Hildesheim - Ich lasse mich in den Sessel beim Friseur sinken und schaue in den Spiegel wie in einen Auto-Rückspiegel. Hinter mir steht eine Auszubildende, neben ihr eine Praktikantin. Ob die ein bisschen bei meiner Behandlung zusehen dürfe?, fragt die entzückende Auszubildende. „Na klar“, sage ich. Wenig später lächelt die Auszubildende und sagt: „Ach, diese Jugend von heute!“ Offenbar hatte die Praktikantin etwas gesagt, das ich entweder nicht gehört oder aufgrund meines Alters gleich wieder vergessen habe. Ich kokettiere hier nicht mit meinem Alter, ich mache auf etwas aufmerksam, von dem ich bisher nicht wusste, dass es das gibt: Brain Fog, Nebel im Kopf. Oder: das Gehirn in und nach den Wechseljahren.
Superwomans Cape ist in der Wäsche
Warum kennt man Superwoman nur als junge Frau? Nicht, weil sie mit Ende fünfzig vielleicht nicht mehr so schön wäre, sondern weil ihre Superkräfte nachlassen. Multitasking klappt nicht mehr wie früher, nach einem Einsatz ist sie länger müde, sie vergisst womöglich, wo sie gerade hinfliegen wollte, oder dass das wichtige Cape noch in der Wäsche ist. Wissenschaftlich ist die Veränderung im weiblichen Oberstübchen in und nach den Wechseljahren noch nicht erforscht. Fest steht aber offenbar – und jetzt wird es irgendwie lustig –, dass in unseren hübschen Köpfen das Gleiche vor sich geht wie in der Pubertät. Das heißt, einige Regionen im Gehirn drehen völlig frei. Der Hypothalamus etwa gibt nach jahrelanger verlässlicher Arbeit die Temperaturregelung des Körpers auf, der Hippocampus hat keinen Bock mehr, Dinge abzuspeichern, und der Hirnstamm nimmt ein Sabbatjahr, um sich neu zu sortieren.
Kein Einzelfall
Aktuell sind etwa elfeinhalb Millionen Frauen in Deutschland im Alter zwischen 40 und 59 Jahren in den Wechseljahren. Laut einer Studie gibt ein Drittel der befragten Frauen an, im Beruf durch Wechseljahressymptome stark beeinträchtigt zu sein. Vorschlag zur Güte an sämtliche Unternehmen: Gönnt den in die Jahre gekommenen Superheldinnen doch einfach ein Jährchen Auszeit. In der Zeit kann sich das Hirn wieder hinrütteln. Win-win – würde ich sagen.
Das wird schon wieder!
Wichtig ist mir an dieser Stelle zu sagen, dass wir Mädels mit Brain Fog keinen an der Marmel haben, also nicht verrückt sind. Das wird alles wieder. Meine ich jedenfalls gelesen zu haben.
Was wollte ich noch schreiben? Ach ja: Ärgern Sie sich also nicht, liebe Leserinnen, wenn Sie sich den Inhalt dieser Kolumne nicht merken können. Wir machen es einfach wie immer: Nehmen es mit Humor!
