Lernen mit einem Simulator

„Acht von zehn Schülern haben nicht bestanden“ – nun setzt ein Hildesheimer Fahrlehrer auf einen Simulator, um Durchfallquoten und steigende Kosten zu senken

Hildesheim - Steigende Energiepreise, hohe Durchfallquoten und sinkende Schülerzahlen setzen Deutschlands Fahrschulen unter Druck. In Hildesheim setzen Markus und Kerstin Schmid auf moderne Technik, damit der Führerschein bezahlbar bleibt und weniger durchfallen. Kann das gelingen?

Ein Hildesheimer Fahrschüler lernt das Abbiegen im Fahrsimulator. Foto: Luca Stentzel

Hildesheim - Steigende Kosten für Sprit, Strom und Personal treiben die Preise für den Führerschein in die Höhe, auch in Hildesheim. Gleichzeitig zögern immer mehr junge Menschen die Ausbildung hinaus oder verzichten ganz darauf. Eine Situation, die viele Fahrschulen zur Aufgabe zwingt. Markus Schmid kennt das Geschäft seit 32 Jahren. Gemeinsam mit seiner Frau Kerstin führt er seit fast drei Jahrzehnten in Hildesheim den „Treffpunkt Fahrschule Schmid“.

Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, investierten Markus und Kerstin Schmid bereits im November 2024 rund 23 000 Euro in einen Fahrsimulator – mittlerweile würden sie für solch ein Gerät noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Für den 58-jährigen Fahrlehrer ist der Simulator mehr als eine Computerspielerei. „Die Leute, die im Simulator geübt haben, fahren sicherer und sind besser vorbereitet. Die erste Aufregung im realen Verkehr verfliegt“, meint Schmid. Das bestätigen Studien des ADAC und des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). Am Bildschirm lassen sich Extremsituationen gefahrlos trainieren: ein Rettungswagen im Einsatz, Wildwechsel auf der Landstraße oder das richtige Verhalten an einer Unfallstelle. Auch Grundlagen wie das Anfahren oder Einparken können hier ohne den Druck des fließenden Verkehrs und ohne Verschleiß am echten Auto geübt werden.

Eltern sind dagegen

Doch die Resonanz ist gemischt. „Ich habe mir ehrlich gesagt mehr Akzeptanz von den Schülern und Eltern erhofft“, sagt Schmid. Oft hört er das Argument von Eltern: „Mein Sohn oder meine Tochter soll das richtig lernen.“ Schmid hält dagegen: Der Simulator ersetzt das Auto nicht, er bereitet lediglich darauf vor. Ein Argument für die Technik ist zudem der Preis: Eine Simulatorstunde kostet etwa die Hälfte einer realen Fahrt. Die ersten 45 Minuten bietet Schmid kostenlos an.

Die Kosten steigen für alle

Die finanzielle Belastung rund um den Führerschein ist für alle Seiten enorm. Laut ADAC kostet er mittlerweile im Schnitt zwischen 3500 und 6000 Euro. Fahrschulen kämpfen mit hohen Fixkosten. „Ein Auto kostet mich 45 Euro am Tag, wenn es ungenutzt auf dem Hof steht“, rechnet Schmid vor. Versicherung und sonstige Kosten summieren sich monatlich auf rund 660 Euro pro Fahrzeug. „Es kann nicht billiger werden, wenn alles andere teurer wird.“

Zusätzlich treiben die explodierenden Durchfallquoten die Kosten in die Höhe. In Niedersachsen scheitern aktuell rund 30 Prozent der Prüflinge an der Praxis, in der Theorie sind es sogar 39 Prozent – Werte, die exakt im Bundesdurchschnitt liegen. Jede Wiederholung bedeutet neue Gebühren und zusätzliche Fahrstunden. Markus und Kerstin Schmid erleben diesen Trend: „Letzte Woche fielen in einer Prüfung acht von zehn Schülern durch“, berichtet Kerstin Schmid. Die Fehlerpunktzahlen seien teilweise erschreckend hoch: „Einige hatten 31, 41 oder sogar 47 Fehlerpunkte.“ Erlaubt sind maximal zehn.

Warten auf die Politik

Bisher ist das Training am Simulator eine freiwillige Zusatzleistung, die nicht auf die gesetzlich vorgeschriebenen Stunden angerechnet werden darf. Das könnte sich im August 2026 ändern. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr hat eine rechtliche Anerkennung in Aussicht gestellt. Markus und Kerstin Schmid würden diesen Schritt begrüßen. Sie wären sogar für eine verpflichtende Simulator-Stunde vor der ersten echten Fahrt, um die Grundlagen von Vorfahrt, Abbiegen und Schaltvorgängen stressfrei zu vermitteln. Es wäre für sie ein Weg, die Ausbildung effizienter, sicherer und am Ende vielleicht auch wieder bezahlbarer zu machen.

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