Kreis Hildesheim - Die Bundesstraße 1 ist seit Montag von Höhe Sorsum bis Groß Escherde in Richtung Westen gesperrt. Daher soll der Verkehr noch bis zum 30. Mai über eine Umleitung ab Hildesheim über Diekholzen durch den Südkreis nach Burgstemmen fließen – eigentlich. Doch viele Autofahrende nutzen diese lange Umleitung nicht, sie weichen stattdessen auf die B6 von Hildesheim in Richtung Hasede und Giesen aus. Das führt schon vor den Stoßzeiten zu kilometerlangen Staus – und schränkt den Verkehr in den Nordkreis erheblich ein.
Eigentlich sollen die Autofahrer nach Empfehlung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr via den Hildesheimer Wald, Diekholzen und Gronau zurück auf die B1 gelangen. Doch die Realität ist eine völlig andere – die offizielle, rund 30 Kilometer lange Strecke werde weitestgehend links liegen gelassen, wie etwa Diekholzens Ortsvorsteher Martin Küster (SPD) beobachtet: „Mehr Verkehrsaufkommen, mehr Staus oder dergleichen kann ich bei uns nicht feststellen.“ Im Despetal indes wird ein höheres Verkehrsaufkommen gemeldet. Anwohnende aus den Dörfern riefen die Polizei an, weil viele der Verkehrsteilnehmer sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten. Eine Messung der Polizei am Dienstag konnte dies allerdings nicht bestätigen. Der Verkehr in Richtung Roter Berg sei von dem vor der Sperrung nicht zu unterscheiden, so Küster weiter. Der Verkehr in Richtung Roter Berg sei von dem vor der Sperrung nicht zu unterscheiden. Denn statt der südlichen, offiziellen Route wählten die meisten Fahrerinnen und Fahrer eine andere. Und zwar in nördlicher Richtung über die B6 durch Hasede und dann weiter durch Giesen bis Burgstemmen – insgesamt rund 20 Kilometer.
„Komplettes Chaos“ in Hasede
Von einem „kompletten Chaos“ berichtet so auch der Haseder Ortsbürgermeister Lukas Vollmer (CDU) aus dem Dorf an der B6. Der Verkehr sei enorm. „Man braucht sehr lange, um nach Hasede hinein und dann wieder rauszukommen“, sagt Vollmer und nennt ein Beispiel: Ein Autofahrer, der von Barienrode nach Hasede wollte, benötigte für die Strecke seit Montag rund eine Stunde. Normalerweise dauere dies etwa 15 Minuten.
Für Vollmer ist die Annahme unrealistisch, dass Autofahrende die empfohlene Umleitung durch den Südkreis nehmen, um dann wieder die B1 zu erreichen. Und er geht davon aus, dass sich an der Situation so schnell nichts ändern dürfte. „Das wird leider noch einige Tage weitergehen.“ Und: Mit solchen Verhältnissen müssten die Menschen im Ort häufig klarkommen. Wenn etwa die A7 einmal blockiert sei, staue sich der Verkehr ebenfalls von der Kanalbrücke bei Hildesheim bis nach Hasede.
50 Minuten für rund 3 Kilometer
Genau so schildert es eine Hildesheimerin, die am Montag gegen 16 Uhr die B6 nehmen wollte – und das nicht, um der Baustelle auszuweichen, sondern um in Richtung Sarstedt zu fahren. Eigentlich nur ein kurzer Weg von rund 20 Minuten, sagt sie der Redaktion. „Ich bin aber nicht weit gekommen“ – bereits auf Höhe des Hildesheimer Hafens staute sich der Verkehr in Richtung Norden. „Die Schlange war unendlich“, meint die 49-Jährige. Und so hieß es für die Frau: Warten und sich Stück für Stück vorzutasten.
Erst am Haseder Ortsrand, an der Kreuzung zur Brückenstraße, entkam die Hildesheimerin dem Stau. „Die wollten alle links nach Giesen“, sagt sie über die anderen Fahrerinnen und Fahrer – in Richtung Hannover war die B6 oberhalb der Kreuzung dagegen wieder frei. Rund 50 Minuten habe sie gebraucht, um vom Staubeginn kurz hinter Hildesheim bis zur Haseder Kreuzung zu gelangen. Eine Strecke von nur rund drei Kilometern.
Behörde meldet sich spätestens am Mittwoch
Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, die für die B1-Baustelle zuständig ist, hat die Route über Hasede und Giesen bis Burgstemmen tatsächlich als offizielle Umleitung erkoren – allerdings ausschließlich für den Schwerlastverkehr. Alle anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer sollten die südliche Strecke über Diekholzen nehmen.
Behördensprecher Martin Klose versprach eine baldige Antwort, nachdem ihn diese Zeitung zum Hintergrund der beiden Umleitungen fragte und auf das reale Verkehrsverhalten ansprach. Dass er dazu noch am Dienstag Zeit finde, könne er nicht versprechen – spätestens am Mittwoch wolle sich die Behörde aber zu den Umständen äußern.
Von Milan Bauseneik und Alexander Raths
