Einstieg in den Beruf für Schwerbehinderte

Schwerbehinderung: Hildesheimer Hilfen für den Einstieg in den Beruf

Hildesheim - Das Team von Sabine Brychcy bei der Agentur für Arbeit baut Brücken, um Arbeitgeber zu motivieren, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Mit welchen Vorurteilen sie dabei kämpfen müssen.

Janina Sue und Sabine Brychcy vom Team der Agentur für Arbeit helfen Menschen mit Behinderungen bei der Arbeitssuche. Foto: Norbert Mierzowsky

Hildesheim - Sie leisten weniger, brauchen mehr Unterstützung, mit ihren Rollstühlen können sie nicht in die Firma kommen – und man kann sie nicht einfach entlassen: Menschen mit Behinderungen. Das sind nur einige der gängigen Vorurteile auf dem Arbeitsmarkt, gegen die auch Sabine Brychcy und ihr 16-köpfiges Team bei der Hildesheimer Agentur für Arbeit kämpfen. Auch an diesem Freitag, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung.

Die Statistik scheint ihnen dabei recht zu geben: Nur knapp die Hälfte der Schwerbehinderten im Alter zwischen 15 und 64 Jahren hat einen Job. Bei den Menschen ohne Behinderungen liegt die Quote bei 82 Prozent. Und aus Erfahrung kennt Brychcy auch selbst die Vorbehalte bei Arbeitgebern. Als sie während einer Aktionswoche einem Betriebsleiter einer Handwerksfirma vorschlug, auch Menschen mit Behinderungen einzustellen, habe der abgelehnt: „Der Rollstuhl passt bei uns doch gar nicht durch die Bürotür.“

Beratung und Gelder für Arbeitgeber

Doch nur rund ein Sechstel der Schwerbehinderten – derzeit sind es 7,9 Millionen Menschen in Deutschland – benötigen überhaupt einen Rollstuhl. „Wir kämpfen gegen Vorurteile und Mythen“, sagt auch die Reha-Spezialistin Sue. Dabei sei jeder Fall ein individuelles Schicksal, das eigens betrachtet werden müsse: „Wir müssen täglich kreative Fallberatung leisten.“

Und dabei vor allem auch Arbeitgebern Wege zu zeigen, wie sie in vielen Bereichen Schwerbehinderten einen beruflichen Einstieg eröffnen können. Der Bund nimmt dafür viel Geld in die Hand, um zum Beispiel Eingliederungszuschüsse zu zahlen, je nach Einzelfall gibt es zusätzlich weitere Unterstützungen, sagt Sue: „Nur die wenigsten wissen davon.“

Inklusion zeigt Wirkung

Während viele der Kunden im Agenturbezirk Peine-Hildesheim-Alfeld vor allem an zwölf Förderschulen untergebracht waren, sind sie mittlerweile über das Bundesteilhabegesetz und die Inklusion im normalen Schulsystem eingeschult. Und dadurch habe sich auch einiges verändert, sagt Brychcy. Sie ist die Teamleiterin Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben.

Zum Beispiel ein junger Mann mit Lernbehinderungen, der durch Hänseleien zusätzlich psychische Probleme bekommen habe. Er hat schließlich eine außerbetriebliche Ausbildung in einem Handwerksberuf absolviert, mit Hilfe der Agentur für Arbeit einen Anschlussvertrag in einem Betrieb gefunden und dort schließlich seine Ausbildung endgültig abgeschlossen. Mit festem Vertrag. „Er wird voll von der Belegschaft akzeptiert“, zieht Brychcy Bilanz.

Hohe Erfolgsquote

Jährlich sind es bis zu 100 solcher Fälle, die individuell von ihrem Team begleitet werden. Die Erfolgsquote liegt am Ende bei rund 60 Prozent. Wahrscheinlich noch höher, denn gezählt werden nur diejenigen, die sechs Monate nach der Ausbildung einen Betrieb gefunden haben. Die später nachrücken, werden gar nicht mehr gezählt.

Unwissenheit und Angst, das sind die zwei Komponenten, die Arbeitgeber in der Regel beeinflussen bei ihren Entscheidungen im Umgang mit Schwerbehinderten. „Es gibt zum Beispiel, den Mythos, den werde ich nicht wieder los“, sagt Brychcy. Doch das stimme nicht. Zuständig ist bei Kündigungen auch das Integrationsamt, und das sehe durchaus auch die betrieblichen Notwendigkeiten, wenn es – aus welchen Gründen auch immer – mit der Arbeitsbelastung nicht mehr funktioniere.

Kontakt zur Agentur

Janina Sue ist bei der Hildesheimer Agentur für Arbeit unter der Rufnummer 05121/969-287 oder unter hildesheim.161-reha@arbeitsagentur.de erreichbar.

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