Vandalismus

Nach Zerstörung: Wieder macht sich jemand am Hochwasserschutz an der Innerste zu schaffen – Engagement der Hildesheimer Einsatzkräfte „mit Füßen getreten“

Hildesheim - Noch ermittelt die Polizei im Fall der zerstörten Floodtubes, die an Neujahr schwimmend in der Innerste entdeckt wurden – da wird schon die nächste Tat bekannt. Die Feuerwehr muss wieder aktiv werden, der Stadtsprecher findet deutliche Worte.

Die sogenannten Floodtubes, also der mobile Hochwasserschutz entlang der Innerste, wurden am Silvesterabend zerstört – und zwei Tage danach ließen Unbekannte Wasser aus einem der Schläuche ab. Foto: Kathi Flau

Hildesheim - Offensichtlich handelt es sich um einen Fall von Vandalismus, dessen Ablauf sich derzeit weder Polizei noch Feuerwehr erklären können. Fakt ist: Zwei der zum Hochwasserschutz entlang der Innerste ausgelegten Floodtubes (Englisch für Flutröhren) wurden am Silvesterabend zerstört und in den Fluss geworfen, eine weitere wurde beschädigt. Doch damit nicht genug: Aktuell sichert die Freiwillige Feuerwehr Ochtersum erneut den Hochwasserschutz an der Straße Große Venedig, „da jemand in der letzten Nacht das Ventil an einem der Schläuche geöffnet und das Wasser abgelassen hat“, wie Stadtsprecher Helge Miethe am Dienstag mittelt. „Das ist nicht nur gefährlich, sondern sorgt darüber hinaus völlig unnötig für Mehrarbeit insbesondere der freiwilligen Helfer, deren Engagement so mit Füßen getreten wird.“

Die Höhe des Sachschadens, der der Stadt entstanden ist, könne noch nicht beziffert werden, so Miethe. „Die Kosten für das gesamte Schlauchsystem wurden 2018 mit rund 170.000 Euro beziffert.“ Die Feuerwehr hatte ihrerseits von einer geschätzten Schadenshöhe von 50.000 Euro gesprochen.

Jede einzelne Röhre wiegt gefüllt mehrere Tonnen

Unklar ist, wie die Tat an Silvester vonstatten gegangen sein könnte. Jede einzelne der roten Röhren ist 15 Meter lang und mit 10.000 Litern Wasser gefüllt, wiegt also mehrere Tonnen. Noch dazu begrenzt das Ufer ein Holzzaun, der zwar keinen halben Meter hoch ist, für das Bewegen solch einer Röhre aber trotzdem erst einmal eine ordentliche Hürde darstellt. „Unsere Ermittlungen laufen“, sagt Polizeisprecher Jan Makowski. „Derzeit können wir uns noch kein Bild davon machen, was sich hier abgespielt haben könnte.“

Es waren Anwohner der Straße Große Venedig, die den Schaden am Neujahrsmorgen zuerst entdeckt und der Polizei und der Feuerwehr gemeldet hatten. Insgesamt sieben Doppelröhren schwammen in der Innerste und waren teils so stark beschädigt, dass sie nicht wieder repariert werden konnten. Für die ehrenamtlichen Retter der Ortsfeuerwehr Ochtersum bedeutete das einen stundenlangen Einsatz am Neujahrstag, um die tonnenschweren, mit Wasser gefüllten Röhren aus dem Fluss zu bekommen. Auch Mitarbeiter des städtischen Bauhofs rückten mit einem Bagger an, um die ehrenamtlichen Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Zwei Röhren können nicht weiter eingesetzt werden

Zwei der Röhrenelemente können nicht wieder eingesetzt werden. Die defekten Floodtubes lagern nun im Seitenraum an der Innerste. Die übrigen Röhren wurden auf einer Länge von 100 Metern wieder aufgebaut und in Betrieb genommen – der nun von freiwilligen Einsatzkräften überwacht wird.

Die Polizei sucht weiterhin nach Zeugen der Taten. Die Ermittlungen schließen eine etwa 30 Menschen umfassende Gruppe ein, die am Silvesterabend von Zeugen beobachtet wurde, wie sie sich im Bereich der Röhren auf Höhe der Tennishalle aufhielt. Dabei sollen Kinder auf den Röhren herumgeklettert sein.

Den Verantwortlichen, sollten sie gefasst werden, droht laut Makowski eine Bestrafung nach Paragraf 305a des Strafgesetzbuches. Verfolgt wird die sogenannte Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel „für den Einsatz der Polizei, Bundeswehr, Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes“. Das Gesetz sieht – auch für eine versuchte Tat – Strafen bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug vor.

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