Nettlingen - Während andere Kinder am Samstag auf dem Weihnachtsmarkt den Duft von Tannengrün schnuppern und Schmalzkuchen futtern, riecht es in Nettlingen noch so gar nicht nach Weihnachten. Dort haben die Kinder der St. Marien-Kirchengemeinde bis zum Heiligen Abend nämlich noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. Die Hauptprobe für das jährliche Krippenspiel steht an.
Das ist schon lange ein fester Bestandteil der Weihnachtsfeierlichkeiten in Nettlingen. Die klassische Weihnachtsgeschichte, die man sonst von einem Krippenspiel kennt, wurde im Laufe der Jahre immer wieder erweitert. Mal kamen Caspar, Melchior und Balthasar mit Skateboards angereist, oder es gab es einen rappenden Esel, der niemanden in seinen Stall lassen wollte. In diesem Jahr rudern die Heiligen Drei Könige in einem Boot über das Meer und singen ihre eigene Version des Achim Reichel-Songs „Aloha Heja He“. Musikalisch werden sie durch ein Trio unter der Leitung von Jan Henri Gehrs am Keyboard begleitet. Der 26-Jährige ist auch der Chef des fünfköpfigen Organisationsteams. Dazu kommen noch die Technik-Crew und Betreuer für die Kinder.
Es geht nicht um Perfektion
Insgesamt 23 Darsteller im Alter bis zu dreizehn Jahren wuseln durch die Kirche und warten auf ihren Einsatz. Der Jüngste, Bjarne Hosseiniah, als einer der Drei Könige, nämlich der Melchior, ist gerade mal fünf Jahre alt.
„Nee, so geht das nicht, ihr müsst von der Seite auf die Bühne kommen“, korrigiert Gehrs den Aufmarsch der Engel. Allerdings steht für ihn die Perfektion nicht an erste Stelle. „Ob der Chor jetzt völlig fehlerfrei singt, oder alles in höchster Vollendung klappt, ist gar nicht wichtig“, sagt er, während er den Caspar, dargestellt von der neunjährigen Paula Hampe, nochmal mit einem sogenannten Headset verkabelt. Das ist eine Kombination aus Kopfhörer und Mikrofon, die ein zweiseitiges Kommunizieren – Hören und Sprechen – ermöglicht.
Termine an Heiligabend
Überhaupt spielt die Technik eine große Rolle bei der Aufführung. Da müssen Bühne, Lautsprecher, Stative und eine komplette Ton- und Lichtanlage organisiert werden.
Die Bühne habe die Gemeinde zur Verfügung gestellt, die Headsets seien vom Kreismedienzentrum ausgeliehen. „Über persönliche Kontakte, beispielsweise zum Theaterhaus Hildesheim, haben wir uns den Rest besorgt“, so Gehrs.
Gute Unterstützung bekomme man auch durch die Eltern der Darsteller und den Kirchenvorstand. „Bereits nach den Herbstferien haben wir mit der Organisation angefangen“, sagt Gehrs. Vom ersten Treffen mit den Akteuren, wer kann welche Rolle übernehmen, bis hin zum Ersatz von alten Kostümen, gibt es etliche Dinge zu erledigen. Doch jetzt gilt es, sich ordentlich auf die Premiere vorzubereiten. Die geht am Heiligen Abend um 15 Uhr in der festlich geschmückten St. Marienkirche über die Bühne. Eine zweite Vorstellung gibt es um 17 Uhr. Und dann bekommen auch die Heiligen Drei Könige, die Engel und die Hirten den Duft von Tannengrün in die Nase.
Von Waldemar Lorenz
