Spielfilm-Dreh

Wie weit darf Geschwisterliebe gehen? Hildesheim wird Hauptdrehort für Spielfilm über Inzest – noch Rollen zu besetzen

Hildesheim - Geschwisterliebe – wie weit darf die gehen? Um das Thema Inzest dreht sich der Film „Blackbird“, der ab September in Hildesheim gedreht werden soll. Es sind noch zwei größere Rollen zu vergeben – wie man sich für diese oder als Statist bewerben kann.

Die Villa Windhorst hoch oben am Moritzberg spielt in dem Film eine wichtige Rolle. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Hildesheim wird Hauptschauplatz eines Spielfilms über ein außergewöhnliches Thema: „Blackbird“ – so lautet der Arbeitstitel. „Der Vogel Amsel spielt eine symbolische Rolle in der Coming-of-Age-Geschichte“, sagt Produzent Jan Philip Lange aus Hannover. Es geht um eine inzestuöse Beziehung zwischen zwei Brüdern. Geplant ist, dass 19 von 25 geplanten Drehtagen in Hildesheim stattfinden sollen. Anfang September soll es bereits losgehen. „Wir benötigen noch Komparsen aus der Umgebung, die Lust haben, mitzuwirken.“

Erzählt wird die Geschichte von den Geschwistern Sebastian und Kolja, die sich erst als Teenager kennenlernen. Sie haben bis dahin bei getrennten Elternteilen gelebt. Als die Mutter stirbt, zieht Kolja im Haus von Sebastians Familie ein. Das wirbelt das bis dahin ziemlich geordnete Leben der Familie durcheinander – erst recht, als die beiden Brüder sich ungewollt näher kommen. Ein Kuss ist erst der Anfang von einer Achterbahn der Gefühle. Die Familie bricht aus ihrem sozialen Gefüge. Aber nicht nur das: Die Bedrohung durch die Gemeinde breitet sich wie ein Schwelbrand aus.

„Inzest – deutsches Tabuthema“

Ausgangslage ist die aktuelle Diskussion über Diversität in der Gesellschaft. Die Geschichte stellt ein Experiment dar, das die klassische Familienkonstellation durcheinander bringt. Gleichzeitig ist es einfach die Geschichte eines Jungen, der auf der Suche nach seiner zweiten Hälfte ist. „Inzest ist ein deutsches Tabuthema“, sagt Produzent Lange. Dabei sei die Dunkelziffer geschwisterlichen Inzests hoch.

Betroffene leiden unter der „Nichtaussprechbarkeit“ ihrer Situation, aus Angst vor Verfolgung und rechtlichen Konsequenzen. Dass es sich bei dem Film „Blackbird“ bewusst um eine Brüderkonstellation handelt, hat den Grund, biologische Argumente gegen inzestuöse Beziehungen auszuschließen. So könne man sich der Kernfrage besser nähern: Weshalb das Gesetz einvernehmliche Beziehung zwischen Geschwistern in Deutschland in höchstem Maße bestraft.

Wahre Geschichte

„Bei meiner Recherche begegneten mir Paragraphen wie ,Schutz der Familie’ oder ,Schutz der Entwicklung des Kindes’“, sagt Regisseur Max Hegewald. Er sei durch eine wahre Geschichte in einer süddeutschen Kleinstadt zu dem Thema inspiriert worden.

Etwa zehn Jahre lang hat der 31-Jährige, der bisher vor allem als Schauspieler selbst vor der Kamera stand („Soko Leipzig“, „Stubbe“, „Morden im Norden“), an der Entwicklung seines Debütfilms gearbeitet, zu dem er auch das Drehbuch geschrieben hat. Sein Familiendrama spielt allerdings in einer fiktiven Stadt.

Viele Drehorte in Hildesheim

„In Hildesheim haben wir viele gute Drehorte gefunden“, sagt der hannoversche Produzent Lange von JuniFilm – er hat seine Produktionsfirma bereits als Student mitgegründet. Da ist zunächst die imposante Villa Windhorst am Moritzberg, in der das Zuhause der Familie verortet sein wird. Dann die Gelbe Schule nebenan sowie das Helios Klinikum, eine Kneipe, Straßen, eine Kirchengemeinde, ein Ausflug nach Sarstedt – überall dort soll gedreht werden. Dazu kommen noch einige Schauplätze in Hannover und in der Wedemark.

