Von Jan Fuhrhop
Hildesheim. Drei Monate nachdem die Sportgeschäftkette Voswinkel wegen finanzieller Probleme in ein sogenanntes Schutzschirmverfahren eingetreten ist, steht fest: Die Hildesheimer Filiale in der Arneken Galerie soll zum 31. Oktober aufgegeben werden. Neun Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Das zweite Hildesheimer Geschäft in Bavenstedt will Voswinkel weiter selbst betreiben, auch hier sind neun Mitarbeiter beschäftigt.
Insgesamt kündigt das Dortmunder Unternehmen die Mietverträge für 22 von 72 Standorten. Zudem sollen im Warenverteilzentrum in Bochum und in der Zentrale in Dortmund Stellen abgebaut werden. Insgesamt sind von den Sparplänen 275 Arbeitsplätze betroffen. Alle für die Schließung vorgesehenen Filialen seien als „nicht zukunftsfähig“ eingestuft worden, teilt der Sprecher einer für Voswinkel tätigen PR-Agentur auf Nachfrage mit. Diese Standorte hätten „zum Verlust beigetragen“. Die Hoffnung ist nun: durch den Schrumpfkurs und das anstehende Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung wieder in ruhige Fahrwasser zu gelangen und die Kette zu retten. Ob die Mitarbeiter der Hildesheimer Filiale dennoch weitermachen können, ist noch offen. „Wir bemühen uns, für die betroffenen Filialen einen Käufer zu finden und so möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten,“ sagt Marcus Neul, Geschäftsführer der Sport Voswinkel GmbH & Co. KG.
Der Centermanager der Arneken Galerie, Holger Höfner, will das Aus der Filiale noch nicht als besiegelt ansehen – er verweist auf Gespräche zwischen der Voswinkel-Führung und der Zentrale des Galerie-Betreibers Klépierre. „Wir suchen noch nach einer Lösung.“ Die könnte nach Ansicht Höfners eine niedrigere Miete sein, die für das Center „noch tragbar“ wäre und Voswinkel beim Sparen helfen würde. Denn eines ist klar: Würde Voswinkel tatsächlich ausziehen, stünden 800 Quadratmeter leer und es wäre für die Arneken Galerie „ein Rückschlag“, wie Höfner unumwunden einräumt.
Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter von Sport-Voswinkel werden ab 1. August wieder vom Unternehmen gezahlt. Während des Schutzschirmverfahrens – einer Sonderform des Insolvenzverfahrens, das nur Unternehmen offensteht, die eine Aussicht auf eine Sanierung haben – hatte die Agentur für Arbeit die Zahlungen übernommen.
Die Rettung des Unternehmens, das zuletzt insgesamt rund 1200 Mitarbeiter beschäftigte, soll nun im Eigenverfahren laufen. Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert; bei Sport Voswinkel sind dies Anna-Lena Schulte-Angels und Marcus Neul. Ihnen zur Seite gestellt ist der Sanierungsexperte Dr. Lorenzo Matthaei von der Kanzlei Finkenhof Rechtsanwälte aus Frankfurt. In der Eigenverwaltung setzt das zuständige Amtsgericht Dortmund keinen Insolvenzverwalter, sondern einen sogenannten Sachwalter ein.
Neun Mitarbeiter betroffen
Bavenstedter Standort bleibt
