Hildesheim - Mit der Verhaftung der mutmaßlichen RAF-Terroristin Daniela Klette in Berlin am Dienstag werden Erinnerungen an den „Deutschen Herbst“ 1977 wach, der mit der Ermordung Generalbundesanwalts Siegfried Buback, seines Fahrers Wolfgang Göbel und des Justizbeamten Georg Wurster tatsächlich schon im Frühjahr 1977 blutig begonnen hatte. Auch ein Hildesheimer war tief in die Aktivitäten der zweiten Generation der linksextremistischen Terrorgruppe verwickelt, Rolf Heißler.
Der gebürtige Bayreuther besuchte bis zu seinem Abitur 1967 das Andreanum und kam schon kurz danach mit der Baader-Mainhof-Gruppe in Kontakt, Heißler gilt als Schlüsselfigur bei der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und ist im vergangenen Jahr verstorben.
Der Schock war groß
Was 1968 mit Brandstiftungen begonnen hatte, eskalierte 1972 mit den Bombenanschlägen der „Mai-Offensive“, danach wähnte sich die Öffentlichkeit zunächst in Sicherheit, da die Mitglieder der ersten Generation gefasst und vor Gericht gestellt werden konnten. Die Ruhe war trügerisch, der Schock über den Anschlag auf Siegfried Buback auch an der Innerste entsprechend groß.
HAZ-Redaktion reagierte sofort
Als am Morgen des 7. April die ersten Nachrichten über die Ereignisse in Karlsruhe eingingen, reagierte die HAZ-Redaktion sofort und ließ ein Extrablatt mit der Meldung produzieren, dem im weiteren Verlauf des Jahres noch einige folgen sollten. HAZ-Leser und Zeitzeuge Andreas Görg, der während seiner Schulzeit am Andreanum mit der Brutalität der RAF konfrontiert wurde, erinnert sich an den Anruf eines Zeitungsmitarbeiters: „Am Tag des feigen Mordes an Buback und seinen Begleitern wurde unser Vater gefragt, ob mein Bruder und ich wohl ein Extrablatt zu dem Attentat in der Stadt verteilen könnten. Gesagt, getan ... Horst-Dieter und ich standen schon bald zusammen mit einem Freund in der Fußgängerzone und riefen: ,Extrablatt, Generalbundesanwalt Buback ermordet!‘ Immer, wenn ich heute daran denke, kann ich es noch immer nicht glauben. Die Menschen waren damals bekanntlich nicht so schnell informiert wie heute und bis zu diesem Tag eher selten mit einem ,Extrablatt‘ konfrontiert. Sie waren zunächst skeptisch, denn es gab in der Fußgängerzone auch viele Bettler und Hausierer. Aber je mehr Leute sich schließlich um uns versammelten, desto größer wurde der Zustrom. Wir haben damals kein Extrablatt behalten, heute wäre es sicher ein besonderer Zeuge dieses ,schwarzen Tages‘!“
Wer besitzt ein Extrablatt?
Andreas Görg hat mit seiner Einschätzung völlig Recht, leider hat ein Exemplar dieses wichtigen Zeitdokuments weder den Weg ins Zeitungs- noch in das Stadtarchiv gefunden.
Wir nutzen daher die aktuellen Ereignisse für einen Aufruf in eigener Sache: Falls unsere Leser Unterlagen aus dieser besonderen Phase der Geschichte der Bundesrepublik gesammelt haben sollten und zufällig die Sondernummer vom 7. April 1977 (oder andere) darunter sind, würden wir uns über eine Nachricht sehr freuen. Vielleicht dürfen wir die Ausgabe digitalisieren oder Sie mögen sich davon trennen? Kontakt unter 0 51 21/106-360 oder redaktion@hildesheimer-allgemeine.de.
Von Sven Abromeit