Die Besetzung der beiden Hauptrollen im Film stehen bereits fest: Es spielen Linus Moog (Sebastian), der schon in Produktionen wie „Tatort“, „Die Pfefferkörner“ und „In aller Freundschaft“ mitgewirkt hat, und Aurel Klug (Kolja), bisherige Rollen in „Soko Köln“, „Trübe Wolken“ und „Rheingold“ von Fatih Akin. „Uns fehlen auch noch zwei Darstellerinnen für größere Rollen“, sagt der Produzent. Das wäre die Rolle der Lilli – im Film sei sie eine Achtjährige, das reale Alter der Darstellerin könnte auch bis etwa zehn Jahre sein. Sowie die Partie von Sarah: Sie ist in „Blackbird“ 15 Jahre, bewerben können sich Teenager bis 17 Jahre. „Professionelle Ausbildung ist natürlich keine Voraussetzung in dem Alter – Lust und vielleicht Schauspiel-Erfahrung wäre gut.“ Wer als Komparsin oder Statist mitwirken möchte, sollte sich ebenfalls so schnell wie möglich bewerben.

Inzwischen steht auch die Finanzierung für das Projekt fest. „Ein Nachwuchsfilm dieser Größenordnung kostet eigentlich mindestens eine Million Euro – ,Blackbird’ hat nur ein Drittel davon zur Verfügung“, betont der Produzent. Den größten Teil steuert die niedersächsische Filmförderung nordmedia bei, außerdem kommt noch Geld des koproduzierenden Senders Saarländischer Rundfunk (ARD).

Verzicht auf Gage

Regisseur Hegewald und Produzent Lange freuen sich, dass sie von vielen Seiten Unterstützung erhalten, um diesen Film realisieren zu können – so auch von der Bremedia, die die Bremer Tatorte produziert, mit kostenloser Tonnachbearbeitung und auch von der Stadt Hildesheim. Dennoch muss „Blackbird“ im Gegensatz zu konventionellen Spielfilmen mit einem geringen Budget auskommen und wird von einem sehr kleinen Team realisiert. Viele Mitarbeitende und Schauspielende verzichten auf einen Großteil ihrer Gage, um diese Produktion möglich zu machen.

Inzestuöse Liebe und gesellschaftliche Reaktionen

„Uns ist es einfach wichtig, das Thema inzestuöse Liebe und die gesellschaftlichen Reaktionen darauf zu behandeln, denn das hat es so im deutschen Spielfilm noch nicht gegeben.“

Casting: So funktioniert die Bewerbung als Statistin oder Statist

Die Film-Crew sucht für die Dreharbeiten in Hildesheim noch Menschen jeden Alters, die unentgeldlich als Komparsinnen oder Statisten mitwirken möchten. Wer aus Hildesheim oder Umgebung kommt, kann sich per Mail bewerben. Benötigt werden vorab diese Angeben:

Vor- und Nachname, vollständige Wohnadresse, Mobiltelefonnummer, Mail-Adresse, Alter, zeitliche Verfügbarkeit (September, Oktober) sowie ein aktuelles Foto. Für Bewerbungen als Komparsin oder Komparse bitte mailen an: blackbird@junifilm.de. Für Bewerbungen als Schauspielerin oder Schauspieler bitte mailen an: casting@junifilm.de. Zudem wird dann noch gebraucht: Vita/Filmografie oder einen Link zur Website, Agentur, crewunited oder ähnliches. Für die Rollen „Lilli“ und „Sarah“ gibt es Unterlagen zum E-Casting auf der Webseite.

Produzent Jan Philip Lange verspricht: „Wir melden uns so schnell wie möglich, bitte aber etwas Geduld haben.“ Die erhobenen Daten werden ausschließlich zum Zweck des Casting-Prozesses beim Film „Blackbird“ genutzt. Außerdem werden in Hildesheim noch zwei weitere Drehorte gesucht – zwei eingerichtete Jugendzimmer: von einem etwa 15 Jahre alten Mädchen und von einem etwa 15 Jahre alten Jungen.

Zudem werden Nachhilfelehrerinnen oder Nachhilfelehrer gebraucht (insbesondere für Mathematik, Biologie und Sozialwissenschaften) sowie Sponsoren für Fahrzeuge (zum Beispiel Autohäuser. Kontakt: Telefon 05 11/99 99 41 40, Mail mail@junifilm.de.

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