Hochwasser

„Absolut richtig, die Evakuierung vorzubereiten“: Sarstedts Bürgermeisterin im Interview

Sarstedt - Sarstedts Bürgermeisterin Heike Brennecke spricht über die aktuelle Lage, den Besuch des Ministerpräsidenten und ihre Forderungen ans Land.

Bürgermeisterin Heike Brennecke am Mittwochnachmittag vor dem Feuerwehrhaus Im Kirchenfelde. Foto: Viktoria Hübner

Sarstedt - Angesichts des extremen Hochwassers von Leine und Innerste ist die Lage in und um Sarstedt weiter angespannt – wenngleich die befürchteten Flutwellen und Evakuierungen bislang ausgeblieben sind. Bürgermeisterin Heike Brennecke spricht über die aktuelle Lage, den Besuch des Ministerpräsidenten und ihre Forderungen ans Land.

„Die Lage ist noch nicht durch, aber sie ist stabil“, so lautete Ihr Resümee am Mittwochmorgen. Gibt es dennoch Gebiete, die Ihnen besondere Bauchschmerzen bereiten?

Im Moment nicht. Aber wir müssen die Hochwasserlage beobachten, die Pegel von Leine und Innerste im Blick haben und auf unsere Kanäle aufpassen. Ein zuständiger Mitarbeiter der Stadt ist überall unterwegs und passt auf, dass nirgendwo das aufsteigende Grundwasser hochdrückt. Dafür ist auch das THW mit Pumpen im Einsatz, um die Kanäle zu entlasten.

Sind derzeit genug Einsatzkräfte vorhanden, oder braucht es noch weitere Unterstützung?

Wir sind im Moment gut aufgestellt. Kreisfeuerwehrbereitschaften aus Nachbarlandkreisen sind hier, um uns zu unterstützen. Das hat gut funktioniert.

Zur Evakuierung von Häusern ist es bislang nicht gekommen. Doch Sie würden es bei dieser Lage immer wieder vorbereiten, haben Sie betont. Gab es Menschen, die das anders gesehen haben?

Ja, der eine oder andere hielt das für übertrieben, was wir vorbereitet hatten. Aber wir wussten nicht, was für eine Lage entsteht. Ich habe hier schon einige Hochwasserlagen mitgemacht, und es war jedes Mal anders. Es war schlicht und einfach nicht auszuschließen, dass in Ruthe schlimmeres passiert. Allein wenn der Strom ausfällt oder abgeschaltet werden muss... Wenn die Infrastruktur nicht funktioniert, kann das Menschen gefährden. Ich fand es daher absolut richtig, dass wir die Evakuierung vorbereitet haben, um den Menschen Hilfe anzubieten.

Am zweiten Weihnachtstag hat sich der Ministerpräsident ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Was hat der Besuch für Sie bedeutet?

Ich habe mich darüber gefreut. Auch für die Einsatzkräfte war das toll. Wir waren auf der Holztorbrücke, wo viele von ihnen gerade im Einsatz waren. Er hat sich dafür bedankt, und man merkte ihm an, dass es von Herzen kommt. Das finde ich eine besondere Anerkennung für das ganze ehrenamtliche Einsatzgeschehen, was wir hier seit so vielen Tagen haben.

Was wünschen Sie sich vom Land?

Ich möchte, dass unser Hochwasserschutzprojekt endlich weiter geht, dass aufgrund fehlender Fördermittel immer noch nicht angegangen wurde. Das habe ich Stephan Weil auch gesagt, dass wir uns das sehr wünschen würden. Wäre das Ganze rechtzeitiger finanziert worden, dann wäre Ruthe auch sicherer als es das im Moment ist. Zudem geht es bei dem Projekt auch um andere Eindeichungen in der Stadt.

Bürgerinnen und Bürger fragen, ob sie helfen können. Gibt es Bedarf?

Das Säckefüllen für die öffentlichen Lagen wie 2017 ist nicht nötig gewesen, weil wir so viele Einsatzkräfte vor Ort hatten. Wir haben auch eine sehr große Sandsack-Füllmaschine, die uns der Landkreis zur Verfügung gestellt hat. 600 Säcke pro Stunde können damit gefüllt werden, deshalb war keine weitere Hilfe der Bürgerinnen und Bürger nötig. Aber sie haben dafür Getränke sowie Verpflegung an die Einsatzstellen oder Kuchen ins Feuerwehrhaus gebracht – das war schon toll und wird natürlich auch gerne angenommen.

Bereiten Ihnen die Kosten, die auf die Stadt Sarstedt zukommen könnten, Sorgen?

Das ist ein Punkt, der erst noch geklärt werden muss. Aber wir haben in den letzten Tagen immer gesagt: Was wir hier brauchen, das wird auch beschafft und muss finanziert werden. Punkt.

Interview: Viktoria Hübner

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