Typisch!

Alle wollen weniger Bürokratie – Hildesheim macht’s bei der Dammstraße schon mal vor

Hildesheim - Da soll noch mal jemand den Deutschen vorwerfen, sie wären versessen auf Bürokratie. Bei der Dammstraßen-Posse zeigen die Hildesheimer Behörden, wie man auch mal Fünfe gerade sein lassen kann. Wir sagen: Vorbildlich!

Dieser Mann möchte gerne unbürokratisch wirken - deshalb heftet er auch keine Unterlagen mehr ab. Typisch! Foto: Julia Moras

Hildesheim - Heute können wir in unserer Kolumne mal wieder mit ein paar völlig unbegründeten Vorurteilen aufräumen, zum Beispiel mit der Annahme, die Deutschen seien geradezu versessen auf Akten, Unterlagen, Formblätter, Dokumente, schlicht: Bürokratie, und sie seien deshalb völlig unfähig, selbige abzubauen und auch nur ansatzweise mal irgendwann in die Puschen zu kommen. Dürfen wir in diesem Zusammenhang bitte auf die Vorgänge um das ungewollte Freilegen und anschließende Einbuddeln der historischen Brücke unter der Hildesheimer Dammstraße verweisen? Kenner dieser kniffligen Materie wissen, dass Archäologie, Kanalarbeiten, Teer und Beton nicht nur jede Menge Zeit und Nerven, sondern auch knapp 15 Millionen Euro gekostet haben. Damit hatte niemand gerechnet. Dummerweise ist der Stadt obendrein die eine oder andere Million an Fördergeld durch die Lappen gegangen, alles Gründe, um sich die Sache mal näher anzugucken. Das sagt sogar die Lokalpolitik.

Prüfer hätten gerne Unterlagen – aber die sind nicht da

Genau da kommt das Rechnungsprüfungsamt der Stadt ins Spiel: Das sind Leute, die alles lieben, was abgeheftet, gespeichert und archiviert werden kann, Rechnungen, Akten und Unterlagen zum Beispiel. Wenn sie denn welche bekommen. Nun kollidieren aber die Wünsche der neugierigen Prüfer mit dem offenbar sehr weit fortgeschrittenen Bürokratieabbau im Baudezernat und bei der Stadtentwässerung. Wichtige Unterlagen? Leider nicht vorhanden, heißt es. Wer kann schon darauf kommen, dass irgendwer einen Vorgang, der halb Hildesheim drei Jahre verrückt gemacht hat, mal nachvollziehen will? Nicht die Baudezernentin, nicht der SEHi-Chef, denen ist nichts vorzuwerfen, denn die hatten in der Zeit Wichtigeres zu tun. Den Bürokratieabbau organisieren, zum Beispiel. Kompliment, das hat vorbildlich geklappt.

PS: Sicherheitshalber wird diese Kolumne archiviert, falls in ein paar Jahren mal jemand nachfragt, warum Hildesheim so pleite ist.

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