74-Jährige zwei Stunden in Todesangst

Titel: Tatort Langer Hagen Beschreibung: Tatort Langer Hagen: In dieser Straße schlagen die Räuber 2017 zu, weitere ähnliche Fälle folgen.
Tatort Langer Hagen: In dieser Straße schlagen die Räuber 2017 zu, weitere ähnliche Fälle folgen.

Von Christian Wolters

Hildesheim. Es sah nach einem Durchbruch für die Ermittler aus, als sie im vergangenen Herbst einen 24-jährigen Mann verhafteten: im Morgengrauen, mit Beamten eines Spezial-Einsatzkommandos in einer Wohnung in der Hildesheimer Innenstadt. Der Verdächtige hatte DNA-Spuren an einem Tatort hinterlassen, der zu einer Serie gehörte, die in Hildesheim die Öffentlichkeit erheblich aufgewühlt hatte – drei äußerst gewalttätige Überfälle auf Innenstadt-Bewohner. Alle im Spätsommer 2017, immer dort, wo die Opfer eigentlich sicher sein sollten, in ihren Wohnungen. Doch obwohl der Mann mit unbekannten Komplizen für alle Taten verdächtigt wird, kommt er jetzt nur für eine vor Gericht. Aber die Ankläger sagen: Das muss nicht das Ende sein.

„Die Ermittlungen dauern an, es werden noch weitere Spuren ausgewertet“, sagt Christina Pannek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim. Nach wie vor könne es sogar noch einen vierten Fall geben, bei dem der Angeklagte als Täter in Betracht komme. Dass er nun zunächst nur wegen eines Überfalls angeklagt wurde, hat einen Grund: Der Mann sitzt seit Herbst in Untersuchungshaft, und die darf in der Regel höchstens sechs Monate dauern. Wird der Mann nun schuldig gesprochen, käme er in Strafhaft.

Und die dürfte, da sind sich die Ankläger sicher, mehrere Jahre dauern. Was sie dem 24-Jährigen vorwerfen, muss für das Opfer, eine 74-jährige Frau, ein Martyrium gewesen sein.

Die Hildesheimerin kehrte von ihrem Job als Spielhallenaufsicht heim, kam kurz nach Mitternacht vor ihrer Wohnung im Langen Hagen an. Im Treppenhaus soll dann der 24-Jährige mit einem Komplizen gelauert haben. Laut Anklage drängten die Männer die Frau in die Wohnung, verbanden ihr die Augen, fesselten und knebelten sie. Dann durchsuchten sie die Wohnung, wobei sie immer wieder nach Geld gefragt und zur Bekräftigung der 74-Jährigen ein Messer an die Kehle gehalten haben sollen.

Die völlig verängstigte Frau, die fürchtete, umgebracht zu werden, litt Schmerzen. Zum einen durch die Fessel, zum anderen, weil die Männer sie mit ihren Füßen in eine aufrechte Position drückten, wenn sie umzukippen drohte. Rücksichtslos sollen sie ihrem Opfer zwei Ringe von der Hand gerissen haben. Zwei Stunden dauerte die Tortur.

Dann endlich ließen die Männer von der Frau ab. Legten sie laut Anklage aufs Bett, lockerten leicht die strammen Fesseln. Dann verschwanden sie mit ihrer Beute: 100 Euro aus dem Portemonnaie der Hildesheimerin. Die Frau schaffte es schließlich im Lauf der Nacht, sich zu befreien.

Die beiden anderen bekannten Taten passierten im Umfeld der Bombenräumung in der Nacht zum 17. August 2017, auch hier waren die Opfer 70 Jahre und älter. Was bei Fall Nummer vier passierte, ist unklar. Im Fall eines Schuldspruchs im ersten Fall, der ab Mittwoch im Amtsgericht verhandelt wird, drohen dem Angeklagten mindestens fünf Jahre Haft. Zu seinen mutmaßlichen Komplizen sagt der Mann bislang nichts. Er soll die Tat abstreiten.

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