Mehrum - In diesen Tage geht im Hohenhamelner Ortsteil Mehrum nach fast 60 Jahren eine Ära zu Ende. Das Steinkohlekraftwerk wird endgültig abgeschaltet. Seit 1965 ist das Kraftwerk in Betrieb. Zunächst wurde es mit Heizöl und Erdgas betrieben. 1979 begann die Verfeuerung von Steinkohle, angeliefert über einen eigens dafür angelegten Hafen am Mittellandkanal.
Doch wegen der Energiewende ist nun Schluss damit. Eigentlich sollte der Betrieb bereits Ende 2021 enden. Der tschechische Kraftwerksbetreiber hatte dafür eine Prämie in unbekannter Höhe erhalten. Im Zuge der Energiekrise war das Kohlekraftwerk aber doch noch einmal ans Netz gegangen. Jetzt aber ist endgültig Schluss. Zum letzten Mal raucht der Schornstein in diesen Tagen noch. Voraussichtlich am Gründonnerstag, 28. März, ist der letze Betriebstag, wie Geschäftsführer Armin Fieber auf HAZ-Anfrage bestätigte.
Im Oktober beginnt in Mehrum der Abriss
Der tschechische Kraftwerksbetreiber EPH will auf dem Kraftwerksgelände, neben dem heutigen Standort des Kohlekraftwerks, ein Gaskraftwerk bauen. Ein Vorgenehmigungsverfahren beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsam in Braunschweig läuft bereits.
Doch zunächst einmal steht nun der Abriss des Kohlekraftwerks an. Damit wurde eine Spezialfirma aus dem Raum Cuxhaven beauftragt. Die Arbeiten beginnen nach Angaben von Kraftwerksgeschäftsführer Armin Fieber im Oktober und werden voraussichtlich zweieinhalb Jahre dauern.
Betriebsstart Anfang 2028?
In einem Vorverfahren hat der Kraftwerksbetreiber Bescheide für zwei unterschiedliche Varianten beantragt, eine mit einer Leistung von bis zu 1200, in der anderen von maximal 1100 Megawatt. In den nächsten Monaten dürfte das Gewerbeaufsichtsamt darüber entscheiden. Wann die eigentliche Genehmigung erteilt werden kann, ist noch offen. Betriebsstart soll jedenfalls nach den derzeitigen Plänen Anfang 2028 sein.
Die Pläne für das große Gaskraftwerk sind bereits heftig kritisiert worden. Die renommierte Energie-Expertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung etwa sprach von einem „Dinosaurier“ der fossilen Stromerzeugung. Nach Ansicht der Expertin wäre es sinnvoller, 15 bis 20 kleine und dezentrale Kraftwerke statt ein großes zu bauen.
Wird Abwärme nicht genutzt?
Nach Ansicht von Kraftwerksgeschäftsführer Fieber ist aber gerade am Standort Mehrum, das am Knotenpunkt wichtiger Leitungen liege, ein großes Kraftwerk sinnvoll. Außerdem könne an dem etablierten Standort schnell das Kraftwerk hochgezogen werden, was angesichts der zu erwartenden Lücke bei der Stromversorgung wichtig sei.
Die Kritiker führen außerdem an, dass die Abwärme, mit der man nach Expertenansicht mehrere Großstädte versorgen könnte, nicht genutzt werden soll. Zwischenzeitlich hatte der Kraftwerksbetreiber zwar angekündigt, dass es Gespräche mit umliegenden Gemeinden über eine Wärmenutzung gebe. Doch davon ist man inzwischen wieder abgerückt.
Nachnutzung für den Kohlehafen
Es gebe bislang keine Abnehmer für die Wärme, erläutert Geschäftsführer Fieber: „Das Kraftwerk wird in Zeiten eingesetzt, wo Strom aus erneuerbaren Energien fehlt. Das passt aber nur in den seltensten Fällen mit einem regionalen Wärmebedarf zusammen.“ Man werde aber alle baulichen Voraussetzungen schaffen, damit die neue Anlage bei veränderten Bedingungen Wärme auskoppeln könne.
Eine Nachnutzung ist auch für den Kohlehafen geplant. Auf dem rund 50.000 Quadratmeter großen Gelände soll ein Industriegebiet entstehen. Die Fläche liegt auf der Grenze zwischen der Stadt Peine und der Gemeinde Hohenhameln. In beiden Kommunen laufen bereits Verfahren für die Aufstellung eines Bebauungsplans, der die neue Nutzung regelt.
