Hildesheim - Eine windige Nacht in Hildesheim – doch davon lässt sich niemand aus der Gruppe aufhalten. Gerade sind Lebensmittel im Abfallcontainer eines Supermarktes gelandet. Schnell werden Butter, Mandarinen, Salat, Joghurt und sogar zwei Packungen Sushi aus dem Container geholt – nach überwiegender juristischer Meinung ein illegales Vorgehen. Am nächsten Tag wollen Mitglieder der Ortsgruppe Hildesheim von Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Aussterben) die Lebensmittel in der Hildesheimer Fußgängerzone verteilen.
Forderung an Politik
„Die Lebensmittel wären sonst vernichtet worden, bei manchen liegt das Mindesthaltbarkeitsdatum erst im August. Man kann nicht erkennen, warum sie weggeschmissen werden“, sagt Josephine Konopka. Sie hat die Aktion am Almstor mitorganisiert.
Diese ist als eine von zwei Demonstrationen bei der Stadt angemeldet. So erhebt Konopka auch Forderungen an die Politik: „Lebensmittel dürfen nicht mehr weggeschmissen werden. Das ist auch im Koalitionsvertrag vereinbart, ein Gesetzesvorschlag liegt vor.“
Kritik am Agrarsektor
Doch Extinction Rebellion will an der gesamten Produktionskette von Nahrungsmitteln ansetzen. Konopkas Haltung: „Der Agrarsektor ist für einen erheblichen Teil der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Sie nennt Massentierhaltung und die Nutzung von Kunstdünger. Die Lebensmittel gehen indes zügig über den Tresen. Manche Passantinnen und Passanten gehen mit skeptischem Blick vorbei, andere suchen das Gespräch mit Konopka und ihren Mitstreitern und wollen mehr über die Hintergründe der Aktion wissen.
Die Demonstration stellt gleichzeitig eine Solidaritätsaktion für die Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ dar, die in den vergangenen Tagen Teile der Stadtautobahn in Berlin blockiert hat. Auch in Hildesheim wird an diesem Tag die Straße blockiert. Allerdings mit Genehmigung der Stadt. Dreimal in jede Fahrtrichtung für jeweils drei Minuten stellen sich Aktivistinnen und Aktivisten Samstagmittag auf der Kaiserstraße quer auf die Fahrbahn. Entsprechend staut sich der Verkehr bis Kardinal-Bertram-Straße und Kennedydamm.
Busse nicht blockiert
„Wir warten, bis ein Bus durchgefahren ist, der Busverkehr wird nicht gestoppt“, erklärt Josephine Konopka. Die kurzzeitigen Straßenblockaden veranstaltet Extinction Rebellion seit Herbst vergangenen Jahres zweimal im Monat jeweils sonnabends an verschiedenen Straßen. Die Polizei sichert die Aktion auch dieses Mal wieder ab, sorgt auch dafür, dass in Notfällen keine Zeit verloren geht.
