Radio Doria

Auf Tour mit Andrea Berg und Jan Josef Liefers, als Produzent in Amerika: Dieser Hildesheimer ist auf der ganzen Welt gefragt

Hildesheim - Andrea Berg, Jan Josef Liefers: Sebastian Cuthbert kennt die Stars und die Stars kennen ihn. Gerade verschiebt er aber seinen Fokus. Er will mehr als Produzent arbeiten. Interesse gibt es sogar aus den USA.

Sebastian Cuthbert spielt zwar zahlreiche Instrumente, seine Musik macht er aber mittlerweile vor allem am Rechner. Wie aus einzelnen Bestandteilen ein Song entsteht, fasziniert ihn. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Mit den Stars ist er per Du. Wenn Sebastian Cuthbert zum Beispiel vom Jan spricht, dann meint er Jan Josef Liefers. Denn der Kino- und Tatort-Star reist gerade mit Radio Doria durch Deutschland. Die Band verabschiedet sich mit diesem Finale Grande von der Bühne und Cuthbert gehört dazu. Für Liefers spielt er Keyboard, nächstes Jahr sitzt er für Andrea Berg am Schlagzeug. Seit 16 Jahren gehört er zur Live-Band des Schlagerstars. Auf seiner Internet-Seite reihen sich die Namen der Showgrößen, mit denen er gearbeitet hat, aneinander: Roger Cicero und Michael Patrick Kelly, Nena und Karel Gott. Der Hildesheimer ist ein Musiker, den die Stars gerne mit auf Tour oder im Studio haben. Aber gerade richtet er seinen Fokus anders aus.

Der 47-Jährige sitzt in seinem Studio am Flugplatz von Hildesheim und auf seinem Kopf sitzt eine Schirmmütze mit zwei Buchstaben: L.A; Los Angeles. Im September war er in der Millionenstadt in Kalifornien. „Das war spannend“, sagt Cuthbert. Er untertreibt. In der US-Metropole hat er zwei Wochen lang an einem Projekt gearbeitet, an dem Musiker und Produzenten weltweit mitwirken. Er war mit Vinnie Colaiuta und Abraham Laboriel im Studio, mit Paul Jackson jr. und John Pena. Wer sich mit Musik auskennt, dem fällt wohl die Kinnlade herunter. Es sind Musiker, die mit allen denkbaren Weltstars gespielt haben. Sting und Frank Zappa, Aretha Franklin und Ella Fitzgerald, Herbie Hancock und Michael Jackson, Tina Turner und Whitney Houston.

„Ich bin ein Nordlicht“

Jetzt lächeln Colaiuta und Laboriel vom Monitor im Studio von Cuthbert. Das Bild zeigt seinen Sohn und ihn vor einem Diner. Die vier Männer lächeln und strecken die Daumen zur Kamera. „Ich konnte mit den Leuten arbeiten, mit denen ich groß geworden bin“, sagt Cuthbert. Er trägt schwarz-weiße Turnschuhe und hat die Ärmel seines Sweatshirt hochgekrempelt. Seine Brillengläser rahmt ein goldenes Gestell und sein Gesicht ein gepflegter Vollbart. Vor 47 Jahren kam Cuthbert als Sohn eines Engländers und einer Deutschen in Hamburg zur Welt. Als er zwölf Jahre alt war, zog die Familie nach Hildesheim. Er ging zur RBG, leistete seinen Zivildienst und ging dann nach Dinkelsbühl, um sich am Schlagzeug ausbilden zu lassen.

Dort lernte er Danyelle Vanes, seine heutige Frau, kennen. Nach der Jahrtausendwende zog das Paar ins Siegerland, wo ihr Sohn zur Welt. „Aber ich bin ein Nordlicht“, gesteht Cuthbert. 2009 zog die Familie zurück nach Hildesheim. Vanes betreibt hier eine Gesangsschule und Cuthbert hat sich im selben Gebäude sein Studio eingerichtet. Er geht noch auf Tour und gibt noch Unterricht. Aber das sind zusätzliche Standbeine. Gerade will er sich als Musikproduzent bekannt machen.

Die ersten Aufnahme hat er schon als Teenager gemacht

„Die Faszination, Musik zu kreieren, war schon im Teenie-Alter da“, erinnert er sich. Seine ersten Aufnahme hat er mit einem Vierspurrekorder gemacht. Das habe ihn mehr begeistert, als ein Instrument virtous zu beherrschen, gibt er zu. Was nicht heißt, dass er seine Ausbildung nicht gern gemacht hätte, oder es nicht schätzen würde, selbst auf der Bühne an Keyboard oder Schlagzeug zu sitzen. Die Erfahrungen als Musiker helfen ihm. In seinem Studio steht sein Schlagzeug, an der Wand hängen Bass, Gitarre, sogar eine Mandoline. Aber noch mehr faszinieren ihn die Programme auf seinem Rechner, die Regler und Graphen. „Aus einer Melodie lassen sich so viele Variationen machen“, erklärt er seine Faszination.

Um zu verdeutlichen, was er meint, drückt er auf Play. „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ beginnt zu spielen. Das Kirchenlied ist eine von drei Kompositionen, an denen er in L.A. gearbeitet hat. Er ist ein Produzent von Hymnify. Die App ist gerade im Entstehen und soll traditionelle Kirchenlieder und Hymnen in modernen Arrangements bieten. Nutzer können sie hören oder auch einzelne Instrumente abschalten. Chöre, Bands oder Solisten können dann damit üben oder auftreten. Drei Stücke hat Cuthbert für die App bearbeitet, zwei Titel selbst aufgenommen, darunter ein Duett mit seiner Frau.

Ein Wunsch geht in Erfüllung

Auf „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ spielen Colaiuta und Laboriel, seine Idole, Schlagzeug und Bass. Er singt. Dazu kommen Streicher aus Südafrika. Als Produzent entscheidet Cuthbert, welche Effekte der Gesang bekommt, wann welches Instrument einsetzt, welche Klänge laut, welche leise sind. So klingt das Kirchenlied stadiontauglich und feierlich zugleich. Cuthbert ist Christ und Musiker, kein christlicher Musiker, sagt er. „In meinem Leben nimmt mein Glaube einen großen Teil ein“, erklärt er. An die Seite seines L.A.-Cappies hat er 3:16 – für Johannes 3, Vers 16; den Leitspruch des Projektes – sticken lassen.

Bei Hymnify sei ihm aber auch wichtig, dass es Musik auf hohem Niveau sei. „Man kann in Hildesheim leben und in L.A. mit Leuten arbeiten, die Rang und Namen auf der ganzen Welt haben“, erklärt er. Das will er in seinem Studio jetzt vorantreiben. Auf Tour geht er trotzdem weiter. Dieses Jahr noch mit Radio Doria, nächstes Jahr zwei Monate mit Andrea Berg. Dann wird es ihn aber immer wieder ins Studio ziehen, um als Produzent zu arbeiten. „Für mich ist ein langer Wunsch in Erfüllung gegangen“, sagt er. „Das ist toll.“

Radio Doria treten Donnerstag, 21. November, im Theater am Aegi in Hannover auf.

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