Sarstedter Musikszene

50 Jahre auf der Bühne: Gitarrist Franz Gottwald

Sarstedt - Erst war er Rock’n’Roller, später spielte er auch großartigen Flamenco. Der Sarstedter Gitarrist Franz Gottwald hatte in seinem Leben nie was für Schubladen übrig. Nur für die Leidenschaft zur Musik.

Manchmal spielt er auch ganz allein vor der Sarstedter Nicolaikirche: Franz Gottwald. Foto: Kathi Flau

Sarstedt - Dass er eines Tages sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern würde, das hätte Franz Gottwald als Junge ganz sicher nicht gedacht. „Schon gar nicht, als ich gerade mit meinen Eltern hergezogen war“, sagt der gebürtige Northeimer, der neun Jahre alt war, als er nach Sarstedt kam.

Hier hat er die Schenker-Brüder mit ihrer Band an den Giftener Seen proben hören. Am Abend, in seinem Zuhause, das ein sehr einfaches Zuhause war, wie sich Gottwald heute erinnert: „Wir waren alle Arbeiterkinder.“

Das waren wilde Zeiten damals

Musikbegeisterte Arbeiterkinder. Nach Schulschluss hat er mithilfe eines Zirkels aus dem Geometrie-Unterricht mit Michael Schenker Blutsbrüderschaft geschlossen, einen Bund auf die Freundschaft und den Rock’n’Roll. „Das waren ja wilde Zeiten damals, die 60er Jahre in Sarstedt“, sagt er rückblickend. „Da gab es hier eine Musiker-Szene aus ganz jungen Bands, die gab es woanders so nicht.“

Eine Atmosphäre, in der sich Gottwald wohl fühlt. Als er Gitarre zu spielen beginnt, verehrt er neben den lokalen Helden auch die Rolling Stones. „Ich hab versucht, rational dagegen anzugehen, aber das hat nicht geklappt“, sagt er und klingt halb ernst, halb selbstironisch dabei, „aber das hat natürlich nicht geklappt.“

Ganz im Gegenteil, in den Weihnachtsferien 1968 gründen Franz Gottwald, sein Bruder Robert und zwei ihrer Freunde die Beat-Band „Flash of Lightning“. Die kaum ein Jahr später, im Dezember 1969, ihren ersten großen Auftritt hat. „Im Hotel Steuerwald in Hildesheim“, erzählt Gottwald, noch immer stolz. „Da im Saal sind wir aufgetreten, als Vorgruppe der Chasing Wheels, die damals total angesagt waren.“ Und in diesem Jahr ihr 55-jähriges Bestehen feiern.

Franz und die Bühne – eine große Liebe

Von nun an ist klar: Franz, seine Gitarre und die Bühne, das ist eine ganz große Liebe. Wenn er auch im sogenannten „wirklichen Leben“ eine Buchdruckerlehre beginnt, verbringt Gottwald doch jede freie Minute mit seinem Instrument. „Wir mussten damals sehen, wir wir spielen lernen“, sagt er. „Damals gab es keine Youtube-Videos, wo du dir anschauen konntest, wie andere das machen. Das musstest du dir schon selber beibringen.“

Machte Gottwald. Und zwar gleich doppelt. Als Autodidakt spielte er Gitarre in Rockformationen – doch als Anfang der 70er Jahre die akustischen Gitarren die Bühnen eroberten, „da dachte ich, naja, mein Rockheld Jimi Hendrix ist eh tot, also kann ich auch mal was ganz anderes spielen.“

Hin und wieder war er im Fernsehen

Und gründete mit Victor Svec das „Duo Flamenco“ in Hildesheim. „Ein ganz anderer Rhythmus, ein ganz anderer Sound, das fand ich total toll“, sagt Gottwald. Sein Spiel perfektioniert er, bis er mit Svec sogar zu einem Live-Auftritt ins ZDF eingeladen wird. „Ach, ja, zu der Zeit waren wir hin und wieder im Fernsehen“, sagt Gottwald, als könne das ja schließlich jedem mal passieren.

Was bleibt, bis heute, ist die Spielfreude, die Franz Gottwald in den Augen hat, sobals er eine Gitarre in die Hand nimmt. Und wenn er sich allein auf die Stufen vor der Sarstedter Nicolai-Kirche setzt und vor sich hinspielt, ein leises und temperamentvolles Flamenco-Solo.

Am liebsten spielt er mit allen Freunden

Doch weil er noch lieber mit allen Freunden spielt, Flamenco genauso wie Rock’n’Roll, weil das alles zu ihm gehört und auch in Zukunft gehören soll, hat Franz Gottwald für den kommenden Samstag ein großes Come-together im Theatersaal Langenhagen geplant. „Franz unmd Frenz“ führt ihn mit Weggefährten und Musikerkollegen zusammen – und mit seinem Publikum, das ihn auch nach 50 Jahren auf der Bühne feiert wie eh und je.

Tickets für den Konzertabend gibt es zum Preis ab 18 Euro in Hildesheim im HAZ-Ticketshop oder in der Galeria Kaufhof sowie online unter www.mmuse.de.

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