Ein Blick zurück

Unwiderruflich: Aus für gleich zwei Vereine in der Gemeinde Giesen

Giesen - Die Geschichte des Bundes der Vertriebenen und der TG Keramika in der Gemeinde Giesen endet. Beide Vereine haben die Kommune mitgeprägt. Vieles erinnert heute noch an sie.

Ein wichtiger Ort für den Bund der Vertriebenen: Das Ehrenmal am Giesener Wald ist in den 1950-er-Jahren errichtet worden - und hat schon viele hitzige Diskussionen ausgelöst. Foto: Michael Bornemann

Giesen - Zwei Vereine haben der Geschichte der Gemeinde Giesen ihren Stempel aufgedrückt. Der Ortsverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) löst sich nun auf. Der Grund: Mitgliederschwund. Einst hatte dieser rund 400 Mitglieder. Auch die TG Keramika, die eine sportliche Institution in Hasede war, geht in die Annalen ein. Viele Menschen aus Giesen und Umgebung erinnern sich daran, welche Bedeutung die beiden Organisationen hatten.

Siegfried Schramm ist jetzt 82. Der Giesener war der letzte Vorsitzende des BdV im Ort – etwa zehn Jahre lang übte er dieses Amt aus. Der Senior ist der Sohn von Ernst Schramm, in den 1960-er Jahren stellvertretender Landrat, der ebenfalls BdV-Chef war.

„Wir haben hier viel bewegt. Zum Beispiel auch Paul Rambasky“, meint Siegfried Schramm mit Blick auf einen der vielen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die sich in Giesen angesiedelt und im BdV engagiert hatten. Sie lebten und leben etwa im Wald-Viertel. Die Liegnitzer Straße, die Breslauer Straße und auch der Görlitzer Weg zeugen von ihnen, dort hatten die Flüchtlinge gebaut. Das Ehrenmal am Giesener Wald erinnert ebenfalls an das Wirken des BdV. Es erhielt nach dem Volksaufstand in der DDR 1953 besondere Bedeutung. 1979 beschloss der Kreis, die Gedenkfeier am „Tag der Deutschen Einheit, 17. Juni“ dort abzuhalten. Dafür wurde das Bauwerk umgebaut. In der Folge kamen dort jährlich mehr als 1000 Menschen zusammen, um an die alte Heimat und die Menschen in der DDR zu denken. 2010 setzte der BdV einen Gedenkstein, der an die harte Zeit des gemeinsamen Wiederaufbaus in Deutschland erinnern soll.

Diskussionen um Ehrenmal

Das Ehrenmal hat auch schon viele Diskussionen entfacht. Alte Aufschriften in kriegerischen Worten lösten Unmut aus. 2019 wurde dort eine Tafel befestigt, um die Hintergründe der Aufschriften zu erläutern. Diese Info-Tafel war aber einigen Kritikern zu wenig. Auf die hatte sich eine Arbeitsgruppe des BdV und des Ortsverbandes als „Kompromiss“ geeinigt.

Auch die TG Keramika, deren Name auf die Keramikprodukte der Haseder Traditionsfirma Völsing (heute ein führender Urnenhersteller) zurückgeht, löst sich auf. Dieser Verein hat ebenfalls zur Entwicklung Hasedes beigetragen. Mit dem Bau einer Turnhalle in der früheren Zuckerfabrik begann 1973 der Sport. Angehörige der Firma Willibald Völsing und Freunde des Chefs hoben den Verein aus der Taufe.

Hoch über den Dächern Hasedes schufen sie eine schmucke Übungsstätte im obersten Stockwerk des Gebäudes. Bis heute zieht eine Inschrift mit Worten von Turnvater Jahn die Blicke an: „Leibesübungen schaffen und erhalten im Körper Ausdauer, Muskelkraft, Gesundheit und Aufnahmefähigkeit“. Auch andere Vereine konnten die Halle nutzen.

Wie Feldmark-Marathon entstand

Neben Gymnastik standen früher Laufen und Schwimmen auf dem Programm. Einer der ersten Aktiven, Willi Neuse aus Giesen, blickt auf „schweißtreibende Übungen“ zurück. Und: „Es gab viel Wanderungen, Ausflüge und Besichtigungen“, berichtet Ingrid Grüne aus Hasede. Übungsleiter und Firmenchef Willibald Völsing zeigte Ehrgeiz beim Konditionstraining. Der Marathon-Läufer war es, der 1981 Sportler des TuS Hasede ansprach und den ersten „Haseder Feldmark-Marathon“ anschob.

Doch das Aus der TG ist nun besiegelt. Zurzeit gibt es ohnehin kaum noch Bedarf für Turnsport in der Halle. „Im Übrigen,“ so der heutige Firmenchef Volker Völsing, „wird die Halle in Kürze für betriebliche Zwecke benötigt.“ Aber: Sie soll grundsätzlich für Sport zur Verfügung stehen.

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