300 Kilo Obst

Äpfel, mit Obdachlosen in Hildesheim gepflückt – und für Bedürftige zu frischem Saft gepresst

Hildesheim - Die Idee hatten Bahnhofsmission und Streetworker: mit wohnunglosen Menschen losziehen und einsammeln, was die Apfelbäume hergeben. Nun freuen sich Bedürftige in Hildesheim über den in Flaschen gefüllten Saft.

Susanne Bräuer, Leiterin der Bahnhofsmission, und Sascha Kirchner, Streetworker der Stadt, übergeben Jeanne Golla und Claude Englebert von der Vinzenzpforte Kisten mit Apfelsaft. Foto: Maximilian Balzer

Hildesheim - Äpfel pflücken für den guten Zweck – auf diese knappe Formel lässt sich die Idee bringen, die Susanne Bräuer, Leiterin der Bahnhofsmission in Hildesheim, und Sascha Kirchner als Streetworker der Stadt Hildesheim auf den Weg gebracht haben: Gemeinsam mit Freiwilligen aus der Wohnungslosen-Szene haben sie sich auf nach Neuhof und zum Kloster Marienburg gemacht, um dort das Obst einzusammeln und es anschließend zu Saft verarbeiten zu lassen.

Denn dort stehen Apfelbäume auf städtischem Grund. Ihr Ertrag liegt somit im Allgemeinbesitz. „Wir haben bereits vor ein paar Jahren, die Äpfel gemeinsam mit Freiwilligen gesammelt und daraus Apfelsaft herstellen lassen“, so Streetworker Kirchner. Dann kam Corona. Nun trafen sich Kirchner und Bräuer, um das Projekt wieder aufleben zu lassen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Rückgriff auf regionale Ressourcen auch in die aktuelle Versorgungskrise passe, wie Kirchner betont. „Unser Apfelsaft kommt aus Hildesheim. Von allen für alle.“

Ein gutes, regionales Projekt, von Bernd Westphal unterstützt

Susanne Bräuer ging mit ihrer Idee außerdem auf den Bundestagsabgeordneten Bernd Westphal (SPD) zu, der das Projekt finanziell unterstützte. Gemeinsam mit Freiwilligen aus der Wohnungslosen-Szene wurden 300 Kilogramm Äpfel gesammelt. Die regionale Mosterei Wöhleke in Groß Lobke presste den Apfelsaft zu vergünstigten Konditionen. Und den gibt es nun, in Flaschen abgefüllt, sowohl in der Bahnhofsmission als auch in der Vinzenzpforte. Deren Leiterin Jeanne Golla freut sich über die Initiative, die sie „ein gutes, regionales Projekt“ nennt, das vielen ihrer Besucher zugute kommen soll.

Die Bahnhofsmission gibt es in Hildesheim seit 1914. Sie ist für Reisende und Wohnungslose, für Rentner und Schüler da und hilft in allen Angelegenheiten unentgeltlich und ohne Termin. Sie ist wochentags von 9 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, außer dienstags, wo sie erst um 13 Uhr öffnet. Die Vinzenzpforte der Vinzentinerinnen ist ein Ort für suchende und bedürftige Menschen. Unter der Woche gibt es vormittags Frühstück und mittags von 12.30 Uhr bis 14 Uhr eine warme Mahlzeit. Zu den Öffnungszeiten kann auch der Hildesheimer Apfelsaft gekostet werden.

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