Praxisübernahme

Aufnahmestopp in mancher Praxis – nun kommen zwei neue Hausärztinnen für Hildesheim

Hildesheim - Eine hausärztliche Praxis in Hildesheim zu finden, wird zunehmend schwerer. Vor diesem Hintergrund dürfte es für manche Suchende interessant sein, dass zwei Hausärztinnen sich neu in der Stadt niederlassen. Sie übernehmen einen bestehenden Kassensitz und verdoppeln ihn: Wo sie herkommen, was sie vorhaben.

Dr. Caroline Hauser und Dr. Bernadette Ernst übernehmen eine hausärztliche Praxis am Dammtor in Hildesheim. Foto: privat

Hildesheim - Zwar hat die Stadt Hildesheim mit Abstand die größte Arztdichte der Region – doch das liegt vor allem an den fachärztlichen Praxen, die in der Großstadt konzentriert sind. Wenn es um die hausärztliche Grundversorgung geht, stehen nach kreisweiten Daten sogar einige Kommunen des Umlandes besser da, nämlich Bad Salzdetfurth, Söhlde und als Spitzenreiter die Gemeinde Giesen. Von dort machen sich jetzt zwei bisher noch angestellte Internistinnen auf den Weg, um am Dammtor in Hildesheim mit einer eigenen hausärztlichen Praxis den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen: Dr. Caroline Hauser und Dr. Bernadette Ernst übernehmen die seit gut 20 Jahren bestehende Gemeinschaftspraxis des Ärzte-Ehepaars Annette und Andreas Joerg Klein im Haus Dammstraße 25. Das bisherige Inhaber-Duo widmet sich neuen Aufgaben, wie die Nachfolgerinnen berichten.

Patientinnen und Patienten kommen aus Hildesheim nach Giesen

Die Praxis war bisher eine ungewöhnliche Kooperation von Hausarzt und Hautärztin. Hauser und Ernst übernehmen nun zwei hausärztliche Kassensitze, erweitern also diesen Part und kündigen an, ab Januar auch neue Patientinnen und Patienten aufzunehmen. Das können derzeit nicht alle allgemeinmedizinischen Praxen in Hildesheim leisten, manche haben einen Aufnahmestopp. Das weiß Caroline Hauser aus ihrer aktuellen Tätigkeit als angestellte Ärztin in einer großen Giesener Praxis mit Außenstellen in Emmerke und Machtsum: „Zu uns kommen auch Patienten, die in Hildesheim keine hausärztliche Praxis finden, die sie aufnimmt“, berichtet sie. Nach ihrer Einschätzung sind manche Einwohnerinnen und Einwohner in der Großstadt vergeblich auf der Suche nach einem Hausarzt oder einer Hausärztin.

Ein Schwerpunkt: Behandlung von Bluthochdruck

Caroline Hauser und Bernadette Ernst haben viele Gemeinsamkeiten: Beide stammen aus Hildesheim, studierten an der Medizinischen Hochschule Hannover, arbeiteten am St.-Bernward-Krankenhaus in Hildesheim und sind seit einigen Jahren zusammen in der Giesener Praxis im Einsatz. Dort werden die beiden Inhaber auch nach dem Weggang der beiden Ärztinnen noch mehrere angestellte Kolleginnen und Kollegen zur Seite haben. Hauser und Ernst sind beide verheiratet und haben jeweils zwei Kinder. Sie sind ausgebildete Fachärztinnen für Innere Medizin, wollen in der neuen Praxis aber vor allem klassische hausärztliche Betreuung bieten, verbunden mit internistischer Diagnostik. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Behandlung von Bluthochdruck, der sogenannten Hypertensiologie, für die beide Ärztinnen zertifiziert sind.

Das bewährte Praxisteam mit sechs Medizinischen Fachangestellten wird übernommen. Die alte Praxis schließt voraussichtlich zum 8. Dezember. Nach einer Modernisierung und einer Umstellung der EDV-Anlage geht die neue Praxis mit den beiden Ärztinnen Anfang Januar an den Start.

Düstere Prognosen

Generell droht dem gesamten Landkreis Hildesheim in einigen Jahren ein Hausärztemangel. Nach einer Studie der Robert Bosch Stiftung wird die Arztdichte in der Region zum Jahr 2035 wohl um 39 Prozent zurückgehen. Damit gehört Hildesheim landesweit zu den Kreisen mit dem stärksten erwarteten Ärzteschwund. Die Region steuert auf eine Unterversorgung zu. Die Studie ist zwar schon vier Jahre alt – doch seitdem haben sich die Rahmenbedingungen nicht grundlegend verändert. Bundesweit werden 2035, so die Prognose, 11.000 Hausärztinnen und -ärzte fehlen.

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