Ochtersum - Über die Dächer von Ochtersum pfeift trotz strahlender Sonne ein eisiger Wind. Ganz oben auf dem Hochhaus in der Wilhelm-Busch-Straße 6, in 35 Metern Höhe, sorgen am Montag die beiden Dachdecker Denis Ott und Joshua Honeck dafür, dass das Dach des gbg-Hauses künftig erstens dicht und zweitens gut gedämmt ist. In Schutzkleidung und mit einem Fuchsschwanz sägen sie die Dämmplatten zurecht. An anderen Stellen ist bereits die dicke Elefantenhaut aus Plastik ausgelegt, die die Feuchtigkeit fernhalten soll.
In der Vergangenheit hatte es auf dem Dach wiederholt Probleme mit Nässe gegeben. Auch deshalb, weil am Ende eine ganze Batterie Funkmasten auf dem Gebäude gestanden hatte. Doch das soll bald alles der Vergangenheit angehören. Die Masten werden durch einen einzigen ersetzt. Und wenn Ott, Honeck und die anderen Dachdecker abrücken, soll auf dem Dach zudem endlich alles schön dicht sein.
Ab Frühjahr 2026 können die Mieter wieder einziehen
Insgesamt 11 Millionen Euro investiert die gbg Wohnungsbaugesellschaft Hildesheim AG derzeit, um ihr Hochhaus so herzurichten, dass es am Ende als neu durchgehen könnte. Alle 42 Mietparteien mussten das Haus dafür räumen. Sie bekamen so genannte Verwertungskündigungen, die ein Vermieter aussprechen kann, wenn die Vermietung eines Objekts nicht mehr rentabel ist. Das elfgeschossige Haus befand sich zuletzt in einem miserablen Zustand. Alle bisherigen Mieter mussten raus.
Die gbg entschied sich, das 1972 errichtete Haus grundlegend sanieren zu lassen. Ab Frühjahr 2026 sollen die Mieter wieder einziehen. Allerdings benötigen sie wie überall im Sozialwohnbau üblich so genannte B-Scheine, Wohnberechtigungsscheine. Wer von den bisherigen Mietern keinen B-Schein mehr hat – etwa, weil er inzwischen finanziell besser ausgestattet ist – darf auch nicht zurück. Der Schein ist generell erforderlich, wenn man eine günstige Sozialwohnung mieten will. Die grundsanierten Wohnungen kosten anschließend 5,80 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Dazu kommen noch die Nebenkosten.
Das komplette Haus ist derzeit eingerüstet. „Wir haben zeitgleich etwa zehn Gewerke hier“, sagt Projektleiter Stephan Persin. Beim Gang durchs Gebäude lässt sich erkennen, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Der Blick fällt vielerorts auf nackten Beton. Fassade, Fenster, Treppenhäuser, Bäder und Küchen, Fußböden und Elektrik – spätestens im Frühjahr 2026 soll das Haus wie neu dastehen. Am auffälligsten wird dann wohl der komplett neue Eingangsbereich sein. „Hier kommt ein komplett neues Eingangsfoyer hin“, sagt Persin.
19 Tiefenbohrungen, jede geht etwa 125 Meter in die Tiefe
Ziel der energetischen Sanierung ist dabei, das Gebäude auf einen Verbrauch von etwa 35 Kilowattstunden pro Quadratmeter zu bringen. Das ist nur noch etwa 15 Prozent des Energieverbrauchs vor dem Start der Arbeiten. Geheizt wird das Haus dann mit Erdwärme. „Wir werden in der Umgebung 19 Tiefenbohrungen haben, die bis zu 125 Meter nach unten gehen“, sagt Projektleiter Persin. Die dabei zutage geförderte Wärme soll später noch weitere Häuser der gbg in der Umgebung versorgen. „Wenn wir mit diesem Haus fertig sind, werden wir vier weitere unserer Mehrfamilienhäuser in der Nähe anschließen“, sagt gbg-Vorstand Jens Mahnken. Dann werden rund 200 gbg-Haushalte in der Nähe ihre Wohnungen mit Erdwärme heizen. Ursprünglich war eine Versorgung mit Fernwärme geplant. Die sei aber derzeit für Ochtersum nicht möglich.
Im Vergleich zur heftigen Aufregung zu Beginn des Projekts – unter anderem hatten Mieterinnen und Mieter ihren Ärger im Ortsrat vorgetragen – geht es aktuell gelassen rund um die Baustelle zu. Projekt- und Bauleiter Persin spricht von einer „ruhigen Baustelle“. „Mir liegen aktuell sehr wenig Beschwerden vor.“


