200 000 Euro Spenden pro Jahr: Diese Frau ist der Schlüssel Wo Chef und Mitarbeiter zusammen Unkraut jäten

Titel:  Beschreibung: Über ihren Schreibtisch gehen alle Anträge: Christine Eikermann in ihrem Büro in Bavenstedt.
Über ihren Schreibtisch gehen alle Anträge: Christine Eikermann in ihrem Büro in Bavenstedt.

Von Christian Harborth

Hildesheim. Ein kleines, helles Büro im Gewerbegebiet Bavenstedt. Auf den ersten Blick wirkt der Arbeitsplatz von Christine Eikermann gar nicht so, als wenn hier große Summen bewegt werden. Doch dieser Eindruck täuscht. Die 48-Jährige ist dafür verantwortlich, dass jedes Jahr rund 200 000 Dollar Spendengeld (rund 180 000 Euro), das die Arconic Foundation für Deutschland bewilligt, den richtigen Weg findet. Die Entscheidungen fallen zwar in Pittsburgh, aber ohne die Frau aus Hohenhameln würden dort gar keine Anträge ankommen.

Das liegt vor allem daran, dass sich die Stiftung des Luft- und Raumfahrt-Zulieferers Arconic Fastening Systems die Projekte, die gefördert werden sollen, umfangreich erklären lässt. Der Prozess dauert viele Wochen. Hat er Erfolg, dürfen sich die Antragsteller aber mitunter über erhebliche Summen freuen. Der Verein für Suizidprävention etwa bekam 65 000 Dollar ausgezahlt (2005). Die Universität Hildesheim sogar 78 000 Dollar für eine Juniorprofessur (2008) und die Robert-Bosch-Gesamtschule (RBG) 50 000 Dollar für ein aufwendiges 3-D-Drucker-Projekt sowie weitere Vorhaben (2018).

Die RBG ist die Einrichtung, die seit dem Beginn der Ausschüttungen in 2003 am meisten Geld bekommen hat: zusammengerechnet 121 000 Dollar. „Im Durchschnitt darf sich Hildesheim über rund 40 000 Dollar pro Jahr freuen“, sagt Eikermann. Das sind etwa 36 000 Euro. Hildesheim wird bedacht, weil sich hier eines der sechs Deutschlandwerke des Zulieferers befindet.

Wer an den Fördertopf will, muss einige Voraussetzungen mitbringen. Bildungseinrichtungen, Vereine sowie städtische Institutionen dürfen sich bewerben. Wichtig ist auch der Zweck. „Derzeit bemüht Arconic sich sehr darum, wegen des Fachkräftemangels den naturwissenschaftlichen Bereich zu stärken“, sagt Eikermann. Deshalb auch die Förderung für das 3-D-Projekt der RBG.

Das System der Arconic Foundation ist dem deutscher Stiftungen ähnlich. Die Foundation hat ein Stammkapital von 310 Millionen Dollar. Den Ertrag schüttet sie weltweit aus. Im Jahr 2018 waren es zum Beispiel 13,2 Millionen Dollar, rund 200 000 Dollar davon wurden nach Deutschland überwiesen. Die Beträge sind nicht einheitlich, weil es sich um Erträge handelt, die an den Zinsentwicklungen hängen. Deshalb kann es mal mehr, mal weniger Geld geben.

Im laufenden Jahr stehen Deutschland aber wieder mit 205 000 und Hildesheim mit 40 000 Dollar auf der Liste. Wohin das Geld geht? Das ist noch nicht entschieden. Aber bald. „Das Geld wird im September überwiesen“, sagt Eikermann.

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