-Marke, er lag am Samstag bei 56,44.

Auch auf Mallorca ist die Delta-Variante auf dem Vormarsch, ihr Anteil an Corona-Infektionen wird dort auf etwa 25 Prozent geschätzt. Und auch der Partytourismus wird dort offenbar erneut zur Virenschleuder: Mehr als 700 Schülerinnen und Schüler sollen sich auf Abifahrten auf der Baleareninsel mit dem Coronavirus infiziert haben, wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet. Bislang sind aber offenbar keine ausländischen Reisenden auf Mallorca betroffen.



Der Blick in andere Urlaubsregionen

Alleine an am ersten Tag der Wiederaufnahme des Flugverkehrs reisten mehr als 12 000 Menschen aus Russland nach Antalya. Damit besteht das Risiko, dass sich die Delta-Variante in beliebten türkischen Urlaubsgebieten verbreitet.

In anderen Ländern wie Griechenland, Frankreich, Italien oder Kroatien ist die Lage derzeit entspannt. Dort sinken die Infektionszahlen, und die Delta-Variante scheint dort noch nicht weit verbreitet zu sein – das lassen zumindest die Zahlen vermuten. Doch die Beispiele Türkei, Spanien und Portugal zeigen: Urlauberinnen und Urlauber müssen auch im zweiten Pandemiesommer aufmerksam sein, sich an die Corona-Regeln halten und die Situation am Reiseziel verfolgen.

Von RND:

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