Gnadenhochzeit

Alfred und Anneliese Hübner aus Asel sind seit 70 Jahren verheiratet

Asel - Alfred und Anneliese Hübner aus Asel feiern heute nach 70 Jahren Ehe ihre Gnadenhochzeit. Anfangs war ihre Liebe bloß vor Publikum gespielt. Doch das änderte sich schnell.

Halten auch nach 70 Jahren noch regelmäßig Händchen: Alfred und Anneliese Hübner feiern Gnadenhochzeit. Foto: Hans-Theo Wiechens

Asel - Als im Jahr 1948 vom Bund der Vertriebenen (BdV) in Borsum eine Laienspielgruppe gegründet wurde, waren sie sofort mit dabei. Auf der Bühne des vollbesetzten Saals der ehemaligen Gaststätte Algermissen (heute Landgasthaus Willke) spielten sie damals ein Liebespaar. Doch die große Liebe zwischen Alfred und Anneliese Hübner aus Asel kam erst im Januar 1954 bei einem schlesischen Wellwurstessen zustande. Das aber war alles nicht so einfach, denn er war katholisch und sie evangelisch.

Auch ihre beiden Eltern sahen diese Gemeinsamkeit nicht gerade gerne. Das dumme Gerede im katholischen Dorf ärgerte ihn aber ungemein. So zog es den gelernten Zimmermann zunächst in die Schweiz und später nach München. Das junge Liebespaar blieb aber in Kontakt. Im Oktober 1954 machte sie sich mit dem Zug auf nach München, um ihn dort zu besuchen. Bei einem Abstecher ins Münchner Hofbräuhaus verlobten sie sich spontan.

Als 15-Jähriger in die Zimmerer-Ausbildung

Im Januar 1955 kehrte Alfred nach Borsum zurück und fand eine Wohnung im Brühl in Hildesheim. Die beiden heirateten: Am heutigen Dienstag feiern Alfred und Anneliese Hübner nach 70 Ehejahren ihre Gnadenhochzeit.

Alfred Hübner wurde am 5. Juli 1933 in Paritz bei Görlitz (Niederschlesien) geboren. Er besuchte dort die Volksschule. Im Jahr 1945 folgte die Vertreibung und er siedelte sich mit seiner Mutter und Bruder Paul in Borsum an. Dort erlernte er als 15-Jähriger bei der Zimmerei von Heinrich Hußmann den Beruf des Zimmermanns. Im Jahr 1957 verschlug es ihn bis zur Pensionierung im Jahr 1996 als Lagerverwalter zum Hildesheimer Getränkeunternehmen Coca Cola.

Anfangs mit dem Fahrrad von Hildesheim nach Borsum

Harmonische Töne waren für ihn immer eine wichtige Lebensgrundlage. Im Jahr 1955 trat er dem neugegründeten Musikverein Borsum bei. Zur wöchentlichen Probe radelte er regelmäßig mit dem Drahtesel von Hildesheim nach Borsum. Auch im Musikverein Himmelsthür spielte er mit seinem Tenorhorn, wohin er zwischendurch gezogen war. Nach dem Bau des Eigenheimes 1969 in Asel war er bis zum Jahr 2010 im Aseler Musikverein aktiv. Bis vor wenigen Jahren organisierte Alfred Hübner regelmäßige Heimattreffen der Naumburger. Viele Jahre war er auch im Vorstand der katholischen Kirchengemeinde in Asel und über 20 Jahre als Mühlenwart der historischen Paktrockmühle im Aseler Mühlenverein aktiv. Beim Bau des Pfarrheimes, der Friedhofskapelle und der Grillhütte legte er ehrenamtlich mit Hand an. Heute ist Hübner noch so fit, dass er mit dem Elektroroller regelmäßig Fahrten zum Einkaufen nach Harsum unternimmt.

Anneliese Hübner, geborene Henkel, wurde am 24. Oktober 1934 in Döbbernitz/Ostbrandenburg geboren. Dort besuchte sie die Volksschule, bevor sie mit ihrer Mutter im Jahr 1946 dort vertrieben wurde und es sie nach Borsum verschlug. Sie besuchte die Handelsschule in Hildesheim. Seit Jahren ist sie Mitglied im katholischen Frauenbund Asel, obwohl sie evangelisch ist. Viele Jahre war sie in der Damen-Gymnastikgruppe des MTV Asel aktiv.

„Bitte grüßt die Mama, ich vermisse sie sehr“

Bis heute halten beide zusammen wie Pech und Schwefel, sagt Tochter Christina, die mit ihrer eigenen Familie seit 1994 im gleichen Haus wohnt und sich um die Eltern kümmert. „Jeden Abend schauen die beiden Fernsehen und halten dabei liebevoll Händchen“, sagt die Tochter. Über Ostern musste er spontan ins Krankenhaus. Von dort habe er geschrieben: „Bitte grüßt die Mama, denn ich liebe und vermisse sie sehr“.

Tochter Susanne erinnert sich noch an die vielen schönen Urlaube mit den Eltern an der Ostsee oder in den Bergen. Beim Gespräch mit der HAZ strahlen sich die beiden an. „Sie hat nie Schminke gebraucht, denn ihre Wangen waren immer so schön rot wie Rosen“, schwärmt er und streichelt dabei ihre Hand.

  • Region
  • Asel