Bad Salzdetfurth - Viele Bad Salzdetfurther haben eine unruhige Nacht hinter sich. Die Prognosen – und der Blick auf die steigende Lamme vor ihrer Haustür ließ auch nicht viel Gutes vermuten. Die gute Nachricht gleich vorweg: Es hat keine ganz großen Überschwemmungen gegeben, die viele Arbeit der Einsatzkräfte am Sonnabend hat Rechnung getragen – doch gibt es noch keine endgültige Entwarnung für die Feiertage.
Pegel weiter hoch
Die Lamme ist an der Pegelmessstelle in Bad Salzdetfurth am frühen Morgen unter drei Meter gesunken, die Innerste liegt in Heinde zwar weiterhin über sechs Meter, die Tendenz ist aber vorerst fallend. Wenngleich der NLWKN gegen Mittag noch einen kurzfristigen Anstieg prognostiziert. Die befürchteten Überschwemmungen gab es in der Nacht in Heinde nicht. Die Anlieger der Florianstraße in Klein Düngen, deren Grundstücke unmittelbar an die Lamme grenzen und bei denen die Hochwasserschutzwände noch nicht installiert sind, hatten große Sorgen. Doch der mobile Schutz und eine Sandsackwand gaben ausreichend Schutz, zudem blieb die Lamme niedriger als erwartet. Während es in Heinde ruhig blieb, gab es an anderer Stelle am späten Abend Probleme: In Wehrstedt mussten zwei Trafostationen gesichert werden. „Das war dringend nötig, um die Stromversorgung sicherzustellen“, sagt Bürgermeister Björn Gryschka. Etliche Sandsäcke schützen die Einrichtungen. „Deshalb geben wir auch keine Sandsäcke an die Bevölkerung aus“, ergänzt Uwe Pepper, Pressesprecher der Bad Salzdetfurther Feuerwehr. „Das ist eine bewusste Entscheidung, die Sicherung der Infrastruktur geht immer vor“, sagt auch Erster Stadtrat Heiko Räther. Die Nachfrage sei aber auch überschaubar gewesen. Nach 2017 hätten viele Bürger und Bürgerinnen Selbstvorsorge betrieben. Etliche Hausbesitzer haben eigenen Hochwasserschutz und Sandsäcke installiert.
Statt der Lamme in Klein Düngen trat in Östrum und Breinum die Riehe in der Nacht über die Ufer und flutete die Straße. Die Ortsdurchfahrten und auch einige angrenzenden Straßen mussten gesperrt werden und sind es am frühen Sonntag noch immer. „Sie sollen aber im Laufe des Vormittags frei gegeben werden“, sagt Gryschka.
Kreuzung wieder frei
Bereits frei ist die Kreuzung Bodenburgerstraße/L490, die in der Nacht gleich zweimal gesperrt war. Der Klusbach, der eigentlich Oberflächenwasser zur Lamme abführt, war verstopft. Das Wasser floß deshalb über Land ab und flutete den Kreuzungsbereich an der Entlastungsstraße in Höhe Autohaus Lörchner. „Wir hatten das Problem in der Nacht schon einmal abgearbeitet, doch es trat kaum anderthalb Stunden später wieder auf“, erzählt Räther. Der Bauhof hatte die neuralgischen Punkte ab Freitag regelmäßig kontrolliert, doch der Klusbach fließt stellenweise unterirdisch und hatte mit seiner starken Strömung allerhand mitgerissen.
Für den Heiligabend gibt Gryschka vorsichtig Entwarnung. Doch ab morgen könne sich die Lage wieder ändern. Zum einem halten sich die Wasserpegel auf hohem Niveau, zum anderen sind ab Montag erneut stärkere Regenfälle angesagt. Krisenstab und Feuerwehr gehen deshalb am heutigen Tag „in Ruhe“, seien aber ruckzuck zurück am Start, wenn sich die Lage erneut zuspitzen sollte. Für den Fall liegen auch bereits jede Menge gefüllte Sandsäcke bereit. Auch Maschinen, Einsatzfahrzeuge und mobiler Hochwasserschutz bleiben auf Standby.
Ruhepause für die Feuerwehr
Gryschka und Pepper bitten um Verständnis, dass die Feuerwehr am heutigen Tag keine privaten Keller auspumpen wird. Der Kräfte zehrende Einsatz der vergangenen 24 Stunden und der Ausblick auf die kommenden Tage mache eine Pause für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte unabdingbar.
Die HAZ informiert fortlaufend im Liveticker über das Hochwasser in der Region.

