Volksbank-Filiale

„An Schlaf war nicht mehr zu denken“: So erlebten Anwohner die Automaten-Sprengung in Bockenem

Bockenem - Anwohner beschreiben ihre Eindrücke nach den Automatensprengungen in der Volksbank-Filiale in Bockenem – und nennen auch Details zu den mutmaßlichen Tätern.

Bockenem - „Den ersten Knall habe ich nicht gehört, aber vom zweiten bin ich dann aufgewacht“, berichtet eine Nachbarin, die von den Automaten-Sprengungen in der Bockenemer Volksbank-Filiale aus dem Schlaf gerissen wurde. Als die Frau, die lieber anonym bleiben möchte, Sekunden später auf ihr Handy geschaut habe, war es gerade 2.06 Uhr. Sie sei dann gleich zum Fenster gelaufen, um zu sehen, was da ganz in der Nähe ihrer Wohnungstür passiert ist.

Die drei Typen hatten Stirnleuchten auf dem Kopf

eine Augenzeugin

„Ich habe erst daran geglaubt, dass es irgendwo in der Nachbarschaft brennt“, berichtet die Frau, der auch Stunden nach dem Vorfall der Schreck noch tief in den Knochen steckt. Dann habe sie auf der Straße vor der Volksbank ein Auto mit leuchtenden Scheinwerfern gesehen. Ein Mann saß in dem Auto, dessen Fabrikat sie aber nicht erkennen konnte. Drei andere liefen mehrfach zwischen der Volksbank und dem Auto hin und her. „Die drei Typen hatten Stirnleuchten auf dem Kopf“, erklärt die Bockenemerin im Gespräch mit der HAZ. Einer von ihnen sei ihr aber besonders aufgefallen. „Der hatte beim Gehen eine komische Körperhaltung. Lässt sich schwer beschreiben, vielleicht trifft es gebückt am ehesten“, so die Frau.

Angst, entdeckt zu werden

Sie habe sich nicht getraut, das Licht in ihrer Wohnung einzuschalten oder gar ein Video zu drehen. „Aus Angst, dass sie mich vielleicht am Fenster entdecken.“ Das Auto sei dann mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Wiesenstraße und Nordwall in der Dunkelheit verschwunden. „Der Fahrer hat irgendwann gehupt.“ Die Polizei sucht mittlerweile explizit nach einem dunklen Mercedes, der den Tatort in Richtung Bundesstraße 243 verlassen haben soll.

Ich konnte auch gar nicht sehen, dass sie irgendwelche Taschen oder Behälter hinausgeschleppt haben

eine Augenzeugin

Die Augenzeugin schätzt, dass die gesamte Aktion wohl so zehn Minuten gedauert hat. „Ich konnte auch gar nicht sehen, dass sie irgendwelche Taschen oder Behälter hinausgeschleppt haben“, erläutert die Zeugin. Die Nacht war jedenfalls für die Frau gelaufen. „An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich war viel zu aufgeregt“, berichtet sie.

Glasscherben fliegen, Rauch steigt auf

So ist es auch einem Mann aus ihrer Nachbarschaft gegangen. Der 43-Jährige und seine Lebensgefährtin waren ebenfalls aus dem tiefen Schlaf gerissen worden. „Von der ersten Detonation bin ich wach geworden“, erzählt er. Er sei dann aufgesprungen und zum Küchenfenster gelaufen. „Ich habe das Dachfenster geöffnet und rausgeschaut, als die zweite Explosion passierte“, erzählt der Mann.

Rückblickend habe ich mir dann vorgestellt, was alles hätte passieren“ ein Augenzeuge

Er habe Glasscherben fliegen und Rauch aufsteigen sehen. „Dann habe ich sofort die Polizei alarmiert.“ Wenig später habe er einen Wagen davon fahren hören. „Einen 8-Zylinder“, ist sich der Autofan sicher. Anschließend sei er selbst nach draußen gegangen. „Rückblickend habe ich mir dann vorgestellt, was alles hätte passieren“, so der Bockenemer. Er habe ja nicht wissen können, ob die Täter wirklich weg waren, ob es weitere Sprengsätze geben könnte.

Haben die Täter Beute gemacht?

Der 43-Jährige war am Tatort nicht der einzige. Es waren einige Menschen in der Nacht auf der Straße, die auch gleich ihre Aussagen bei der Polizei gemacht hätten. „Die Polizei ist wirklich sehr schnell da gewesen“, sagt der Mann. Er weiß, dass ein anderer Zeuge am Busbahnhof ein Video von den vermeintlichen Tätern im Fluchtwagen gemacht haben soll.

Ob die mit Beute flüchten konnten, ist derzeit noch nicht klar. Die Polizei erklärt am Mittag auf Nachfrage der HAZ, sie wisse nicht, ob die Täter Geld stehlen konnten. Und auch die Volksbank hält sich bedeckt. Derzeit werde ermittelt, wie hoch Schadenshöhe sei, antwortet die Pressestelle der Bank lediglich. „Die Sachbeschädigungen sind erheblich, aber glücklicherweise gab es keinen Personenschaden“, berichtet Andreas Wobst, Vorstandsmitglied der Volksbank eG in Bockenem.

Enormer Schaden

Der durch die Sprengung der beiden Automaten entstandene Schaden ist groß: Weite Teile des Beratungsbereiches gleichen einem großen Trümmerfeld: Monitore liegen am Boden, Teile der Deckenverkleidung sind herausgerissen.

Das Gebäude selbst hat wohl kaum Schaden genommen. Nur auf der Rückseite waren zwei Dachziegel zu Boden gefallen. Ein Statiker hatte bereits am Montagmorgen das Gebäude der Volksbank-Filiale und ein angrenzendes Wohnhaus inspiziert – beide Immobilien sind jedoch nicht einsturzgefährdet.


Geldautomaten in Bockenem gesprengt – die Bilder vom Tatort


Information für Bankkunden

Die Filiale der Volksbank bleibt bis auf weiteres geschlossen, teil der Vorstand mit. Die Beraterinnen und Berater arbeiten solange in den umliegenden Filialen in Holle, Lutter a. Bbge. und Rhüden. Für die Bargeldversorgung stehen den Kundinnen und Kunden der die Geldautomaten in Holle, Bahnhofstr. 1, Lutter a. Bbge, Bahnhofstr. 1a, und Rhüden, Katelnburgstr. 15a, zur Verfügung.

Für die Zeit der Spurensicherung, die mehrere Stunden in Anspruch genommen hat, blieb der Nordwall bis Montagmittag weiterhin gesperrt. „Mittlerweile sind die Arbeiten der Spurensicherung aber abgeschlossen“, teilte Göttingens Polizeisprecher Marvin Klaß gegen 12.30 Uhr mit.

Zuvor hatte der städtische Bauhof die Scherben der durch die Wucht der Detonation gesplitterten Scheiben beseitigt. Die seien ohnehin für die Fachleute der Polizei nicht von Bedeutung. Die Ermittler konzentrierten sich um den Innenbereich. Dabei war unter anderem zu beobachten, wie sie von einem Teil des Geldautomaten Fingerabdrücke mit einer Folie gesichert haben.

von Ulrike Kohrs, Manuel Lauterborn und Michael Vollmer

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