Festnahme bei der Geldabholung

87-Jähriger hilft als „Doppelagent“: Polizei schnappt Betrüger im Kreis Hildesheim

Sarstedt - Gauner wollen einen Rentner um eine fünfstellige Summe bringen. Sarstedter Ermittler drehen mit Hilfe des Betroffenen den Spieß um. Doch es gibt einen zweiten Helden in dieser Geschichte.

Die Sarstedter konnte nach einem Betrugsversuch einen dringend tatverdächtigen jungen Mann festnehmen. Foto: Chris Gossmann (Archiv)

Sarstedt - Die Serie von Betrugsversuchen gegenüber betagten Bürgerinnen und Bürgern reißt nicht ab. In Sarstedt wäre es Unbekannten am Dienstag fast gelungen, einen 87-jährigen Mann um einen fünfstelligen Euro-Betrag zu bringen. Ein umsichtiger Mitarbeiter eines Kreditinstitutes konnte das Vorhaben der Gauner offenbar in letzter Minute vereiteln. Und nicht nur das: Die Polizei konnte zumindest einen Verdächtigen vorläufig festnehmen – was in vergleichbaren Fällen nur sehr selten gelingt.

Die Kriminellen riefen nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen am Dienstagvormittag bei dem Rentner zu Hause an und gaben sich als Polizeibeamte aus – ein verbreiteter Trick, um das Vertrauen gerade älterer Menschen zu gewinnen oder auch ihre Angst zu wecken.

„Geld nicht mehr sicher“

Die Anrufer erzählten dem 87-Jährigen, dass nach einem Diebstahl oder Einbruch ein Mann festgenommen worden sei. Bei diesem Täter habe man die Daten des Rentners gefunden, weshalb man ihn nun kontaktiere.

Denn nun sei sein Geld nicht mehr sicher, suggerierten die Anrufer dem Senior. Und spannen ihre Geschichte noch weiter: Ein Bankmitarbeiter stehe unter Verdacht, Vermögensverhältnisse und Daten von Kunden an Kriminelle weiterzugeben. Diesem Bankmitarbeiter sei die Polizei nun auf der Spur. Und dabei brauche sie die Hilfe des 87-Jährigen.

Rentner wird misstrauisch

Die Anrufer forderten den Mann auf, umgehend zu seinem Kreditinstitut zu gehen und dort einen mittleren fünfstelligen Geldbetrag abzuheben. Bei Nachfragen seitens der Bank dürfe er aber keinesfalls den Grund für die Abhebung nennen, vielmehr müsse er über sein Handy in fortlaufendem telefonischem Kontakt mit den vermeintlichen Polizeibeamten bleiben.

In der Bank wurde der 87-Jährige angesichts dieser filmreifen Regieanweisungen dann aber doch misstrauisch, schaltete sein Handy aus und vertraute sich einem Mitarbeiter an. Dieser erkannte den Betrug und alarmierte die Polizei.

Geld doch abgelegt

Die machte den Rentner nun sozusagen zum Doppelagenten. Auf Anweisung der wirklichen Ermittler hob er tatsächlich eine hohe Summe ab, nahm wieder Kontakt mit den Betrügern auf und legte das Geld an einem vereinbarten Ort an einem Sarstedter Parkplatz ab. Details nennt die Polizei derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht.

Die Polizei legte sich daraufhin an dem Parkplatz auf die Lauer – und hatte Erfolg. Am Nachmittag erschien ein 20-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen an der vereinbarten Stelle, steckte das Geld ein – und wurde kurz darauf von den Beamten vorläufig festgenommen. Für eine Untersuchungshaft sah die Staatsanwaltschaft Hildesheim aber keine ausreichenden Gründe. Die Ermittlungen gegen den 20-Jährigen und mögliche Mittäter dauern an.

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