Diekholzener Geschichte

Als die Lungenklinik noch einen Kreißsaal hatte

Diekholzen - Das Diekholzener Krankenhaus hatte eine wechselvolle Geschichte – nun startet am Bahnberg eine ganz neue Ära. Der Barienroder Günter Klimmt hat die Historie des Geländes aufgearbeitet.

Die Geschichte der Diekholzener Klinik begann im Gesellschaftshaus „Glückauf“ der Grubengesellschaft. Foto: Sammlung Günter Klimmt

Diekholzen - Die Ära der Lungenklinik Diekholzen ist zu Ende, seit das Krankenhaus vor einem Jahr in das Helios Klinikum in Hildesheim umzog. Nun plant die Gemeinde auf dem ehemaligen Gelände am Bahnberg die Zukunft – dort soll ein Baugebiet entstehen. Die Klinik hat Diekholzen indes über Jahrzehnte mitgeprägt. Der Barienroder Günter Klimmt hat schon vor fast 15 Jahren begonnen, Details über die wechselvolle Geschichte der Klinik zusammenzutragen. Ein längerer Beitrag mit zahlreichen Fotos ist kürzlich im Hildesheimer Kalender erschienen, dem Jahrbuch für Geschichte und Kultur der Region.

Millionen Menschen gestrandet

Die Klinik-Historie begann in der Nachkriegszeit unterhalb des Bahnberges direkt an der Alfelder Straße, der Diekholzener Ortsdurchfahrt. Dort stand ein Kneippkurheim, das Ende des 19. Jahrhunderts als Hotel und Gesellschaftshaus der Grubengesellschaft Glückauf gebaut worden war. Nach dem Krieg gab es einen anderen Bedarf: Mehrere Millionen Menschen aus anderen ehemaligen Kriegsländern waren in Deutschland gestrandet, brauchten medizinische Versorgung. So richtete die Nothilfe-Organisation der Vereinten Nationen in Diekholzen im Oktober 1945 ein Krankenhaus ein – vor allem für ehemalige Zwangsarbeiter und andere „Displaced Persons“. So hießen offiziell die unzähligen Menschen, die der Krieg aus ihren Heimatländern gerissen hatte und die auf ihre Rückkehr warteten. Das Krankenhaus umfasste neben 60 Betten für die Behandlung von Kranken auch 20 Betten auf einer Entbindungsstation. Dort wurden innerhalb von 14 Monaten 218 Kinder geboren – darunter auch Zwillinge.

Hungerwinter kostet Kraft

Anfang 1947 wurde die Klinik dann für die versprengten Ausländer nicht mehr so dringend benötigt, weil viele inzwischen in ihre Heimatländer zurückgekehrt waren. In Deutschland blieb die Lage angespannt. Ein „Hungerwinter“ kostete Kraft: Die Menschen hatten wenig zu essen, viele hausten in kalten Wohnungen. Infektionskrankheiten breiteten sich aus, zum Beispiel die Tuberkulose.

So wurde das Gelände Schritt für Schritt in eine Lungenklinik umgebaut. Alles begann in dem UN-Hospital an der Alfelder Straße. Schwestern des Borromäus-Ordens bauten dort zunächst eine Heilstätte für Kinder auf. Die ersten tuberkulosekranken Mädchen und Jungen wurden Anfang Februar 1947 aufgenommen, die Kinderklinik war bis 1964 in dem Gebäude untergebracht. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde es als Jugendbegegnungsstätte und Kindergarten genutzt, bis das Haus 1988 abgerissen wurde.

Monatelange Klinikaufenthalte

Am Bahnberg oberhalb der Kinderklinik ging die Geschichte indes 1949 erst richtig los und dauerte bis in das vergangene Jahr. In der Nachkriegszeit wurden ehemalige Arbeiterbaracken zu Patientenhäusern umgebaut. Das erste von ihnen wurde feierlich am 10. Januar 1949 eröffnet. Bis dahin war es ein weiter Weg. Wegen der prekären Versorgungslage war es eine Herausforderung, Betten, Matratzen, Möbel, Wäsche und alles andere Notwendige für den Klinikbetrieb zu beschaffen. Immerhin: Die Luft galt als gut – das Klima in Diekholzen wurde als „heilklimatisch günstig“ bezeichnet. Die Patienten blieben in den Anfangsjahren lange in der Heilstätte: sieben bis zwölf Monate.

Der Beitrag von Günter Klimmt über die Geschichte der Lungenklinik Diekholzen ist im Hildesheimer Kalender zu lesen, der im Gerstenberg-Verlag erschienen ist (ISBN 978-3-8067-8620-0).

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