Wegen Schließungen

Schul- und Kita-Ausfall wegen Corona: Das müssen Eltern wissen

Kreis Hildesheim - Tausende Kinder aus dem Landkreis Hildesheim müssen ab Montag wegen der Corona-Epidemie zuhause bleiben. Für einige soll es eine Notbetreuung geben.

Ein Klassenraum in der RBG. So leer wird er die nächsten fünf Wochen bleiben – es sei denn, hier zieht eine Notbetreuungsgruppe ein. Foto: Chris Gossmann

Kreis Hildesheim - Nach der Entscheidung der Landesregierung, wegen des Coronavirus’ alle Schulen und Kindertagesstätten ab Montag für fünf Wochen schließen zu lassen, haben in allen Kommunen des Landkreises die Detailplanungen für Notgruppen begonnen. Denn die Entscheidung stellt vor allem berufstätige Eltern jüngerer Kinder vor erhebliche Probleme.

Die Notbetreuung ist laut Weisung des Landes eigentlich Eltern vorbehalten, die in sogenannten „kritischen Infrastrukturen“ berufstätig sind. Dazu zählen insbesondere Beschäftigte im Gesundheitsbereich, medizinischen und pflegerischen Bereich, Beschäftigte im Bereich der Polizei, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Feuerwehr sowie solche im Vollzug einschließlich Justizvollzug, Maßregelvollzug und vergleichbare Bereiche.

Oberbürgermeister Meyer: „Ruhe bewahren“

Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer kündigt an, dass er sich beim Land dafür einsetzen will, dass weitere Berufsgruppen aufgenommen werden. Als Beispiel nennt er Mitarbeiter von Energieversorgern, die ebenfalls an der Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens mitwirkten. „Ich mache mir große Sorgen, dass das öffentliche Leben zum Erliegen kommt“, sagt Meyer. Er ruft die Bevölkerung ausdrücklich dazu auf, in diesen schwierigen Tagen Ruhe zu bewahren.

Wer eine Notbetreuung in Anspruch nehmen will, muss sich direkt mit den Schulen sowie Kitas in Verbindung setzen. An den Schulen werden nur Kinder der Jahrgänge eins bis acht aufgenommen. Die Einrichtungen der Stadt Hildesheim sollen am Montag geöffnet sein, um den Bedarf zu ermitteln. Eltern mit dem Wunsch nach einer Notbetreuung werden gebeten, eine Bescheinigung des Arbeitgebers, die die Beschäftigung in den sogenannten „kritischen Infrastrukturen“ belegt, vorzulegen. Die Bescheinigung kann innerhalb von drei Tagen nachgereicht werden. Gleiches gilt für den Hort- und Kindertagespflegebetrieb.

Auch Lars Kohrs, Leiter der Grundschule Bockenem, muss ab Montagmorgen eine Notbetreuung am Start haben. 248 Mädchen und Jungen lernen in Bockenem lesen, schreiben und rechnen. Wie viele von denen am Montag zur Schule kommen, weil ihre Eltern ein Anrecht auf Betreuung haben, weiß Kohrs derzeit wie alle anderen Schulleiter noch nicht. „Aber die ersten Eltern haben bereits angerufen“, sagt Kohrs.

„Die ersten Eltern haben bereits angerufen“

Auch wenn die Schule grundsätzlich ausfällt, Schulleitung und Kollegium sind vor Ort. „Wir werden dann sehen, welche und wie viele Kollegen die Betreuung der Kinder übernehmen“, erklärt Kohrs. Er werde auch versuchen, einige Teilzeitkräfte zum Arbeiten nach Hause zu schicken. „Schulinterne Arbeitspläne, Pläne für unser Projekt Umweltschule und andere Aktionen können auch am heimischen Computer erarbeitet werden.“

Notbetreuung am Nachmittag – das könnte eng werden

Sorgen macht sich Kohrs wegen der Aussage des Landes, es könne auch eine Notbetreuung am Nachmittag eingerichtet werden. Die Grundschule Bockenem ist tatsächlich eine Ganztagsschule. Wie er eine Betreuung am Nachmittag aufrecht halten könnte, weiß der Schulleiter derzeit aber noch nicht. „Wir werden Montag abwarten und schauen, wie groß der Bedarf generell ist“, erklärt er. Gibt es Eltern, die aufgrund ihres Berufes ihre Kinder auch am Nachmittag betreuen lassen müssen, werde er Kontakt mit der Stadt Bockenem und dem Hort aufnehmen.

Für Reinhard Fischer, Leiter der Kita St. Vincenz in Harsum, ist das Organisieren der Notbetreuung eine große Herausforderung. „Das ist ein Fall, den ich noch nicht hatte und den ich in meinem Leben auch hoffentlich nie mehr haben werde“, sagt Fischer. Laut Sozialministerium soll es eine Notbetreuung für Kinder von Eltern geben, die in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Medizin und öffentliche Sicherheit arbeiten. Doch es gebe auch andere Arbeitsplätze, die „systemrelevant“ seien, sagt Fischer und stützt damit die Forderung von Hildesheims Oberbürgermeister Meyer. Die Entscheidung, wer betreut wird und wer nicht, müsse er als Leiter der Einrichtung treffen. Manche Eltern seien nun enttäuscht, wenn es für ihre Kinder keine Betreuung gibt. „Das macht es schwierig.“

Kreis Peine fährt bei Notbetreuung andere Linie

Der Landkreis Peine fährt eine andere Linie. Hier können laut Kreissprecher Fabian Laaß nicht nur Mitarbeiter besonderer Berufsgruppen die Notbetreuung in Anspruch nehmen, sondern „in besonderen Härtefällen“ und in Absprache mit den Kindertagesstätten und Schulen auch andere Eltern. Dies könne etwa gelten, wenn eine Kündigung oder erheblicher Verdienstausfall droht.


Coronavirus in Stadt und Landkreis Hildesheim: Hier gibt es alle Informationen.


Ab Montag, 16. März, fahren die Busse des Stadt- und Regionalverkehrs (SVHi und RVHi) wie in den Schulferien. Das bedeutet, dass beim SVHi keine „E-Wagen“, beim RVHi keine mit „S“ gekennzeichneten Schulbusse zum Einsatz kommen. Ebenso finden die Fahrten der Linie 9 und 14 beim SVHi nicht statt. „Die Schülerjahreskarte behält bis zum regulären Ferienbeginn am 30. März ihre normale Gültigkeit wie zu Schultagen“, heißt es vom Stadtverkehr.

  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.

Weitere Artikel