Hildesheim - Die Sorge bei den Stadtteilpolitikern aus der Neustadt war groß: Wird die Johannisstraße nach ihrer Freigabe zum Schleichweg als Ersatz für die gesperrte Dammstraße? Nimmt dadurch der Autoverkehr im Wohngebiet am Kalenberger Graben stark zu? Bislang nicht – so fällt die Bilanz eine Woche nach Öffnung der Johannisstraße aus. Allerdings haben noch viele Radfahrer Probleme, sich an die neue Verkehrsführung rund um die Dammstraße zu gewöhnen – die Polizei hat ihnen dabei in den vergangenen Tagen mit Ermahnungen auf die Sprünge geholfen.
Eineinhalb Jahre war die Strecke Dammstraße-Johannisstraße wegen der Kanalbauarbeiten in der Gegend gesperrt. Seit Dienstag letzter Woche kann der Verkehr wieder fließen. Allerdings mit einer Einschränkung: Morgens zwischen 6.30 und 8.30 Uhr dürfen Autofahrer, die stadteinwärts unterwegs sind, nicht aus der Dammstraße nach rechts in die Johannisstraße abbiegen – darauf weisen ein Schild direkt an der Kreuzung und weitere Tafeln auf den Zufahrtswegen in der Umgebung hin.
Noch halten sich die meisten Autofahrer ans Abbiegeverbot
Die Stadt folgt mit dem morgendlichen Abbiegeverbot einem Wunsch des Ortsrates: Die Ortsteilpolitiker befürchten, dass sich die Route angesichts der Dammstraßen-Sperrung zum Bypass entwickeln könnte. Das sei bislang aber nicht der Fall, sagt Nils Rühmann, stellvertretender Chef des Fachbereichs Tiefbau der Stadt. Er weiß das aus eigener Anschauung, kann sich aber auch auf Bernd Wiltzsch berufen: Der Polizeihauptkommissar und Kontaktbeamte für den Stadtteil hat das Geschehen in den vergangenen Tagen morgens vor Ort überwacht.
Demnach hätten zwar immer eine Handvoll Autos versucht, in der verbotenen Zeit nach rechts abzubiegen, berichtet Wiltzsch. Doch er hielt die Fahrer erfolgreich davon ab – darunter am Montag gleich drei Männer, die erklärten, sie wollten zum St. Bernward Krankenhaus. „Da müssen sie einen anderen Weg fahren“, erklärte ihnen Wiltzsch.
Radfahrer oft noch falsch unterwegs
Er beließ es zunächst bei mündlichen Ansprachen und schrieb keine Anzeigen: Durch sein Eingreifen sei ja niemand falsch abgebogen, betonte der Polizist. Doch der hat auch Verständnis für die Fahrer. Denn viele hätten die Verkehrsschilder in der Umgebung wohl einfach nicht wahrgenommen, sagt Wiltzsch und verweist auf entsprechende Entschuldigungen der Fahrer.
Deutlich mehr Arbeit machten dem Polizisten allerdings Radfahrer. So haben viele noch nicht verinnerlicht, dass auf dem Dammstraßen-Abschnitt zwischen Bischofsmühle und Alfelder Straße nun wieder Autos unterwegs sind – was bedeutet, dass Radler stadteinwärts nur rechts unterwegs sein dürfen, weil sie links zu Geisterfahrern werden und in den Gegenverkehr geraten könnten. Allein am Donnerstag habe er binnen zwei Stunden 250 Falschfahrer ermahnt, sagt Wiltzsch, seither habe die Zahl aber abgenommen. So waren es am Montagmorgen noch etwa 20; auch sie bekamen nur eine Ansprache.
Ortsbürgermeister mahnt weitere Kontrollen an
Die Polizei behält sich allerdings vor, sowohl Radler als auch Autofahrer, die sich nicht an die Regeln halten, zur Kasse zu bitten. Man werde auch künftig kontrollieren, heißt es bei der Polizeiinspektion.
Das sei gerade mit Blick auf die Johannisstraße und den Autoverkehr dort auch nötig, findet Stadtmitte-Ortsbürgermeister Tobias Eckardt. So seien viele Fahrer wegen der langen Sperrung noch daran gewöhnt, dass sie dort nicht lang kämen. Spreche sich die Freigabe erst herum, könnte sich die Lage noch ändern.
