Blümchen & Co.

90s-Supershow in Hildesheim: Oli P. und Captain Jack im HAZ-Gespräch

Hildesheim - Popmusik mit Ohrwurmcharakter, Fans der 90er zieht es am Samstag nach Hildesheim. Was Oli P. und Captain Jack dazu sagen, warum die 90er-Jahre überlebt haben.

Hildesheim - Die 90er-Jahre haben überlebt – zumindest beim Hildesheimer Publikum: Der Volksfestplatz ist am Samstag bei der „90s-Supershow“ ordentlich gefüllt. Der Vorverkauf lief blendend, und das Verkehrschaos blieb aus. Auf dem Programm stehen bekannte Namen wie Oli P. und Blümchen. Und wer sich auf dem Festgelände umsieht, merkt: Nicht nur diejenigen, die die 90er selbst miterlebt haben, singen die Texte gut gelaunt mit. Auch viele jüngere Besucherinnen und Besucher zieht es an diesem Tag vor die Bühne.

Zwölf Künstler und Bands sind angesagt, ein fettes Programm. Doch im Backstage-Bereich, wo alle Künstler nach und nach eintrudeln, ist es völlig entspannt. Man kennt sich, man herzt sich und begegnet sich – nach all den Jahrzehnten inklusive Coronapause – immer wieder auf Festivals. Hildesheim ist nun dazugekommen. Und, so jedenfalls schon die erste Verlautbarung der Veranstalter, Hildesheim könnte ein fester Baustein des Tourneeplans werden.

Einer der ersten, die auftreten, ist der Solist Oli P. (Petszokat), der kurz vor seinem Auftritt noch Zeit für ein kurzes Gespräch mit der HAZ hat, hinterher geht es gleich weiter nach Mönchengladbach und nach Kleve. Also drei Auftritte an diesem Tag. „Ich komme gerade aus Österreich und war vorher in Berlin“, sagt er, lacht, ist entspannt. Lampenfieber? Er sei „für die Bühne geboren“, sagt er.

Mit zehn erfolgreich als junger Tänzer, plant er zunächst Tanzlehrer zu werden, entdeckt sein Talent für die Musik und das Fernsehen. Und der Mauerfall entpuppt sich für ihn als Glücksfall: „Ich habe dadurch meine Frau kennenlernen können. Die kam aus dem Osten.“ Was wie eine persönliche Geschichte klingt, ist ein Teil des Lebensgefühls der 1990er-Jahre. Die Sehnsucht nach Freiheit und Leichtigkeit gleichzeitig, bestätigt der 43-Jährige.

Nächsten Freitag kommt seine neue Single raus: „Hey, Freiheit“. Auftritte und immer wieder ins Studio. Was bleibt für die Familie? „Viel“, sagt Oli P., „die ganze Zeit dazwischen“. Doch er brauche die Bühne: „Das ist einfach ein großartiges Gefühl, vor so viel Menschen stehen zu können und Musik zu machen.“ Wie auch die anderen Künstler dieses Showtages hat er es geschafft, die Stimmung der 90er-Jahre am Leben zu halten.

Und das zündet beim Publikum, das noch lange scharenweise anrückt – zu Fuß. Manche mit Strohhüten, oft farbenfroh, aber auch schlicht schwarz – so richtig finden sich die Stilelemente der 1990er im Publikum nicht wieder: transparente Stoffe, bunte Strumpfhosen, Leggins oder Radlerhosen oder bei den Männern die Baggy Jeans, übergroße tiefhängende Hosen – aber die Stimmung passt, und die Refrains können so gut wie alle mitsingen.



Eine, die viele 90er-Fans gerade wohl beneiden dürften, ist Carmen Kasischke. Selbst großer Fan des Jahrzehnts, arbeitet die Frau am Samstag am Personaleingang – und da müssen alle Promis durch. Von Oli P. hat sie sich bereits ein Autogramm ergattert, auch Michelle hat sie heute schon zu Gesicht bekommen, erzählt sie. Später habe sich dann Oli P. noch bei ihr persönlich verabschiedet und noch zwei Autogramme für sie und ihre Tochter dagelassen.

Schlag auf Schlag und lautstark geht es seit mittags auf der Bühne zu, immer wieder werden kurze Feuerfontänen aus Rohren in die Höhe gespuckt, aber auch das Publikum mit Wasserstrahlen gegen die sengende Hitze abgekühlt, was ausgelassen begrüßt wird.

Captain Jack (Bruce Lacy) und seine Frontsängerin Illi (Ilka Anna Antonia Traue) heizen die Stimmung ein, natürlich auch mit dem Klassiker „In the Army now“. Und das Publikum tanzt begeistert mit. Einige filmen sich dabei mit ihren Handys – keine Party ohne Clips.

Hinterher kommt der Captain, noch leicht aus der Puste, immerhin geht er scharf auf die 60 zu, zu einem kurzen Pressegespräch hinter die Bühne – natürlich mit Illi an seiner Seite. „Die Lieder der 90er sind einfach zeitlos, unbeschwert und frei“, sagt er. „Es gab keinen Stress wie heute, die Leute waren locker“, ergänzt sie.

Die Musik habe er einfach im Blut: „Mein Vater war auch Musiker.“ Und der Bandname? Das ist der Moment, in dem Produzent Udo Niebergall einspringt, der das „Projekt, wie man das in den 90ern nannte“ quasi erfunden hat. „Ich war mit Freunden Snowboarden, morgens im Bus waren wir alle noch fertig von der durchzechten Nacht und haben Captain Jack gesungen“, erzählt er. Verstanden habe er den Text damals nicht. Klar war nur, die Gruppe wird so heißen.

Der Captain steht auf, es geht weiter, heute noch ein Auftritt in Siegen. Hinter ihm rufen ihm drei seiner Fans noch zu, er solle bleiben, doch er winkt ab. Doch Anja (40), Kai (38) und Mina (38) lassen sich die Laune nicht verderben. „Es ist großartig hier“, sagt Kai und wird dann doch nachdenklich: „Ich habe einen zweijährigen Sohn, dem ich später erklären muss, warum wir ihm die Erde so hinterlassen haben. Das war in den 90er-Jahren noch nicht so ein starkes Thema wie heute.“

Doch das ist am Samstag erstmal schnuppe. Hinter ihm ist East 17 auf der Bühne. Die Party geht weiter. The Show must go on. Klappt aber nicht immer. Denn Auftritte verschieben sich nach hinten. Rednex beispielsweise treten etwa eine Stunde später auf die Bühne.

Und Masterboy hat sich kurz zuvor bei den Veranstaltern gemeldet: Die Gruppe hängt in Göteborg fest. Also kein Auftritt in Hildesheim.

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