Hildesheim - Der Club VEB ist eine Ausnahmeerscheinung in der Hildesheimer Musikszene: Seit 30 Jahren sorgt ein ehrenamtliches Team jeden Mittwochabend für Live-Erlebnisse im Loretta der Kulturfabrik – oft mit internationalen Bands und vor allem immer kostenlos. Beziehungsweise auf Hutbasis. Vom Kino einmal abgesehen, ist es das verlässlichste regelmäßige Kulturangebot in Hildesheim. Niemand hat Buch geführt oder nachgezählt, doch es dürften im Laufe der Zeit rund 1500 Konzerte gewesen sein. Sogar Biffy Clyro haben hier mal gespielt – bevor die UK-Band über fünf Millionen Platten verkauft und europaweit acht Platinplatten erhalten hat. Im Zuge der Kufa-Insolvenz gerät nun auch der Club in Gefahr.
1995 unter dem Namen Café Dumm gestartet und bald als „volkseigene Bar“ neu definiert, hat der Club VEB immer eine Sonderrolle in der Kulturfabrik eingenommen. Die Initiative ist eng mit dem Haus verbunden, arbeitet aber eigenständig. Bandauswahl, Organisation und Durchführung der Veranstaltungen, Thekendienste: All das wird von einem ehrenamtlichen Team gewuppt, dem aktuell 20 Mitglieder angehören. Sogar das Getränkeangebot unterscheidet sich etwas von der sonstigen Kufa-Palette. Und ebenso die Preise, die bisher deutlich günstiger waren als bei den anderen Veranstaltungen.
Alles auf dem Prüfstand
Die Gäste des Clubs, die meistens zwischen 21 und 21.30 Uhr eintrudeln, haben schon zu spüren bekommen, dass neuerdings ein anderer Wind weht. Ein Bier kostet nicht mehr 2,50 Euro, sondern es wird der hausübliche Tarif von 3,50 Euro aufgerufen. Falls jemand vermutet, dass die Initiative jetzt doch mal ein bisschen Geld mit den Konzerten verdienen möchte: Das ist nicht der Grund. Im Zuge des seit einem Jahr laufenden Insolvenzverfahrens der Kufa werden alle Aktivitäten auf ihre Wirtschaftlichkeit abgeklopft. Davon sind auch die ehrenamtlichen Initiativen im Haus nicht ausgenommen – neben dem Club VEB betrifft das auch die Solidarische Küche und ebenso die Projektwerkstatt, die diversen politischen Gruppen einen Raum bietet.
Beim Club VEB ergab die Überprüfung, dass die Kufa für jeden Konzertabend drauflegt. Der Club habe bisher eine Nutzungspauschale von 50 Euro pro Monat bezahlt, sagt Kufa-Geschäftsführer Can Güler. „Das wurde über Jahrzehnte nicht an den aktuellen Stand angepasst.“ Die tatsächlichen Kosten für Reinigung, Technik, Verwaltung, Werbung und andere Posten liegen Güler zufolge bei über 200 Euro. Da gehe es nur um die Fixkosten, betont er. Eine Miete wie bei Fremdbuchungen werde von den ehrenamtlichen Initiativen nicht erhoben. Güler: „Wir lieben es, dass sie da sind. Sie sind Teil der Fabrik und unabdingbar für uns.“
So oder so muss der Club ab sofort 160 bis 180 Euro pro Woche mehr einspielen, sagt Cat Bukowski, eine der treibenden Kräfte im Team. Die Huteinnahmen gehen zu 100 Prozent an die Bands, meistens zwei pro Abend, da ist also nichts zu holen. Über die jüngste Erhöhung der Getränkepreise könne etwa die Hälfte der Mehrkosten ausgeglichen werden – das reicht also nicht.
„Wir als Initiativen im Haus kommen der Kufa natürlich entgegen, können aber nicht so wirtschaftlich arbeiten, wie der Insolvenzverwalter sich das wünscht“, sagt Bukowski. Das Angebot sei in dieser Form einmalig in Hildesheim, gerade in Kombination mit der Solidarischen Küche, kurz SoKü: Vor dem Konzert bekommt man ein kostenloses warmes Essen, danach kann man oft Punk oder Metal hören, aber auch mal Indie, Folk, Ska oder Reggae. Die Gäste spenden nach ihren jeweiligen Möglichkeiten. Das sei eine in der Stadt einzigartige Teilhabemöglichkeit, sagt Bukowski, die tagsüber an der Technischen Universität in Braunschweig arbeitet.
Suche nach Sponsoren und Spenderinnen
Was also tun? „Wir machen uns aktiv auf die Suche nach Sponsor:innen“, so Bukowski, die den Gender-Gap mitspricht. Auch Spenden seien willkommen. Fördergelder kann der Club aktuell nicht beantragen, weil es nur eine lose Initiative ist, kein eingetragener Verein. Eine Lösung drängt, sonst müssten die Mitglieder für ihr ehrenamtliches Engagement auch noch draufzahlen.
Wer den Club VEB der Kufa unterstützen möchte, kann auf dieses Konto spenden: KulturFabrik e.V., IBAN: DE34 2595 0130 0000 5730 58. Verwendungszweck: Rettung Club VEB.

