Tierschauspiel

23.000 Kraniche rasten im Diepholzer Moor

Wagenfeld/Hildesheim - Weniger Kraniche als im langjährigen Durchschnitt halten sich derzeit auf dem größten Kranich-Rastplatz in Niedersachsen auf. Auch über Hildesheim sind immer wieder Tiere zu sehen – und sollen gezählt werden.

Auf den Äckern in Vorpommern sammeln sich Tausende Kraniche, um sich vor dem Weiterflug in die Winterquartiere auf den Feldern Energiereserven anzufuttern. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Wagenfeld/Hildesheim - Tausende Kraniche ziehen auf ihrem Weg von Skandinavien nach Südwesteuropa wieder über Niedersachsen - im langjährigen Vergleich sind es allerdings eher wenige Tiere, die im Land Station machen. «Am Wochenende haben wir in der Diepholzer Moorniederung rund 23 400 Kraniche gezählt», sagte Kerrin Obracay, die beim Bund für Umwelt und Naturschutz in der Dümmer-Region in Wagenfeld die Kranichzählungen koordiniert.

In anderen Jahren seien Mitte Oktober auch schon 40 000 Kraniche im Diepholzer Moor gewesen. Ein Grund sei der nach zwei trockenen Jahren immer noch zu niedrige Wasserstand in den Mooren. Vor einem Jahr hätten Mitte Oktober rund 25 000 Tiere in der Region gerastet. «Wenn man die Wasserflächen betrachtet und die Situation der Schlafplätze, dann ist es okay», sagte Obracay.

Rekordzahl in Vorpommern

Kraniche überqueren Norddeutschland zwei Mal im Jahr: Im Frühjahr fliegen sie aus ihren Überwinterungsgebieten in Spanien, Frankreich und Nordafrika in die Brutgebiete nach Skandinavien, Finnland, ins Baltikum, nach Polen und in Teile Russlands. Im Herbst kehren sie in die Mittelmeerregion zurück. Auf ihrem Weg in Richtung Westen sammeln sich die Zugvögel zunächst in der Rügen-Bock-Region in Vorpommern. Dort wurde in der vergangenen Woche die Rekordzahl von 86 000 Tieren gezählt.

«Die Kraniche sind dort aus Skandinavien angekommen, aber die Zugbedingungen sind nicht so ideal, dass sie sofort weiterfliegen», erläuterte Obracay. Im Gegensatz zum Frühjahr, wenn sie rasch zu ihren Brutplätzen müssten, hätten die Kraniche im Herbst Zeit für ihre Reise. Die Rastbedingungen seien in Vorpommern derzeit ideal.

Im flachen Wasser schlafen

Die Vögel benötigen als Rastplätze Regionen, wo sie im flachen Wasser stehend schlafen können und genügend Nahrung finden - von Insekten, Schnecken, Fröschen und Kleinsäugern über Mais- und Getreidekörner bis zu Erbsen, Bohnen, Eicheln oder Kartoffeln. In Niedersachsen seien die eigentlich idealen Moore mittlerweile zu trocken. «Der Schlafplatz ist der sensibelste Bereich in dem Rastgebiet, wenn der nicht passt, dann verlassen die Kraniche relativ schnell wieder die Gegend, weil der Sicherheitsfaktor nicht da ist», erklärte Obracay.

Neben der Diepholzer Moorniederung gibt es in Niedersachsen noch zwölf weitere Rastplätze wie das Teufelsmoor oder das Tister Bauernmoor bei Bremen.

Auch über Hildesheim zu sehen

Auch über der Region Hildesheim sind seit einigen Wochen immer wieder Kraniche zu sehen. Der Ornithologischen Verein (OVH) will auch in diesem Jahr den Kranichzug dokumentieren und bittet um Meldungen an Karl-Heinz Rosanowski, Telefon: 05121 / 84383, E-Mail: kh-rosanowski@gmx.de. Um Doppelmeldungen erkennen zu können, sollten neben dem Datum und der minutengenauen Uhrzeit auch die geschätzte Anzahl und der Ort angeben werden, dazu für Rückfragen der Name und Vorname.

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