Zuschussgeschäft

Bad Salzdetfurth: Müssen im Solebad bald die Eintrittspreise steigen?

Bad Salzdetfurth - Rund 60.000 Besucher zählt das Solebad in Bad Salzdetfurth jedes Jahr. Dennoch schreibt die Kurbetriebs GmH rote Zahlen und braucht Zuschüsse ihrer Gesellschafter. Wie können die Einnahmen verbessert werden?

Rund 60.000 Eintrittskarten fürs Solebad wurden 2021 verkauft, hinzu kommen die Badegäste, die über Gruppen wie Eintracht oder Rheumaliga kommen, weiß Thomas Oelker, Geschäftsführer der Kurbetriebsgesellschaft. Foto: Ulrike Kohrs

Bad Salzdetfurth - Dass der Kurbetrieb ein Zuschussgeschäft ist, ist kein Geheimnis. Jedes Jahr müssen die Stadt Bad Salzdetfurth und der Landkreis Hildesheim als Gesellschafter Verluste abdecken – Stadt und Kreis sind dazu vertraglich verpflichtet. Angesichts der Höhe der Summen sah die FDP jetzt aber Redebedarf und ließ den Punkt auf die Tagesordnung des Kreisfinanzausschusses am Montag setzen.

1,9 Millionen Defizit in 2022?

Auf rund 1,9 Millionen Euro beläuft sich die Finanzlücke des Kurbetriebs voraussichtlich in diesem Jahr. Eine Summe, die sich auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren befindet und nicht doppelt so hoch ausfällt wie im Haushaltsplan. So hatte es FDP-Ratsherr Henrik Jacobs zunächst am Montag im Kreisfinanzausschuss dargestellt. Tatsächlich teilen sich Kreis und Stadt den Betrag gemäß Gesellschaftervertrag mit 51 zu 49 Prozent. Daran erinnerte auch der Bad Salzdetfurther Andreas Koschorrek (CDU) und stellte zudem die Gesamtetats von Kreis und Stadt (500 Millionen gegen 20 Millionen) in Relation. Er warnte angesichts der „enormen Strahlkraft des Kurbetriebs über die Kreisgrenze hinaus“ zudem davor, voreilig etwas infrage zu stellen.

Die Zuschüsse von Stadt und Kreis werden in vier Zahlungen im Jahr an den Kurbetrieb geleistet. „Die letzte erst nach Abschluss der Jahresrechnung“, erklärt Thomas Oelker, Geschäftsführer der Kurbetriebsgesellschaft. Fällt die Jahresbilanz positiver aus als gedacht, würden Stadt und Kreis entsprechend weniger zahlen. „Im vergangenen Jahr brauchten wir 300.000 Euro weniger als zunächst erwartet“, so Oelker. Für dieses Jahr kann er dazu noch keine Angaben machen: „Es sind noch nicht alle Reparaturarbeiten abgerechnet.“

Sanierungen stehen an

Auch mit Prognosen für die kommenden Jahre tut sich Oelker schwer. Auf viele Faktoren habe er auch keinen Einfluss. „Nehmen wir das Moorbad als Beispiel. Eine Anwendung mit unserem Luttrumer Moor verursacht Kosten in Höhe von rund 100 Euro, von den Krankenkassen bekommen wir aber nur 45 Euro“, rechnet Oelker vor. Zudem würden definitiv Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten anfallen. „Machen wir uns nichts vor, das Kurmittelhaus ist 1928 gebaut worden, da gibt es immer Reparaturbedarf“, so Oelker. Aber geplant seien auch Investitionen, die langfristig Geld sparen würden. Wie die Erneuerung der Trinkwasserleitungen im Therapiezentrum mit der der Kurbetrieb bereits begonnen habe. Aufgrund viel zu großer Rohre und Speicherkapazitäten würde dort derzeit unnötig Wasser und Energie verbraucht. Unabwendbar sei zudem eine Komplettsanierung des Gradierwerkes auf der Salinenseite.

„Wir versuchen zu sparen, wo es nur geht“, versichert der Geschäftsführer und erinnert daran, wie viel Personal bereits abgebaut wurde. „Mehr geht nicht“, sagt Oelker. Mit Blick auf steigende Energiekosten erklärt er aber, dass 2023 ein neuer Liefervertrag für Fernwärme geschlossen werden soll, um weniger vom globalen Energiemarkt abhängig zu sein.

60.000 Eintrittskarten verkauft

Zur Frage nach den Möglichkeiten, die Einnahmen zu verbessern, hält sich Oelker zurück. Der Aufsichtsrat tage in Kürze, dann werde es auch um die Eintrittspreise im Solebad gehen, sagt er. Die sind zuletzt 2019 angehoben worden. Wieviele Besucher es im vergangenen Jahr im Bad gegeben habe, lasse sich ganz genau nicht sagen. „Aber wir haben rund 60.000 Eintrittskarten verkauft“, so Oelker. Hinzu kämen die Menschen, die über Gruppen von Eintracht Hildesheim oder Rheumaliga Gast im Solebad seien.

Dass die Verlustabdeckung von Kreis und Stadt politisch immer mal wieder kritisch gesehen würde, sei nachvollziehbar. „Die kommunalen Haushalte sind schwer belastet“, sagt der Geschäftsführer. Doch deswegen die „Axt anzusetzen“ sei nicht richtig. Was würde denn passieren, wenn die Gesellschafter die Verlustabdeckung nicht mehr stemmen könnten? „Dann ist hier bald Feierabend.“

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