Wie schlimm wird es noch?

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Foto: NANCY HEUSEL

Neue Corona-Virusvariante aus Südafrika alarmiert die Experten Endlose Warteschlangen vor den Impfstellen in der Region Hannover Weniger Impfstofflieferungen in der nächsten Woche?

Von Stefan Knopf, Michael B. Berger und Conrad von Meding

Hannover/Hildesheim. Die Corona-Lage in Deutschland spitzt sich immer weiter zu. Am Freitag meldeten die Gesundheitsämter 76 414 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden, so viele wie noch nie. Die Verlegung von Patienten aus Krankenhäusern, deren Intensivstationen voll sind, in andere Regionen mit freien Kapazitäten ging am Freitag weiter; in Niedersachsen trafen weitere Patienten aus Thüringen ein. In anderen Gegenden half die Bundeswehr bei Transportflügen. Zusätzliche Sorgen bereitet eine neue Virusvariante, die Experten beunruhigt. „Nichts ist schlimmer als eine neue Variante in eine laufende Welle hinein“, warnte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Neue Virusvariante: ■  Die Mutation mit dem Namen B.1.1.529 wurde zunächst in Südafrika nachgewiesen, ist inzwischen aber auch in Europa aufgetaucht. In Belgien ist ein Fall bekannt, wie der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bekannt gab. In Deutschland ist die Variante laut Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), bislang nicht nachgewiesen. Wie gefährlich die neue Variante im Vergleich zur in Deutschland vorherrschenden Delta-Variante ist, ist noch nicht klar. Ebenso ist unbekannt, wie gut die Impfstoffe gegen die neue Mutation des Coronavirus wirken.

Die Lage in den Kliniken: ■  RKI-Chef Wieler sagte am Freitag, die Belastung der Intensivstationen habe einen Höchststand in der gesamten Pandemie erreicht. Gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte er eine Reduzierung von Kontakten – „jetzt sofort“, sagte Wieler. Spahn sagte mit Blick auf die allgemeine Corona-Lage in Deutschland: „Die Lage ist dramatisch ernst, so ernst wie noch zu keinem Zeitpunkt in dieser Pandemie.“

Staatskanzlei lehnt Notstand ab: ■  Auch in Niedersachsen wird die Lage immer ernster. Derzeit gilt im ganzen Bundesland die Warnstufe 1. „Allerdings rechnen wir fest damit, dass ab Mittwoch die zweite Warnstufe nahezu flächendeckend gilt“, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Einen Grund, den Katastrophenfall für Niedersachsen auszurufen, wie es CDU-Landeschef und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann tags zuvor gefordert hatte, sieht die Staatskanzlei aber nicht. „Was jetzt der Katastrophenfall tatsächlich zur Verbesserung der Corona-Lage oder zur akuten Bekämpfung der Infektionssteigerung auswirken kann, erschließt sich uns nicht“, sagte Pörksen am Freitag. Althusmann hatte in der HAZ eine Sondersitzung des Landtags gefordert, in der die Notlage erklärt werden sollte, und sich dabei auf das Beispiel Bayern berufen. „Bayern ist nicht das Land, das für uns in der Bekämpfung der Corona-Pandemie beispielgebend ist“, sagt Pörksen dazu.

Wird der Impfstoff knapp? ■  In der nächsten Woche werden die Impfteams und Ärzte in Niedersachsen weniger Impfstoff bekommen als angenommen. Das betrifft nicht nur die Lieferungen von Biontech, für die das Bundesgesundheitsministerium in der vergangenen Woche eine Deckelung angekündigt hatte, sondern offenbar auch den Impfstoff von Moderna. „Wenn der Bund hier nicht sofort Abhilfe schafft, werden in den Praxen bereits vereinbarte Impftermine ausfallen und Impfaktionen in den Kommunen kleiner ausfallen müssen als geplant“, mahnte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Das betrifft auch zahlreiche Arztpraxen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Viele sagen bereits vereinbarte Impftermine wieder ab. Das sorgt für erheblichen Unmut unter Ärzten wie Patienten. „Seit September appellieren sie, wir sollen boostern. Jetzt haben so viele Ärzte wie noch nie Impfstoff bestellt, ihre Terminkalender umgeschmissen, Impftage eingerichtet – und dann dieses Chaos!“, ärgert sich Dr. Petra Lattmann, Bezirksvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hildesheim.

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