Gottesdienste zu Heilig Abend

Was, wenn es kein Weihnachten in der Kirche gibt? Mariä Lichtmess plant Alternativen

Hildesheim - Noch ist nicht klar, was Land und Kirchen beschließen. Gottesdienste zu Weihnachten – ja oder nein? In Mariä Lichtmess in Drispenstedt sucht man wie in vielen anderen Gemeinden Möglichkeiten, das Fest der Feste zu feiern. Und keinen allein zu lassen.

Maria und Josef und ihr Esel: Die kleine biblische Szene ist durch ein großes Fenster in Mariä Lichtmess zu sehen –auch für die, die nicht in die Kirche kommen wollen oder können. Foto: Kathi Flau

Hildesheim - Noch sind sich Land und Kirche nicht einig, was an Heilig Abend erlaubt sein wird und was nicht. Wie Advents- und Weihnachtsfestlichkeiten für eine Gemeinde geplant werden können –immer ohne das endgültige Wissen, ob Gottesdienste stattfinden können oder nicht –, das zeigt exemplarisch die katholische Gemeinde Mariä Lichtmess in Drispenstedt.

Hier hat sich Gemeindereferentin Annette Handzik mit ihrem Team erst einmal grundlegende Gedanken über die Corona-Zeit gemacht: „Wir haben uns gefragt: Wer war und ist besonders betroffen? Wer ist einsam? Für wen müssen wir jetzt wirklich da sein?“, sagt sie. Das Ergebnis: Ältere Menschen, denn sie werden als Angehörige der Risikogruppe oft isoliert. Zwar aus wohlmeinenden Gründen, wie Handzik sagt, nämlich um sie zu schützen. „Aber einsam sind sie trotzdem.“ Dann die Kinder, denen man täglich sagen müsse, fass dies nicht an und das nicht, denen man mitunter den Umgang mit Freunden verbiete. Und schließlich Jugendliche, von denen stets selbstverständlich erwartet werde, sie kämen mit all den Einschränkungen schon klar. „Und wird einer aus dieser Gruppe krank, heißt es sofort, der hat bestimmt eine Corona-Party gefeiert.“

Soweit die Bestandsaufnahme. Wie aber kommt man all diesen Menschen nun entgegen? Gemeinsam mit Pfarrsekretärin Sabine Schmedding und mit Dorle Arndt versammelte Handzik Freiwillige aus der Gemeinde, die im Advent 500 Geschenketüten packten: einen Teil für die Älteren der Gemeinde, einen Teil für die ganz Jungen. Darin lauter kleine Gaben, ein Tannenzweig, eine Weihnachtskarte, ein Kreuzworträtsel, Tee, selbstgebackene Kekse, Schokolade, jede Menge Weihnachtsgeschichten –und sogar das Fernsehprogramm, um notfalls dort die Gottesdienste sehen zu können.

„Ich glaube“, sagt Handzik, „man muss nur einmal genau hineinschauen, dann spürt man schon, wie viele Gedanken da drin stecken.“ Und Sabine Schmedding erzählt die kleine Geschichte einer freiwilligen Helferin, die den Tee für die Tüten besorgen, dabei aber nicht die Regale eines Supermarkts plündern wollte. „Deshalb ist sie von Markt zu Markt gefahren und hat überall nur ganz kleine Mengen gekauft.“

Und dann war da noch die Idee mit der Krippe. Seit dem 1. Advent wuchs die nämlich nicht nur in der Kirche, sondern auch im großen Fenster der Lichtmesskirche. Wer also nicht in den geschlossenen Raum kommen kann oder möchte, der sah und sieht von draußen ebenso, wie am ersten Advent alles mit Hirten an einem Lagerfeuer und einem Ochsen in seinem Stall begann. Wie am zweiten ein See dazukam, an dem ein Fischer steht. Wie am dritten Advent Maria und Josef auftauchten und samt Esel eine Picknickpause einlegen. „Und am vierten Advent ist dann geplant, dass der Engel Maria erscheint“, sagt Schmedding.

Am Heilig Abend finden ab dem Nachmittag Gottesdienste und Andachten statt, um 15.30 Uhr etwa speziell für Familien mit kleinen Kindern, um 18 Uhr eher für Jugendliche, wenn die Gruppe „Aufwind“ vor der Kirche spielt. Ohne Anmeldung können Leute auf das Außengelände kommen, mit Anmeldung in die Kirche –immer mit viel Abstand und deshalb in begrenzter Anzahl. Auch die Messfeiern an den darauffolgenden Tagen sind in der Kirche geplant. „Wir gehen auch davon aus, dass die stattfinden können“, meint Handzik. „Aber wenn nicht, dann werden wir auch dafür ein Angebot finden, das Weihnachten für unsere Gemeindemitglieder möglich macht.“

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.

Weitere Artikel