Kreis Hildesheim - Seit mehr als drei Jahren tobt der Krieg in der Ukraine. Nach dem russischen Angriff auf den Nachbarstaat gewinnt das Militär auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Die Bundeswehr muss die Streitkräfte auf mögliche Einsätze vorbereiten. Darum läuft in der Region Hildesheim noch bis Freitag eine Übung der Führungsakademie der Bundeswehr. Auch zwölf Hubschrauber sind daran am Dienstag beteiligt gewesen.
Die starten tagsüber in drei Wellen vom Hildesheimer Flugplatz aus. In den Maschinen sitzen Heeresoffiziere, die das Gelände aus der Luft erkunden sollen. Dies gehört zu einem Generalstabslehrgang der Soldatinnen und Soldaten, die künftig große Truppenverbände führen sollen. „Man bekommt ein Gespür für Entfernungen“, erklärt Oberst Heide Hänseroth am Rande der Übung. „Und macht sozusagen Fotos im Kopf, wenn man das Gelände von oben sieht.“
Größe des Raumes aus der Höhe erfassen
Die angehenden Generäle sollen lernen, was es bedeutet, eine Brigade mit tausenden Soldaten und vielen Fahrzeugen durch die Landschaft zu dirigieren. Und das lernen sie eben nicht nur anhand von Kartenmaterial, wie Oberstleutnant Johannes Eith betont. Sinn der Übung: Nur aus der erhöhten Position lässt sich die Größe des Raums in Gänze erfassen.
Eith gehört zu den etwa 70 Lehrgangsteilnehmenden, die am Dienstagnachmittag bei starkem Regen zu den Eurocoptern auf dem Flugplatz laufen. Zwölf Maschinen stehen in einer Reihe am Rande des Flugfelds. Um 15.29 Uhr bewegt sich der erste Rotor der Airbus-Hubschrauber. Rote und gelbe Positionslichter blinken.
Fiktives Kampfgelände
Das Brummen der Maschinen wird lauter. Dann steigt der erste Hubschrauber auf, nach und nach folgen die anderen. Um 15.43 Uhr ist der letzte der olivgrünen Helikopter im grauen Himmel verschwunden.
In der Region Hildesheim befindet sich ein fiktives Kampfgelände. Angenommen wird ein Konflikt eines Nato-Landes mit einem russlandorientierten Staat. Die Bundeswehr soll mit Truppen in den Waffengang eingreifen.
Zügig erreichbar
Der Übungsraum, auf dem der Einsatz simuliert wird, erstreckt sich auf einem etwa 30 Kilometer langen Streifen über Hameln, Springe, Sarstedt, Hildesheim, Hohenhameln bis Braunschweig. Die Wahl fiel auf diesen Raum, weil er aus Hamburg leicht und zügig erreichbar ist. In Hamburg ist die Führungsakademie der Bundeswehr beheimatet – und die Region Hildesheim bietet sich für eine Geländeerkundung am Boden und auch aus der Luft gut an: ohne lange Flüge, erklärt Oberstleutnant Raphael Krisch. Die Bundeswehr-Hubschrauber werden für die Übung vom Standort Bückeburg nach Hildesheim beordert.
Und so steigen am Dienstag die 591 PS starken und fast zwei Tonnen schweren Maschinen erneut zu einer Übung von dem Flugplatz aus, der auch schon im Zweiten Weltkrieg militärischen Zwecken diente. Dass die Bundeswehr nun den längst zivilen Flugplatz nutzt, ist eine Ausnahme.
Nur ein kurzer Besuch
Das Heer ist nur kurz zu Besuch, die Flüge sind lediglich an einem Tag. Danach geht das Training für die Soldatinnen und Soldaten per Fahrzeug im Gelände noch bis Freitag weiter.
Und: Von Montag, 16. Juni, bis Donnerstag, 26. Juni, trainiert ein Panzerbataillon ebenfalls im Kreis Hildesheim. Dabei geht es um einen Orientierungsmarsch mit vier gepanzerten und sechs weiteren Fahrzeugen in den Gemeinden Holle und Schellerten. Mit Lärm und Verkehrsstörungen ist einer Bundeswehrsprecherin zufolge nicht zu rechnen.
Weitere Übungen
Das Heer nutzte 2025 erneut den Hildesheimer Flugplatz, wo auch schon in den Vorjahren Heeresflieger zu Erkundungsflügen mit künftigen Generalstabsoffizieren starteten. Weitere Bundeswehr-Manöver mit Hubschraubern und ähnlichen Übungsszenarien sollen auch in den kommenden Jahren in der Region organisiert werden.

