Antisemitischer Spruch und Hakenkreuz am Bahnsteig

Von Thomas Wedig

Harsum. Vor wenigen Tagen stand das Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Mittelpunkt. Vor diesem Hintergrund war eine 17-jährige Harsumerin besonders erschüttert, dass rechtsradikale Schmierereien an einem Wartehäuschen der Harsumer Bahnstation prangen – Hakenkreuz und SS-Rune neben einem drastischen judenfeindlichen Spruch. Und zwar nicht erst seit gestern, sondern nach Angaben der Harsumerin schon seit fast einem Monat. Ihre Mutter wandte sich an die Redaktion. Sie habe sich sofort an die Bahn und anschließend an die Bundespolizei gewendet, warte aber immer noch auf das Entfernen. „Da laufen jeden Tag viele Schüler vorbei“, sagt sie, „deswegen sollte so etwas nicht stehen bleiben“.

Soll es auch nicht, bekräftigt ein Sprecher der Bundespolizei. Doch der Fall hat sich offenbar im Geflecht unterschiedlicher Zuständigkeiten verfangen. Die Schriftzüge seien durch ein Foto dokumentiert worden, berichtet die Bundespolizei. Der Staatsschutz sei eingeschaltet. Schließlich geht es um das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole – und das kann laut Paragraf 86a des Strafgesetzbuches mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, gilt also nicht als Kavaliersdelikt. Der Staatsschutz ermittelt, vielleicht ergeben sich im Vergleich mit anderen Tatorten Hinweise auf den Verursacher.

Nur: Sichtbar sind die verbotenen Symbole und der antisemitische Spruch weiterhin. Und die Bundespolizei kann nicht sagen, wie lange das noch der Fall sein wird. Irgendwann in den kommenden Tagen soll ein Bahn-Mitarbeiter die Schmierereien abwischen. Ein großer Aufwand ist das nicht, es geht um die Farbe eines schwarzen „Edding“-Stiftes auf Metall. Umso empörter zeigt sich die Mutter der 17-jährigen Harsumerin, schließlich habe sie die Entdeckung vor mehr als drei Wochen gemeldet. „Ich würde die Hakenkreuze selbst übermalen“, sagt sie, „aber das ist dann bestimmt Sachbeschädigung“.

Der Bundespolizei ist nach eigenen Angaben laut Akteneintrag seit dem 24. Januar von den Schmierereien bekannt. Die sind nun immerhin schon mal fotografiert.

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