Wesseln - Weil er trotz Verbotes gefilmt haben soll, hat der Wesselner Antiquitätenhändler Markus Reinecke nun lebenslanges Hausverbot auf mehreren Flohmärkten in Stadt und Landkreis Hildesheim. Das Verbot quittiert der Trödelfuchs, der durch die RTL-Show „Die Superhändler – 4 Räume, ein Deal“ und durch das „Dschungelcamp“ in Deutschland bekannt wurde, allerdings nur mit einem müden Lächeln. „Die Aktion des Marktbetreibers hat am Ende das Gegenteil bewirkt. Er hat nach der bundesweiten Berichterstattung sogar noch die Werbetrommel für mich in Gang gesetzt“, meint der Wesselner.
Und noch etwas kommt für Reinecke dazu: „Auf diese Märkte kann ich gut verzichten, weil das Angebot mich nicht anspricht. Der Betreiber hat mir die Entscheidung abgenommen.“ Den Trödelfuchs freut es umso mehr, dass er auf all den anderen großen Märkten in der Region dagegen zu den gern gesehenen Besuchern gehört. Aber was hat denn nun konkret zu dem Betretungsverbot geführt? Der Flohmarkt-Experte bummelt gern auf Flohmärkten, nicht zuletzt um Waren für sein Geschäft einzukaufen. Daneben betreibt er einen Tiktok-Kanal, auf dem er sich zu der Qualität von Flohmärkten äußert und am Ende eine Bewertung abgibt.
Kritik an der Preispolitik
„Für mich ist Objektivität eine wichtige Sache, ganz gleich ob der Flohmarkt in Hildesheim auf einem Edeka-Parkplatz, vor dem Ikea-Markt in Burgwedel oder auf Sylt im Hörnumer Hafen stattfindet. Und Leute filme ich auf keinen Fall“, betont der 54-Jährige. Im Oktober stattete der Trödelfuchs einem Flohmarkt des Veranstalters „Harzfloh“ in Hildesheim einen Besuch ab. Anschließend äußerte er vor der Kamera seinen Unmut darüber, dass er für nur 20 Stände einen Euro Eintritt bezahlen musste.
Die von Betreibern oftmals angeführte Begründung, dass die Kosten gestiegen seien, lässt der Trödelfuchs nicht durchgehen. „Ich kann es ja noch verstehen, wenn es eine Gegenleistung gibt. Wenn zum Beispiel der Markt in einer Halle stattfindet und dort die Toiletten genutzt werden dürfen oder ein Parkplatz inklusive ist, dann will ich das Eintrittsgeld ja noch akzeptieren“, wettert der Trödelfuchs. „Zu Corona-Zeiten war diese Gebühr ja noch gerechtfertigt. Aber jetzt sind die Zusatzkosten wie Hygieneartikel oder Zugangsbeschränkungen weggefallen“, ergänzt Reinecke.
Streit wegen Kamera-Einsatz
Am Ende gab es für den Flohmarkt nur einen von zehn Sternen. Rund 200.000 Menschen schauten sich im Laufe der Zeit im Netz das Video an. Vor 14 Tagen gab Reinecke dem Flohmarkt in Hildesheim eine zweite Chance, zahlte auch den einen Euro an der Kasse. Die erste Bilanz fiel auch gar nicht mal schlecht aus: Im Vergleich zu Oktober war die Zahl der Anbieter gestiegen. Doch was dann kam, brachte den Trödelfuchs in Rage. „Es kam plötzlich in unfreundlicher Weise der Chef des Flohmarktes auf mich zu und verwies mich des Platzes. Dazu erteilte er mir Hausverbot“, blickt der Promi aus Wesseln zurück. Dazu hätte er anfangs gar nicht gewusst, wer da überhaupt vor ihm steht.
Veranstalter Markus Gaubatz aus Einbeck bestätigt gegenüber der HAZ das lebenslange Hausverbot für den Wesselner Händler. „Sein Filmen hat Aussteller und die Besucher gestört. Damit bringt er Unruhe auf den Platz“, erklärt Gaubatz. Er habe ihm bereits im vergangenen Jahr das Aufnehmen von Videos untersagt. Er könne sich sogar vorstellen, dass der Rauswurf von Reinecke provoziert wurde, damit er ein mediales Interesse erlangt. Für die Begründung hat Reinecke nur ein Kopfschütteln übrig: „Ich habe gar nicht auf dem Flohmarkt gefilmt, sondern nur davor“, erklärt der Trödelfuchs im Gegenzug. Ein schwacher Trost bleibt Reinecke am Ende: Den Euro Eintritt hat er nach seinem Rauswurf wieder in die eigene Tasche gesteckt.
