Kolumne „Unter uns“

Als Frau single, kinderlos und glücklich? Das glaubt ihr ja niemand!

Hildesheim - Eine Frau sagt, sie ist glücklich als Single und ohne Kinder – doch viele sprechen ihr das ab. Wieso wollen manche Menschen sich so sehr in das Leben fremder Frauen einmischen und ihnen vorschreiben, wie sie es gestalten sollten?

In der neuen HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller abwechselnd zu Themen, die sie bewegen. Zum Beispiel zum fehlenden Ring am Finger. Foto: HAZ

Hildesheim - Weißt du, wie man Menschen richtig sauer machen kann, liebe Julia? Indem man als Frau öffentlich sagt, dass man single, kinderlos und glücklich ist. Die Instagrammerin Vany.schreibt musste das kürzlich erfahren. Sie zeigte in einem Beitrag auf ironische Weise die Vorteile ihres Lebens, und warum sie damit sehr zufrieden ist. Und das Internet? Das empörte sich. Männer und Frauen fanden in ihren Kommentaren allerlei Gründe, warum Vany angeblich falsch liegt. Ich weiß gar nicht, über welche Aussage ich mich am meisten gewundert habe. Ganz vorne mit dabei war jedenfalls „Deine Linie stirbt halt aus“. „Mir könnte etwas nicht egaler sein“, antwortete die Influencerin, und fragte sich, ob es wirklich Menschen gibt, die sich nur deshalb fortpflanzen. Das wäre wirklich ein komischer Grund, ein Kind in die Welt zu setzen, findest du nicht? Wieder andere wollten Vany gehässig verklickern, dass sie ihre Entscheidung spätestens im Alter bereuen werde, weil sie dann niemand versorgt. Als ob es keine anderen Leute gäbe, die sich um ihr Wohl sorgen würden – und was ist das überhaupt für eine Erwartungs-Bürde für Kinder?

Es wundert mich sehr, dass die Influencerin sich so immens für eine Entscheidung rechtfertigen muss, die einzig und allein ihr Leben betrifft. Wieso maßen sich Fremde an, ihr einzureden, dass sie es bereuen wird, keine Kinder zu haben, und sprechen ihr ab, dass sie mit ihrem Lebensstil zufrieden ist? Warum urteilen sie darüber, wie sie ihr Leben gestaltet, mit wem sie es teilen möchte? Und warum sollte sie ein Kind bekommen, wenn sie ganz klar sagt, dass sie keinen Kinderwunsch hat? Ist es für die Gesellschaft wirklich noch immer so schwer, zu akzeptieren, dass eine Frau auch abseits vom Leben als Mutter und Ehefrau glücklich und erfüllt sein kann? Ganz nebenbei würde mich übrigens interessieren, ob sich auch Männer ohne Kinderwunsch ständig gegenüber Hans und Franz erklären müssen. Gilt das bei ihnen auch als Defizit – oder ist es bei Männern ein völlig akzeptabler Lifestyle? Vielleicht kann mich ja mal jemand aufklären.


In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.

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