Naturschutz

Auch in Hildesheim vom Aussterben bedroht – 15 Feldhamster sorgen für Nachwuchs

Koldingen - Einst galten sie als Plage und wurden schließlich so erfolgreich bekämpft, dass sie nun vom Aussterben bedroht sind: Feldhamster. Bei Koldingen in der Nähe von Sarstedt gibt es nun ein Artenschutzzentrum für die seltenen Nager.

Feldhamster-Dame Cleo steckt mal die Nase aus ihrem Schlafplatz im neuen Artenschutzzentrum. Foto: Andrea Hempen

Koldingen - Nach zwei Jahren Vorbereitung ist es geschafft: Die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz Niedersachsen hat in Koldingen ein Artenschutzzentrum eingerichtet. An diesem Wochenende wird es offiziell eröffnet. In Koldingen werden künftige Generationen von Feldhamstern gezüchtet, damit die Tiere nicht aussterben.

Auf der Roten Liste

„Es ist erschreckend, in welcher kurzen Zeit die Population drastisch zurückgegangen ist“, sagt Julia Scholz, Mitglied des Feldhamsterschutzes. Es gibt noch Menschen, die in den 1950er Jahren 50 Pfennig für einen toten Feldhamster bekommen haben. Damals galten die Tiere als Plage und Bauern fürchteten um ihre Ernte. Da die Zahl der Hamster so rückläufig ist, fürchten sich heute höchstens noch Kommunen vor dem Nagetier, weil seine Präsenz das Erschließen neuen Baulandes schwierig macht. Schließlich stehen die vom Aussterben bedrohten Tiere auf der Roten Liste.

Um dem entgegenzuwirken, gibt es das neue Artenschutzzentrum. Auf einem alten Gehöft in einem ehemaligen Stall weist an der grünen Stalltür ein Schild auf die neuen Bewohner hin. 15 Tiere leben seit Mittwoch einzeln in doppelgeschossigen Ställen. Eingerichtet mit viel Stroh, Sandbadewannen und großen Laufrädern. „Feldhamster sind Einzelgänger und werden nur kurz für die Paarung zusammengesetzt“, erklärt Ina Leiter, Tierärztin aus Hannover. Nach wenigen Stunden werde das Paar getrennt, sonst könne es eine Beißerei geben.

Tiere aus Hochwasser gerettet

Drei Hamster sind von der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Nina Lipecki aus Hildesheim, im Winter vor dem Hochwasser gerettet worden. Bei sich zuhause päppelte sie die Tiere auf. Andere Gerettete überlebten nicht. Auch die Hildesheimer Feldhamster Grinch, Knabbi und Jaro sollen für den Fortbestand ihrer Art sorgen, aber irgendwann werden auch sie wieder in die Freiheit entlassen, wie die anderen 13 auch, versichert Maren Darnauer, eines der 100 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft.

Wieder ausgewildert

Die eingefangenen Wildtiere, die zwischenzeitlich in Hessen betreut wurden und ein großer Teil ihrer Nachkommen, werden im Bereich Göttingen wieder ausgewildert. Denn dort gibt es nur noch ausgesprochen wenige Vertreter ihrer Art. Die Auswilderung wird von der Heinz-Sielmann-Stiftung gefördert. „Das Ziel ist eine möglichst große genetische Vielfalt zu schaffen“, erklärt die Veterinärin. Das sei bisher dort nicht der Fall gewesen. Auf der Fläche eines Landwirts, der den Feldhamsterschutz unterstützt, werden die nachgezüchteten Hamster ihren neuen Lebensraum finden.

Bis zu zehn Junge

Feldhamster bringen zweimal im Jahr bis zu zehn Junge zur Welt, die in der freien Natur nicht alle überleben. Bei Störchen, Füchsen und Raubvögeln stehen die Nager auf der Speisekarte. Im Gegensatz zum Hamster, der als Haustier gehalten wird, sind Feldhamster etwa so groß wie Meerschweinchen und bringen 500 Gramm auf die Waage. Fühlen sie sich bedroht, lassen sie sich entweder in die Röhre zu ihrem Erdbau fallen oder greifen an. Selbst Menschen. Bei Schellerten stellte sich bei Bauarbeiten ein wehrhafter Hamster selbst mal einem Bagger entgegen. Die Börde zählt zu den hiesigen Lebensräumen der Hamster.

Im neuen Artenschutzzentrum, das von Sponsoren unterstützt wird, ist es dagegen friedlich. Am Vormittag lassen sich lediglich Dirk, Cleo und Charlotte mal kurz und verschlafen blicken. Ihre Zeit ist die Nacht.

Offene Tür

Wer sich die Hamster im neuen Artenschutzzentrum einmal anschauen möchte, hat am Sonntag, 2. Juni, von 15 bis 17 Uhr die Gelegenheit dazu. Neben einem Blick hinter die Kulissen wird auch Unterhaltung für Kinder mit Spiel- und Bastelaktionen im Ruther Weg 8 in Koldingen nahe Sarstedt geboten.

 

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