Corona-Pandemie

Ärztepräsidentin aus Hildesheim warnt vor Langzeitfolgen von Corona-Infektionen

Hannover - Auch nach einer überstandenen Corona-Infektion können Patienten Langzeitfolgen belasten. Deren Ausmaß sei eine „Blackbox“, mahnt Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker aus Hildesheim.

-Interview Martina Wenker Foto: Foto: Clemens Heidrich

Hannover - Niedersachsens Ärztekammer-Präsidentin Martina Wenker hat davor gewarnt, die Langzeitfolgen von Corona-Infektionen zu unterschätzen. „Wer von Covid-19 genesen ist, ist oft mitnichten sofort wieder gesund“, sagte Wenker der Deutschen Presse-Agentur.

20 bis 30 Prozent der Erkrankten zeigten demnach ein sogenanntes Post-Covid-Syndrom. Viele der vermeintlich Genesenen suchten daher auch in Niedersachsen erneut Arztpraxen auf und klagten etwa über neurologische oder muskuläre Probleme. „Das ist eine Blackbox, von der wir noch gar nicht wissen, wie viel da auf uns zukommen wird.“

Appell fürs Impfen

Die Hildesheimer Fachärztin für Lungenheilkunde forderte daher Impfbereitschaft - insbesondere von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen. „Jeder, der ein Impfangebot bekommt, sollte sich auch impfen lassen“, appellierte Wenker. In Hildesheim sind bis zum vergangenen Freitag 800 Personen in Seniorenheimen geimpft worden. Am Samstag haben zudem in den beiden Krankenhäusern Hildesheims die Impfungen für MItarbeiter begonnen.



Noch sei die Pandemie in Deutschland und Niedersachsen unter Kontrolle. Durch eine mögliche, ansteckungsfähigere Mutation des Coronavirus, die sich etwa gerade in Großbritannien ausbreite, könne sich die Situation aber kurzfristig verschärfen. „Wenn sich dann vor allem ältere Menschen infizieren, steigt auch das Risiko, dass schwere Krankheitsverläufe zunehmen“, sagte die Ärztekammer-Präsidentin. Impfungen würden dagegen helfen, es beginne nun aber ein Wettlauf gegen die Zeit.

Impfstrategie in Niedersachsen „genau richtig“

Impfungen seien auch notwendig, um die Kliniken im Land nicht an ihre Kapazitätsgrenze zu bringen – deren Auslastung sei landesweit unterschiedlich. „Die Kliniken können es noch bewältigen, auch da Patienten regional verlegt werden. Die Krankenhäuser helfen sich da untereinander. Das geht aber nicht unbegrenzt, wenn die Fallzahlen weiter steigen sollten“, machte die Fachärztin deutlich.



Unterdessen signalisierte Wenker Zustimmung für die Impfstrategie des Landes. Niedersachsen sei anders als andere Länder vorsichtig mit den Impfungen gestartet, um die Hälfte der Impfdosen für notwendige zweite Impfungen zunächst zurückzuhalten. „Ich bin überzeugt, dass Niedersachsen das genau richtig gemacht hat“, sagte Wenker. Denn eine erste Impfung biete nach derzeitigen Erkenntnissen nur einen Schutz von bis zu 50 bis 60 Prozent. Eine zweite, zeitnahe Impfung sei daher erforderlich. Diese sei durch den eingeschlagenen Weg gesichert.

  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.

Weitere Artikel