Hannover - Vier junge Männer haben bei einer Messerstecherei am Küchengarten in Hannover teils lebensbedrohliche Verletzungen erlitten. Nach Polizeiangaben hielt sich zuvor eine größere Gruppe auf dem Platz auf. Ermittelt wird zurzeit unter anderem wegen versuchter Tötung, mögliche Verdächtige gibt es bisher nicht. Der Tatort blieb mehrere Stunden weiträumig abgesperrt, sogar die Üstra-Bahnen, die hier von der Spinnereibrücke in die Limmerstraße abbiegen, konnten zeitweise nicht regulär fahren.
„Nach derzeitigem Stand gerieten gegen 4 Uhr etwa 15 Personen aneinander“, sagt Behördensprecher Marcus Schmieder. Der Streit sei derart eskaliert, dass letztlich vier junge Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren verletzt wurden. Die Polizei kann noch nicht sagen, ob die Opfer von einem Täter oder mehreren Angreifern attackiert wurden. Als die Ermittler eintrafen, war die Mehrheit der Beteiligten bereits verschwunden – nur noch ein Verletzter saß am Küchengarten.
Ein Opfer in Lebensgefahr
Laut Schmieder saß lediglich noch der jüngste Betroffene auf einer Parkbank. „Der 23-Jährige wiederum wurde von einer Rettungswagenbesatzung auf der Spinnereibrücke angetroffen.“ Er erlitt mindestens eine nicht näher definierte Stichverletzung in den Oberkörper. Die beiden anderen Verletzten, ein 20- und ein 28-Jähriger, wurden erst nach Zeugenhinweisen ausfindig gemacht. Sie hatten sich laut Schmieder unter anderem bereits nach Hause begeben.
Der 23-Jährige schwebt in Lebensgefahr und wurde stationär in einem Krankenhaus aufgenommen. Die Attacke auf ihn wird als versuchtes Tötungsdelikt gewertet. Auch der 17- und 20-Jährige kamen zur ambulanten Versorgung per Rettungswagen in Kliniken. Einzig die Verletzungen beim 28-Jährigen werden als leicht eingestuft. Wo und wie viele Stichwunden die drei Opfer erlitten, sagt Schmieder mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.
Zeugensuche anfangs schwierig
Offen ist, warum der Streit ausbrach. Ohnehin habe die Polizei anfangs Probleme gehabt, Zeugen zu finden. Erst nach und nach seien Passanten und Anwohner auf die Beamten zugekommen. Indizien, dass zumindest die Opfer möglicherweise alkoholisiert gewesen waren, gebe es zurzeit nicht. Angesichts der Eskalation, Uhrzeit und des Ortes sei laut Schmieder aber anzunehmen, dass „etwas Enthemmendes“ eine Rolle gespielt habe. Besondere Einsätze rund ums „Limmern“ gab es nach Polizeiangaben in der Nacht aber nicht.
Die Spurensicherung am Küchengarten zog sich mehrere Stunden hin. Sogar die Stadtbahnlinie 10 war davon betroffen und konnte rund eine Stunde nicht wie gewohnt verkehren. Weil unter anderem auch die Opfer selbst davongelaufen seien, lag laut Schmieder „ein groß gefächerter Tatort“ vor – nicht zuletzt wegen der verteilten Blutspuren. Eine mögliche Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden. Darüber hinaus gibt es noch keine konkreten Angaben zu etwaigen Tätern. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter Telefon (0511) 109 55 55.
Von Peer Hellerling
